Klassischer Arbeitssieg statt erhoffter Torrevue

Aus dem Westfalenstadion berichten
Andreas Finke und Jens Matheuszik


Auf dem Papier sah es eigentlich nach einer klaren Partie aus: "Der beste Vizemeister aller Zeiten" trat gegen den Tabellenletzten an und da hätte doch eigentlich nichts anderes als ein Sieg in Schwarz und Gelb bei herausspringen müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette...

Fraglich war da nur die Höhe des zu erwartenden Torreigens und so waren Ergebnistipps mit bis zu acht Toren für dieses Spiel beim Tippspiel im BVB-Pressezentrum zu sehen. Da gingen auch alle Tipper von einem Heimsieg aus, nur ein Tipp sah einen Hannoveraner Sieg voraus (der kam aber vom Gastverein)...

Dortmunds Trainer griff personell nach dem erfolgreichen Spiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart ein wenig in das Personaltableau ein: Durm und Sokratis waren nur als Ersatz auf dem Spielbogen verzeichnet und wurden durch Castro und Subotic ersetzt, während Aubameyang durch Kagawa vertreten wurde, nachdem dieser in Stuttgart einen Schlag auf den Fuß mitnehmen musste. Und damit soll es auch reichen - denn Modefragen passen nicht zu einem Spielbericht.



Mit dem Anpfiff zur ersten Halbzeit, in der die Dortmunder auf die Nordtribüne spielten, übernahmen die Borussen das Spiel. Anfangs noch vielleicht etwas zögerlich (auch wenn da in der 3. Spielminute Kagawa und Schmelzer schon für einen ersten glanzpunkt sorgen wollten, was aber leider scheiterte). Nach nur wenigen Minuten wurde aus der eher zögerlichen Offensive dann eine bestimmende. Dies manifestierte sich am ehesten noch in der 9. Spielminute als eine tolle Kombination dem rechts stehenden Lukasz Piszczek den Ball gibt, der dann in den Strafraum zu Marco Reus flankt. Dieser zielt direkt auf's Tor der Gäste, aber Zieler verhinderte hier den Führungstreffer der Heimmannschaft. Wenige Minuten später gab's dann auch von Reus eine weitere Großchance, wo nur die Latte das Tor verhinderte.

Die ersten fünfzehn Minuten spielte der BVB agil und befreit auf, danach verblasste das spielerische Potential der Borussen jedoch zunehmend.



Es sollte dennoch fast bis zur Hälfte der ersten Halbzeit dauern, bis die Hannoveraner, die defensiv sehr gut standen, sich soweit gesammelt hatten, dass die wenigen Angriffsversuche von dort nicht eher nach "aus Versehen geglückt" aussahen (wie beispielsweise in der 7. Spielminute, wo Karaman rechts mal einen freien Raum für sich hatte).

Das eigentliche Spiel dominierte jetzt der BVB eindeutig, nur beim Abschluss lag keine Dominanz vor und die berühmte Abschlussschwäche war zu beobachten, wenn man denn mal zu einem Abschluss kam. Denn nicht selten vertändelten die Gastgeber durch individuelle Fehler den Ball, die jedoch allesamt wieder durch die anderen Mitspieler korrigiert wurden, bevor der Gast sie für sich nutzen konnte.

Zum Ende der ersten Halbzeit hin sah es auch fast noch so aus, als ob die Hannoveraner den Spielverlauf umdrehen würden, denn in der 41. Spielminute kamen die Gäste von der Leine nach einem Eckball so gefährlich an das Tor von Roman Bürki 'ran, wie im gesamten Spiel nicht. Die darauf folgende Ecke war eher lasch und in die Halbzeit verabschiedeten sich die Gäste mit einem deutlich über das Tor gehenden Schuss. Man muss jedoch natürlich auch erwähnen, dass Ilkay Gündogan beinahe das 1:0 auf dem Fuß hatte und Zieler mal wieder seine Aufgabe (das Tor zu hüten) so gut ausübte, das es für den BVB nicht ausreichte.



Doch die Hannoveraner machten damit deutlich, dass sie nicht gewillt sind hier so einfach drei Punkte dem Gegner zu schenken und dass man defensiv eine gute Figur machte. Vielleicht war das auch eine der besten Halbzeiten von Hannover 96 in der letzten Zeit - nur zu dumm, dass man hier gegen Borussia Dortmund antrat...

Nach der Halbzeitpause betraten die Teams unverändert den Platz - wobei es in der Halbzeit selbst noch zu einem anderen Vorfall gekommen ist. Ein Banner, welches mit der vom Verein nicht akzeptierten "Borussenfront" in Verbindung gebracht wurde, hing für einige Augenblicke auf der Süd. Der BVB gab via Twitter (Opens external link in current windowI, Opens external link in current windowII) bekannt, dass das ganze untersucht wird und man weiterhin entschlossen gegen rechte Gruppierungen vorgehen würde.

In den ersten Minuten der zweiten Hälfte passierte nicht viel was wirklich berichtenswert wäre, da das Spiel jedoch eher in die Kategorie "Langeweile" denn "Legende" einzusortieren war, fand dann selbst ein verbaler Disput zwischen BVB-Torhüter Bürki und einem Gegenspieler den Weg auf den Spielblock. Drei Minuten später verzeichnete Gündogan dann zwei Chancen für sich, die jedoch allesamt nichts am Stand von 0:0 änderten.



Doch Gündogan war im Rahmen eines Konterangriffs an einer Ballstaffette beteiligt, die über ihn und Reus dann schlussendlich zu Henrikh Mkhitaryan ging. Dieser zielte dann aus fast 20 Metern Entfernung in das rechte untere Eck und sorgte damit nicht nur für den ersten Ferntreffer der Borussen seit langem, sondern auch für den erlösenden Treffer zum 1:0.

Einem Ergebnis, bei dem es am Ende auch blieb. Nennenswert zu berichten ist eigentlich nur noch die Einwechslung von Christian Pulisic in der 75. Minute, der auf dieser Position neue Impulse setzte und einige schöne Spielzüge hatte und der deutliches Potential zeigt.

Am Ende blieb es aber beim 1:0 für Borussia Dortmund. Ein Ergebnis welches völlig in Ordnung ging. Jedenfalls deutlich eher als die Verteilung der Karten in dem Spiel - hier kann Hannover 96 mit Prib wirklich froh sein, dass man das Spiel mit 11 Spielern auf dem Platz beendete.



Gut war bei dem Spiel, dass die Borussen mit einer insgesamt eher pomadigen Spielweise nicht bestraft wurden - aber vielleicht braucht es dafür auch den Tabellenletzten als Gegner. Auch wenn dessen Spiel diesmal grundsätzlich nicht schlecht war. Wenn es aber jetzt international gegen den FC Porto geht, dann sollte der BVB einen Gang zulegen, denn den Heimsieg in der wichtigen Europa League, den gibt es nicht so einfach wie diesen Arbeitssieg gegen Hannover.


Opens window for sending email Jens Matheuszik, Andreas Finke (Fotos) - 14.02.2016


Spielbericht

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