Die Reibfläche

Borussia empfängt zum Ligagipfel den Serienmeister aus München. Sicher die Hälfte der Republik drückt den Schwarzgelben die Daumen.


Die spinnen die Bayern – würde vermutlich Obelix sagen. Was das Bauerntheater in dieser Saison auf dem Spielplan hat, ist schon bewundernswert. Nach sechs Meistertiteln in Folge – oder waren es noch mehr? – kommt die Mannschaft in dieser Saison nicht so richtig aus dem Quark. Statt der fußballspielenden Hauptdarsteller, drängen mal wieder die Funktionäre in den Vordergrund. Erst wird laut gejammert, weil die Gegner sich zur Wehr setzen. Selbst wenn ein bajuwarischer Kicker nur umknickt, muss das an der „harten Gangart“ der anderen liegen. Deshalb bitte, nein fordern die Oberschlauen, die Schiedsrichter mögen doch bitte die Bayern-Spieler deutlich besser schützen. Auf gut Deutsch: Nicht anfassen und „gesunde Härte“ ist es immer nur wenn Rafinha oder Boateng mal wieder so richtig hingelangt haben.

Also packen wir jetzt all die Weicheier in Watte und lassen sie am besten in Ruhe ihre Tore schießen. Weil am Ende werden sie ja sowieso Meister und täten das eben gern mit sauberen Trikots und gesunden, weil nicht angegriffenen Spielern – so lässt sich der Versuch, Schiedsrichter und alle gegnerischen Mannschaften einzuschüchtern durchaus verstehen.



Und weil die eigene Mannschaft auch ohne Bernat „einen Scheißdreck“ zusammenspielt, werden die, die das bemerken auch gleich mal in den Senkel gestellt. Die Menschenwürde wird bemüht und jeder unliebsame Journalist am liebsten öffentlich diskreditiert, niedergemacht und mit Liebesentzug oder zumindest dem Entzug des direkten Zugangs zu allen, die sich bei den Bayern überhaupt noch trauen, was zu sagen. Erinnert ein bisschen an einen amerikanischen Präsidenten, der auch einfach mal alle Journalisten, die kritische Fragen stellen, gleich öffentlich runterputzt. Da haben die „mia san mia“-Häuptlinge gut aufgepasst und nachgemacht.

Gier nach noch mehr Geld

Doch wer die jüngsten Spiegel-Berichte über die Gier der Bayern und anderer europäischer Fußballklubs gelesen hat, weiß worum des dem Westfalen (Rummenigge) und dem Schwaben (Hoeneß) an der Spitze von Bayern München eigentlich geht: Geld, Geld und noch mehr Geld. Fußballtradition ist herzlich egal, wenn wir in Afrika, in Asien oder sonstwo noch mehr Moos kriegen, spielen wir halt dort. Was kümmert uns der deutsche Fußball, was die Bundesliga, was die deutschen Fans, die jahrelang so viel gezahlt haben, dass wir überhaupt so groß werden konnten? Wenn irgendwo noch mehr Geld zu scheffeln ist, gehen wir eben dorthin.



Da kommen einem die öffentlichen Beteuerungen, man habe das ja alles nur mal prüfen wollen, schon ein bisschen komisch vor. Selbst wenn alles nur dazu diente, noch mehr Druck auf UEFA und DFB zu machen, damit noch mehr Geld nach München überweisen, ist es für den romantischen Fan einfach nur furchtbar. Doch solange die Wirtschaft noch mehr Geld in den Fußball pumpt und wir doofen Fans noch mehr Geld für oft schlechte Spiele im Fernsehen bezahlen, wird das immer so weiter gehen.

Nicht so weitergehen wie die letzten Jahre sollte die Meisterschaft in Deutschland. Es muss ein anderer Meister her. Gern auch mit ein bisschen mehr Spannung als zuletzt. Da hat mir erst heute ein bekennender Bayern-Fan gesagt, er wünscht sich fast, dass die Bayern 4:0 in Dortmund verlieren würden. Dann würde es nach seiner Theorie „endlich“ zu einem Ruck im Team geben und die Mannschaft wieder bissiger werden. Da könnte was dran sein. Zwar stolpern die Bayern ein bisschen durch die Saison, ist von der Souveränität der letzten Jahre keine Spur, doch sie liegen gar nicht viel schlechter als vor einem Jahr. Da hatten sie nach 10 Spieltagen 23 Punkte – jetzt sind es 20. Es bleibt also dabei: Die fidelt man auch im eigenen Stadion nicht so einfach weg.

Allerdings geben sich die Bayern und „Vorkämpfer“ und „Wadenbeißer“ Hoeneß zurückhaltend und schieben dem BVB die Favoritenrolle zu. Da fallen die Medien nur zu gern ein. 11 Freunde führe gleich fünf Punkte auf, warum es der BVB diesmal packen wird. Aus Fansicht wird es auch Zeit, mal wieder etwas gerade zu rücken. Im März gab es ein peinlichen 0:6 in der Arroganz-Arena. Davor ein 1:3 und ein 1:4 in der Liga. Wer da nicht darauf brennt, mal ein bisschen Revanche zu üben, kann kein Schwarzgelber sein.



Die Form der eigenen Truppe ist zuletzt gut, wenn auch nicht mehr sehr gut gewesen. Bis auf Schmelzer scheinen alle fit zu sein. Auch wenn hinter Bürki ein kleines Fragezeichen steht, wie Trainer Favre sagt. „Clever verteidigen und intelligent angreifen“, will der BVB-Coach und warnt natürlich vor den Bayern. Man müsse eine Top-Leistung abliefern, wenn man gewinnen wolle. Und dass wollen sie doch hoffentlich alle. Denn mal ganz ehrlich: Den eigenen Fans würde das Herz aufgehen, wenn man den Bayern tatsächlich mal einen Abfuhr erteilen würde. Jungs geht raus und haut sie weg, für uns, die Fans in ganz Deutschland.


Opens window for sending emailAndreas Römer, 9.11.2018



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