Schlechteste Saisonleistung reicht zum "Dusel-Sieg"

Aus dem Westfalenstadion berichten
Mathias Laßauer und Stephan Münnich 


Borussia Dortmund zeigte ein sehr schwache Leistung, ließ den Gast aus Bayern spielen und beschränkte sich auf das Nötigste. Ob man, wie Gonzalo Castro allen Ernstes mitteilte, "mal die Kirche im Dorf lassen muss, weil man ja am Dienstag noch gespielt habe", mögen andere beurteilen. Tatsache ist, Borussia hatte zwar 54 Prozent der Spielanteile, gewann aber nur 57 Prozent der Zweikämpfe, weil der letzte Esprit fehlte in vielen Aktionen.


Vorweg gab es eine gute Nachricht. Mit Aubameyang, Weigl und Kagawa standen Thomas Tuchel die drei Spieler zur Verfügung, deren Einsatzchancen noch vorher auf der Kippe standen. Weigl nahm vorerst auf der Bank platz, während Aubameyang und Kagawa in der Startformation standen. Für Shinji bestimmt eines der schöneren Geschenke an seinem 28. Geburtstag. Marc Bartra saß hingegen zunächst auf der Bank. Der Spanier hatte offenbar Probleme im Adduktorenbereich.

Die Aufgabenstellung war vor dem Spiel ganz klar. Zum einen hatte man ja noch eine „Rechnung“ aus dem Hinspiel offen, zum anderen war ein Sieg quasi schon Pflicht, wenn man sich die Tabellenkonstellation an der Spitze angeschaut hat. Das „drumherum“ an diesem Freitag Abend passte schon einmal. Volles Haus und Flutlicht. Watt willste mehr? Und so konnte der junge und nicht immer sichere Schiri Daniel Siebert pünktlich um 20:30 Uhr anpfeifen.

Eine Versicherung namens Aubameyang

Und gleich zu Beginn sollte sich zeigen, dass es wohl ein ganz „zäher Abend“ werden würde. Die Gäste aus Bayern formierten sich in der Abwehr mit einer 5er-Kette. Diese zu knacken würde schon schwierig genug anmuten. Aber, zudem sollten sich an diesem Abend ungewöhnlich viele Fehler im Spielaufbau des BVB wiederfinden, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel ziehen sollten. Umso größer war die Freude, als Pierre Emerick Aubameyang in der 14. Minute seinen 23. Saisontreffer erzielte. Nach schöner Vorarbeit von Schmelzer, konnte der Gabuner die so wichtige 1:0-Führung markieren.

Wer jetzt aber dachte, dass dieser Treffer den BVB beflügelte, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Die Gäste aus Ingolstadt waren es, die diesen Treffer als "Wachmacher" nutzten, und immer besser ins Spiel fanden. Mathew Leckie kam folgerichtig zur ersten Großchance für die Gäste. Aber seinen Kopfball aus 6 Metern, nach einer Ecke, konnte Bürki gerade vor der Linie mit einer Wahnsinns-Fußabwehr klären. Ecke? Da war doch was! Richtig, Thomas Tuchel hatte vor dem Spiel noch auf die Gefährlichkeit der Standards der Gäste hingewiesen. Er sollte sich in dieser 19. Minute das erste Mal bestätigt fühlen.

Im weiteren Verlauf zeichnete sich immer mehr ab, dass es bei weitem kein Selbstläufer für den BVB werden würde. Viel zu viele Fehler im Spielaufbau und eine „gefühlte“ Passquote von um die 20% bei den Borussen, sorgten weiterhin für erstaunte bis missmutige Blicke auf den Rängen. Die Oberbayern nahmen diese Gastgeschenke dankend an und erarbeiteten sich fleißig weitere Chancen. Nach 45 Minuten sollte die Statistik 9:7 Torschüsse für die "Schanzer" aufweisen.

Die größte Chance für die Gäste hatte in der 39. Minute Sonny Kittel. Aber Bürki rettete erneut in höchster Not vor dem Ingolstädter. An dieser Stelle sei schon einmal gesagt, dass Roman Bürki der mit Abstand beste Borusse am heutigen Abend sein würde. So konnte man ohne wenn und aber über eine glückliche 1:0-Führung zur Halbzeit sprechen. Wahrscheinlich hatte Thomas Tuchel danach in der Kabine auch das intensive Gespräch mit dem Team gesucht. Wobei es dann wohl doch eher eine Ansage gegeben hat.

Neue Halbzeit, die gleichen Probleme

Matthias Ginter war wohl sehr von dieser Ansage angetan. Denn er sorgte direkt für den ersten Aufreger in der zweiten Halbzeit, als er Sokratis ohne Not überhastet anschoss und somit den Ball Mathew Lecki direkt vor die Füße spielte. Dieser verzog aber zum Glück frei vor Bürki übers Tor. Jetzt wäre der Ausgleich wirklich verdient gewesen, dass musste man schonungslos zugeben.

Den nächsten Aufreger gab es dann in der 52. Minute, als Roman Bürki den frei vor sich auftauchenden Lezcano im 16er ungestüm abgeräumt hatte. Glück für die Borussen, das Schiri Siebert hier nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte. Hier hätte sich keiner beschweren können. Zwei Minuten später sollte dann Sokratis wieder eine Chance für den BVB haben. Aber sein Abschluss ging knapp am Tor vorbei. Schade. Ein zweites Tor für den BVB hätte für etwas Entspannung auf den Rängen sorgen können.

So wurde es aber immer mehr zu einem harten Stück Arbeit für das Team von Thomas Tuchel. Einerseits zeigten seine Jungs weiterhin eine Vielzahl an Defiziten im Spielaufbau, andererseits lauerten die Männer von Maik Walpurgis weiter auf ihre Chance und den nächsten Fehler der Borussen, der mit Sicherheit kommen würde, nutzen zu können.



Nach knapp einer Stunde rückte dann auch Schiri Siebert noch mehr in den Mittelpunkt. Die Härte nahm, je länger das Spiel dauerte, merklich zu. Was aber zu großen Teilen eher von den Gästen ausging. Eine Viertelstunde vor Schluss nahm sich Erik Durm dann ein Herz, und knallte aus knapp 25 Metern den Ball auf das Ingolstädter Gehäuse. Aber Keeper Hansen konnte den Ball auf der Linie sicher fangen. Es sollte der letzte echte Torschuss für die Borussen sein an diesem Abend.  

Am Ende muss es auch mal dreckig sein

Danach sollten aber wieder eine eine Vielzahl von Zweikämpfen das Spiel prägen. Auffällig dabei, die „Flugkünste“ von Ingolstadts Lezcano, der wohl zu viel Hertha's Weiser studiert hat. Er suchte quasi händeringend den Kontakt zum Gegner, nur damit er bei der leichtesten Berührung den Bodenkontakt suchen konnte. Den einen oder anderen Freistoß konnte er auf jeden Fall so ergattern und damit seinem Team die Chance auf ein Standard-Tor ermöglichen.

So richtig traute man dem „Frieden“, bzw. dem Ergebnis, (noch) nicht. Irgendwie hatte man die ganze Zeit das Gefühl, das da doch noch was passieren könnte. Und viel hatte da letztlich auch nicht gefehlt. So wie zum Beispiel auch in der 88. Minute, als Marvin Matip ebenfalls frei vor Bürki zum Schuss kam. Aber wie schon seine Teamkollegen vorher, vergab auch er mehr als kläglich und muss sich am Ende die Frage gefallen lassen, warum der FCI mit leeren Händen heim fährt.



Sagen wir es mal so: wäre Ingolstadt mit einem Knipser angereist, hätte das Spiel auch locker an den FCI gehen können. So blieb es aber, trotz 14:10 Torschüssen für die Gäste, beim äußerst glücklichen 1:0 Erfolg für den BVB. Wenn man je von einem „dreckigen Sieg“ sprechen konnte, dann wohl heute. Aber, auch solche Spiele müssen gewonnen werden, wenn man oben mitspielen will. Und das macht der BVB allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin.


Opens window for sending emailMathias Laßauer, Stephan Münnich (Fotos) – 17.03.2017


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