Fußballherz was willste mehr?

Aus dem Westfalenstadion berichten
Andreas Römer
und Stephan Münnich

Der BVB schafft in einem Krimi mit 4:3 den dritten Platz und feiert! Nach zweimaligen Rückstand gelang zum Schluss mit zwei Elfmetern der nicht unverdiente Sieg und damit erneut die direkte Qualifikation für die Champions League.

Ja, wir haben sie gesehen, die kurze Umarmung nach dem Spiel von Aki Watzke und Trainer Thomas Tuchel. Ob das allerdings was zu bedeuten hat, mag mancher in seiner Glaskugel entdecken, wir zumindest wissen nix. Watzke suchte ja bereits für Verständnis im Falle einer Trennung von Thomsa Tuchel. Im Stadionmagazin schreibt er, auch in den kommenden Jahren sei das Handeln (vermutlich seins/Die Red.) vom Wohle des Vereins bestimmt. Aha! Wenn man Tuchel also entfernt, ist das nur zum Besten des BVB soll das wohl im Umkehrschluss heißen?

Doch das war nach 93 Minuten heißem Fußballtanz den meisten in diesem Moment auch völlig egal. Begonnen hatte das Spiel mit einem Loch - einem Loch inmitten von Block "Drölf". Wie die Polizei mitteilte, gab es in der Dortmunder Innenstadt vor dem Spiel Pyroeinsatz. Als die Staatsmacht die Personalien feststellen wollte, kam es zu Rangeleien, Beleidigungen und wohl drei Festnahmen. Daraufhin zogen es die anderen Ultras vor, nicht ins Stadion zu ziehen. Diese Schwächung der Heimfans konnte eigentlich beachtlich - vor allem in der Schlussphase - durch hohen Einsatz der anderen Fans ausgeglichen werden.

Bartra ist zurück

Zurück zum Spiel. Beim Aufwärmen hat sich Kapitän Marcel Schmelzer verletzt – im hinteren Oberschenkel zwickt’s, der Einsatz in Berlin ist fraglich. Marc Bartra musste oder durfte zum ersten Mal nach dem Anschlag auf den BVB-Bus wieder auf dem Platz stehen, links in der Dreierkette. Bis man sich darauf eingestellt hatte, stand es bereits 0:1. Bremen durfte sich in aller Seelenruhe die Kugel im BVB-Strafraum hin und herschieben, den Schuss von Junuzovic kratzte schließlich Bürki von der Linie - dachten alle. Doch das "Hawk Eye" alarmierte den Schiedsrichter auf seiner Armbanduhr und Perl winkte zur Mitte. So waren es wenige Zentimeter die Bürki nicht zum „Fußballgott“ machten und schon nach sieben Minuten drohte die Qualifikationsrunde zur Champions League.



Der Ausgleich lag aber bereits zwei Minuten später in der Luft. Aubameyang köpfte aus 10 Metern völlig unbedrängt eine Durmflanke neben das Tor. Das war der Auftakt zum wohl wildesten Spiel im Westfalenstadion seit dem 8:4 gegen Warschau. Lattentreffer von Reus, Ginter knapp am Tor vorbei, aber auch Bartels auf der anderen Seite mit einer Möglichkeit. Gekracht hat es dann nach 32 Minuten. Sahin, in seiner besten Szene, bediente den starken Kagawa in der Mitte. Der Japaner steckte direkt in den Strafraum durch, Reus auf einer Linie mit der Bremer Verteidigung, bekommt Ball mit sehr viel Gefühl so eben an Wiedwald vorbei. 1:1!

Traumtor von Aubameyang

Die Führung war fällig, der BVB hatte knapp 60 Prozent Ballbesitz, drückte. Die nächste dicke Chance verpasst Aubameyang. Der Pass von Kagawa wurde von den Fingerspitzen von Torhüter Wiedwald abgefälscht und so rauschte Auba ins Tor, der Ball daneben. (38. Minute). Noch vor der Pause dann doch: Demeble - ehrlich bis dahin wieder mit vielen falschen Entscheidungen - hob den Ball in den Strafraum über die Werder-Abwehr, Aubameyang schaltet am schnellsten und haut das Ding aus der Drehung volley unter die Latte. Sein Tor Nummer 30 und 2:1 für den BVB – was für ein geiles Tor. Die Pause brauchten nicht nur die Spieler - das schnelle Spiel, mit zahlreichen Chancen hatte auch die Nerven der Zuschauer beansprucht. Allerdings verpuffte die Entspannung schon kurz nach dem Wiederanpfiff, Bremen kam zurück. Als wüsste niemand um die Stärke der Bremer bei Kontern. Borussia mal wieder ungeordnet. Krause ging allein über links in Richtung Tor, Sahin war viel zu langsam, ließ sich dann auch noch mit einem einfachen Trick aussteigen und Bartra hatte plötzlich zwei Gegenspieler. Krause fand Bartels, der aus 5 Metern keine Probleme hatte, den Ball ins Netz zu dreschen. Wo war eigentlich Ginter?



Obwohl es in Hoffenheim noch immer 0:0 stand, rannte der BVB weiter an und wollte den Sieg nach Hause bringen. Der eingewechselte Gnabry war plötzlich allein durch, legt quer auf Bartels, doch Bartra kann in letzter Sekunde retten. Auf beiden Seiten ging es jetzt mit offenem Visier. Der BVB verlor mehr und mehr die Ordnung, was aber am Druck nach vorn wenig änderte. Allerdings kommt in dieser Phase insgesamt Unruhe ins Spiel, eine Reihe von kleinen Fouls bringen die Zuschauer in Wallung.

Und wieder Bremen

Daneben gibt es aber auch beiden Seiten Chancen für die nächsten Tore. Blöderweise fiel das Tor dann gegen den BVB. Junuzovic bediente Kruse, der wieder völlig allein gelassen war. Bürki war zwar noch dran, doch der Ball senkte sich in einer Bogenlampe ins Netz. Nach 68 Minuten war Platz drei wieder weg. In Hoffenheim hielt der FC Augsburg das 0:0, doch nur ein Tor von Hoffenheim würde alles ändern…

Schon im Gegenzug hätte fast der eingewechselte Pulisic den Ausgleich erzielt. Nach Guereirro-Flanke bekommt Wiedwald so gerade noch die Fäuste hoch. Nach der fälligen Ecke wagt Bartra einen tollen Fallrückzieher, doch wieder war Werders Keeper zur Stelle. Dann spielen sich wieder Kagawa, Gureirro und Reus über links in den Strafraum, Gnabry holt Reus von den Beinen – Elfmeter: Doch nicht der nach der Torjägerkanone greifende Aubameyang tritt an, Reus erledigt das selbst. Sicher rechts oben – 3:3


Ein Moment für die Ewigkeit! Egal wo es "Auba" hinzieht, er ist in Dortmund in jedem Fall unsterblich

Jetzt wurde es vogelwild. Pulsic, Kagawa, zweimal Ginter – alle Chancen verpuffen. Bremen hat ebenfalls noch eine Chance, wieder über links, doch Bartra klärt im letzten Moment vor Bartels zur Ecke. Eine Minute später kontert Borussia im eigenen Stadion. Aubameyang geht auf und davon sein Pass auf Reus wird minimal abgefälscht, Reus rauscht am Ball vorbei und knallt an den Pfosten. Zum Glück kann er wenig später weitermachen.

Doch noch der Sieg

Und noch einmal Bremen: Wieder über die linke Seite, doch Sokratis und Pulsic klären die Sache und stürmen auf der rechten Seite die Linie entlang. Pulsic passt auf Dembele, der wieder auf Pulisic und dann kommt Bargfrede, berührt Pulsic und der ansonsten schwache Schiri Perl zeigt wieder auf den Punkt – Elfmeter! Diesmal dann doch Aubameyang. Er kann mit einem weiteren Tor alleiniger Torschützenkönig werden. Auba behält die Nerven, schickt Wiedwald in die andere Ecke und trifft sicher zum 4:3. In der 89. Minute! Was für ein Jubel. Das Stadion tobte, die Lücke auf der Süd ist längst vergessen. Nur knapp verpasst Borussia sogar das 5:3, aber der Reus-Pass auf Auba klappt nicht.

So bleibt es am Ende beim 4:3, beim dritten Tabellenplatz mit direkter Qualifikation für die Champions League. Lange wird noch im Stadion ein schwierige, aber tolle Saison gefeiert. Jetzt sind es schon 38 Spiele ohne Heimniederlage – das Westfalenstadion ist eine Festung. Ganz nebenbei wird Aubameyang mit 31 Toren der fünfte BVB-Torschützenkönig nach Emmerich (2 x), Amoroso und Lewandowski. Auch Lothar Emmerich hatte in der Saison 65/66 31 Mal getroffen. Damit stellt Aubameyang einen alten BVB-Rekord ein.

Und jetzt gilt die volle Konzentration dem Pokalfinale nächste Woche in Berlin. Die Hauptstadt wird wieder einmal schwarzgelb. Los geht’s!


Opens window for sending emailAndreas Römer, Stephan Münnich (Fotos) - 20.5.2017


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