Es zählt nur der Derbysieg

Die 93. Bundesligapartie zwischen den Blauen und den Schwarzgelben steht an.


Vermutlich lassen die das Dach extra offen, damit der Rasen eher unbespielbar wird. Dann kann die vielleicht spielerisch zurzeit schwächere Mannschaft sich bessere Chancen ausrechnen. Dabei wäre die Turnhalle ja gerade bei dem aktuellen Dauerregen perfekt, wenn der Rasen in anständigem Zustand bliebe – also Dach zu!

Das ist eine der gefühlt 1909 Geschichten, die zu diesem Derby zu erzählen sind. Vielleicht erzählen wir von Ernst Steinfurth. Kennste nicht? Der hat das Tor vor knapp 70 Jahren zum 1:0-Sieg der Schwarzgelben auf Schalke geschossen. Der erste BVB-Sieg in der verbotenen Stadt, wenn die Statistiken stimmen. Das war im Januar 1949, wer erinnert sich eigentlich noch daran? Den ersten Auswärtssieg in der Bundesliga gab es übrigens im September 1964. 6:2 gewann Borussia damals in der Glückauf-Kampfbahn. Ein Ergebnis mit dem die schwarzgelben Fans für Samstag sicher einverstanden wären. Nix sagen wollen wir zum grausigen 4:4 vor gut einem Jahr. Allerdings müssen wir den Finger schon einmal in die Wunde legen: Wir warten jetzt schon fünf Spiele auf den Derbysieg. Vier Unentschieden und eine grässliche Niederlage im Frühjahr. Die natürlich nie hätte zustande kommen dürfen, weil zum Beispiel Herr Kehrer niemals die zweite Hälfte hätte auflaufen dürfen, weil jeder andere Schiedsrichter als Herr Gräfe ihn schon vor der Pause zum Duschen geschickt hätte.



Doch alles hätte, wennste oder was auch immer ist am Samstag um 15:30 mal total egal. Egal ist, dass der BVB herrliche 19 Punkte vor den Blauen liegt. Egal ist, dass die Blauen es gerade auf 14 Törchen in 13 Spielen gebracht haben und die Borussia bereits 37 Mal getroffen hat. Es spielt auch keine Rolle, dass die Gastgeber gleich auf drei sogenannte Stürmer verletzungsbedingt verzichten müssen. Im Derby macht bei denen ja sogar der Torwart ein Tor – und spielt später dann noch für den BVB. Wenn Derby angesagt ist, brennt das Team, brauchste vorher keinen Lauf, kannste den letzten Dreck zusammengespielt haben – an dem Tag denkst du da nicht dran.

So hart umkämpft schon die Deutungshoheit vor jedem Derby ist, so eng ist es jetzt schon über 92 Bundesligaspiele zugegangen. 32 BVB-Siege, 29 Unentschieden und 31 BVB-Niederlagen, dazu ein Torverhältnis von 143 zu 132 für den BVB. Boah, ist das eng. Und es geht für die Fans um das Spiel des Jahres. Egal wie die Saison war und sein wird – wer das Derby verkackt, ist arm dran. Wer allerdings gewinnt, kann aus einer miesen Saison eine gute machen. Insofern werden die Blauen alles in die Waagschale werfen, was da ist. Sollten sie gewinnen, wären die Fans versöhnt, nachdem der Vizemeister mit Rang 12 und nur drei Punkte vor dem Relegationsplatz bislang enttäuscht hat. „In einem Derby ist die aktuelle Tabelle zweitrangig. Da gibt es keinen Außenseiter und auch keinen Favoriten,“ macht sich Trainer Tedesco selbst Mut. Deutlich offensiver geht das Sportvorstand Heidel an, der den richtigen Motivationsspruch für die Schwarzgelben raushaute: „Unser Ziel lautet ganz klar, den Schwarz-Gelben die erste Niederlage der laufenden Saison beizubringen.“



Das sieht BVB-Kapitän Marco Reus natürlich ganz anders: „Für uns als Mannschaft, für die Fans und die Stadt kommt etwas anderes als ein Derbysieg nicht in Frage“! Doch auch er weiß, dass die Blauen alles geben werden und alles daran setzen werden, selbst zu gewinnen. Aber Reus verspricht, die eigene Mannschaft werde ebenfalls alles reinwerfen, alles daransetzen, endlich wieder einen Derbysieg zu holen.

Was das wirklich bedeutet weiß BVB-Trainer Favre noch nicht: „Alle sagen mir, es ist ein wichtiges Spiel“, schmunzelt der erfahrende Coach. Dafür bekommt er dann direkt Nachhilfe vom Manager: „Keiner kann verleugnen, dass dieses Spiel etwas Besonderes ist. Es bedeutet viel für die Fans und das Umfeld, sowohl für Dortmunder als auch Schalker“, betont Michael Zorc. Und der BVB-Chef freut sich über eine halbwegs sachliche Atmosphäre im Vorfeld. „Natürlich sind wir Rivalen“, sagt Hans-Joachim Watzke. Er hat aber großen Respekt vorm Nachbarn und bezeichnet das Verhältnis als „so gut wie seit ewigen Zeiten nicht mehr“.



Aber auch das ist egal, wenn Samstag um 15:30 angepfiffen wird. Der BVB will auch das vierzehnte Spiel ungeschlagen bleiben, will endlich nach drei Jahren wieder einen Derbysieg. Ob Abwehrkante Zagadou dabei ist, steht noch nicht fest. Aber Akanji und Diallo melden sich dienstbereit, so dass die Innenverteidigung auch dann steht. Vieles spricht dafür, dass die Mannschaft ansonsten wie zuletzt auflaufen wird. Aber da lässt Favre natürlich wie immer kein Wörtchen drüber raus. Mit einem Sieg in der Turnhalle wäre der BVB bereits Herbstmeister, da er ja aktuell bereits sieben Punkte vor dem zweiten in der Liga rangiert. Also noch mehr Motivation als mit einem Derbysieg auf Schalke Herbstmeister zu werden, kann es ja eigentlich nicht geben. Wenn das gelingt, könnten die Dortmunder Fans so laut werden, dass das Dach der Turnhalle dann weegfliegt.

Opens window for sending emailAndreas Römer, 7.12.2018



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