Traumtore als Therapie

Aus dem Dortmunder Westfalenstadion berichten
David Inderlied, Sascha Schuermann
und Alex Grimm


Ausgerechnet am Ostersamstag hat Borussia Dortmund zum Abschluss einer Horror-Woche eine Auferstehung der ganz besonderen Art gefeiert. Die wichtigste Nachricht zuerst: Marc Bartra konnte am Samstagmittag das Knappschafts-Krankenhaus verlassen.


Dann lief der schmerzlich vermisste Marco Reus nach mehrwöchiger Verletzungspause erstmals wieder auf und krönte sein Comeback gleich mit einem Tor. Und letztlich beendete der BVB die wettbewerbsübergreifende kleine Durststrecke von zwei Niederlagen in Serie und schickte Eintracht Frankfurt mit 3:1 (2:1) zurück ins Banker-Paradies.

Sämtliche Sensoren der mehr als 80.000 Zuschauer sowie der unzähligen Medienvertreter waren an diesem 29. Spieltag auf die Spieler des BVB gerichtet. Den ersten Schock nach dem Attentat hatte die Tuchel-Elf gegen Monaco einigermaßen aus den Kleidern geschüttelt. Doch es war klar, dass das Spiel in der Champions League weitgehend betäubt und im Unterbewusstsein stattgefunden hat. Doch wie würde die Reaktion jetzt aussehen – zwar mit vier Tagen Abstand, aber auch einer Menge Zeit zum Überlegen. Die Antwort vorneweg: Der BVB scheint erstaunlich gut mit dem Schock umgehen zu können.



Vielleicht hat der Anschlag auch die BVB-Spieler noch einmal richtig zusammengeschweißt. Denn nach dem eher trostlosen Auftritt in München wirbelten die Borussen gegen die Eintracht wie in besten Zeiten. Als echter Tempomacher entpuppte sich dabei Marco Reus. Handgestoppte 2:01 Minuten waren gespielt, als die Seele im Dortmunder Angriffsspiel ein flaches Zuspiel von Pulisic artistisch-sehenswert mit der Hacke zum 1:0 verwandelte. Der US-Boy hatte zuvor gedankenschnell Frankfurts Keeper Hradecky den Ball abgelaufen.

Sturmdrang gegen Hühnerhaufen

Es war der Startschuss für die beste Dortmunder Phase, in der die Tuchel-Elf die in der Defensive völlig unsortierte, schlecht gestaffelte und mit einer Fünfer-Kette, die viel zu häufig zu einer Sechser-Kette mutierte, Frankfurter Mannschaft düpierte. Es entwickelte sich ein hochklassiges Spiel, an dem auch die Gäste lebhaft teilnahmen.

Erst unterlief Vallejo beinahe ein Eigentor (6.), auf der anderen Seite hätte Fabian den Ausgleich machen müssen (9.). Doch der BVB war einfach am Drücker: Erst verpasste Aubameyang eine Pulisic-Hereingabe (14.), dann scheiterte Kagawa an Hradecky (19.). Trotzdem rette Bürki mit einem sagenhaften Blitzreflex beim Gacinovic-Schuss (22.). Unhaltbar war hingegen der Sonntagsschuss von Fabian, der von Sahin leicht abgefälscht im hohen Eck einschlug (29.).



Das 1:1 stachelte hingegen Sokratis an. Der beinharte Verteidiger, der am Mittwoch noch bitterlich vor der Südtribüne geweint hatte, schnappte sich den Ball, ließ mit einem tollen Trick einen Abwehrspieler ins Leere laufen und donnerte den Ball in den linken Giebel (36.). Ein absolutes Traumtor, das sicherlich in der Auswahl zum Tor des Monats zu finden sein wird. Später widmete Sokratis dieses Tor dem verletzten Marc Bartra.

Doppelwechsel lähmt Borussia

BVB-Trainer Thomas Tuchel begann die zweite Hälfte mit einem Doppelwechsel: Für Bender und Reus kamen Ginter und Dembele. Gleichzeitig schaltete die Borussia in den Verwaltungsmodus und schonte die Kräfte für das Shootout am Mittwoch im Fürstentum. Zudem befreite sich die Eintracht und schaffte es, den Spielaufbau der Platzherren wirksam zu unterbinden. Erstmals näherte sich Aubameyang an (58.), dennoch fehlte es dem BVB an Genauigkeit und auch der letzten Spur Entschlossenheit.



Als alle auf das dritte Tor warteten und ein ungutes Gefühl hochkam (schließlich gab es diesen Zustand schon etliche Male), entschied Aubameyang nach einem schulbuchmäßigen Konter die Partie. Am eigenen Strafraum leitete der Gabuner den Angriff ein, sprintete 70 Meter like Forest Gump über den Rasen und schloss letztlich das Zuspiel des verzögernden Dembele ab. Ein versöhnlicher Abschluss unter einer Woche, die sich für immer in das Gedächtnis der Borussen einbrennen wird.


Opens window for sending emailDavid Inderlied, Bilder: Getty Images - 15.04.2017


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