Silberne Schale, schwarzgelber Kern? Rückrundenauftakt

Mit zwei ziemlich 'feindlichen Brüdern' sprach die Redaktion der Kirsche vor dem Rückrundenauftakt beim Dosenfabrikanten im Leipziger Zentralstadion. Olaf Olschewski und Dirk Haslinde sind die Vorsitzenden der Fanclubs Holy Bulls und Totale Offensive BVB. Als Christen bekennen sie sich zu einem Herrn, als Fans gehören sie zu Lagern, die sich feindlicher kaum gegenüber stehen könnten.


Am Samstag werden sie sich nicht begegnen, denn der eine supported 'seinen' Club in Leipzigs Stadtmitte, der andere verloert ziemlich sicher seine Stimme beim Rudelgucken im Westfalenstadion. Aber mag es im Vorfeld auch noch so brennen: Entscheidend ist auf'm Platz. Im ersten Teil kommt Olaf Olschewski zu Wort.

Kirsche: Du bist der Vorsitzende der Holy Bulls, eines Leipziger Fanclubs, in dem sich Christen engagieren. Was macht Euren Fanclub aus?

Olaf Olschewski: Wir sind im Fanblock hinter dem Tor verortet und seit Gründung in der aktiven Fanszene unterwegs. Das gibt vieles vor und bestimmt unsern Takt. Speziell an uns ist vielleicht, dass wir offen sind für jeden der sich unseren Werten anschließen kann. Konkret bedeutet das, dass wir ungefähr zur Hälfte aus Christen und Nichtchristen bestehen.




Kirsche: RB Leipzig hat Euch Räumlichkeiten für eine Kapelle zur Verfügung gestellt. Wie nutzt Ihr die?

OO: Die Stadion-Kapelle GLORIA ist die Erfüllung eines großen Traums. Die Nutzung erfolgt vielfältig und dient der Pflege der Geselligkeit ebenso, wie verschiedenen Treffen der Fanszene. Darüber hinaus bieten wir vor jedem Heimspiel Andachten an, oft auch mit Fans der jeweiligen Gastmannschaft - das hat etwas Besonderes und bereichert alle. Die GLORIA wird von uns als Fanclub autark verantwortet und betrieben - in völliger und alleiniger Verantwortung. Ein Novum in der Bundesliga.

Kirsche: Am Samstag kommen die Schwarz-Gelben. Vor zwei Jahren sind RB-Fans in Dortmund massiv angegriffen worden. Hat sich das Verhältnis zu den Borussia-Fans inzwischen verändert?

OO: Den Imageschaden des BVB können wir natürlich nicht abschätzen, aber insgesamt muss man sagen hat der Ruf hierzulande echt stark gelitten. Wir vergleichen uns nicht mit der dortigen Fanszene, das wäre völlig absurd, nach zehn Jahren Entwicklung und quasi immer noch Neuling. Aber wir sind an den Vorkommnissen gewachsen, sowas schweißt natürlich zusammen, das ist klar. Insgesamt hat sich alles etwas beruhigt, das muss man auch sagen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und die Spiele/Gegner kommen ja auch Schlag auf Schlag. Da kommt man nicht groß zum übermäßigen Nachgrübeln, man hakt es irgendwie ab.

Kirsche: Beim Spiel gegen den Tabellenführer wird das ehemalige Zentralstadion ausverkauft sein - zum zweiten Mal in dieser Saison? Nur Hertha, Düsseldorf, Wolfsburg, Mainz und Hannover haben prozentual zur Kapazität weniger Zuschauer. Vor knapp vier Jahren hat Ralf Rangnick noch erwartet, dass RB nach dem BVB und Bayern zum größten Zuschauermagnet wird. Jetzt schon Zuschauermüdigkeit in Leipzig? Welche Stimmung erwartest Du am Samstag?

OO: Das ist eine normale Delle, wir hatten z.B. schon vor Saisonstart sechs EL-Qualispiele. Prinzipiell ist die Entwicklung so dermaßen rasant und in Dimensionen, die einfach nur großartig sind für Leipzig. Da tut so eine kleine Delle keinen Abbruch, zumal es am Samstag ordentlich rund gehen wird - zumindest im Heimbereich und speziell in Sektor B, unserm Supporter-Bereich. Der Gästeblock wird wieder voll aber relativ still sein. Kennt man schon.

Kirsche: Bruma und Forsberg fallen wohl aus für das Spitzenspiel. Wen erwartest Du als Leipzigs Man of the Match und wie ist Dein Tipp für Samstag?

OO: Irgendwie habe ich Timo Werner und Yussuf Poulsen auf dem Zettel, aber vielleicht überrascht uns auch unser Neuzugang Tyler Adams! Mein Tipp ist 4:1 für uns. Täte der Liga und uns gut (lacht) ...




Kirsche: Apropos Tipp: Hast Du einen Geheimtipp für die anreisenden BVB-Fans, die nicht aus der Region stammen?

OO: Klar, Stadtrundfahrt mit Besichtigung Völkerschlachtdenkmal, Nikolai- und Thomaskirche sowie Auerbachs Keller (Mädlerpassage) sind ein Muss. Überhaupt die gesamte Innenstadt. Die Red Bull Arena sehen sie ja dann sowieso ...

Kirsche: Danke für den Tipp und für das Gespräch.


Text: Ingo Berchter, Bilder: Archiv




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