Der Pusher auf der Bank

Mit 30 noch einmal einen Neuanfang wagen. Alte Zelte abbrechen, ein neues Umfeld und neue Kollegen kennenlernen. Das wagte Marwin Hitz im Sommer. Nach fünf Jahren beim FC Augsburg entschied sich der Torhüter für einen Wechsel zu Borussia Dortmund. Gab seinen Stammplatz im Tor der Fuggerstädter auf und spekulierte auf den Platz zwischen den Pfosten beim BVB.



„Ich will Ziele erreichen, mich durchsetzen, zeigen und weiterentwickeln“, so sein selbstbewusstes Statement. Seine Hoffnungen waren sicherlich nicht unbegründet. Roman Bürki, die etatmäßige Nummer eins, bot in der vergangenen Saison wechselhafte Leistungen, während Hitz beim FCA auf konstant hohem Niveau agierte. Außerdem wurden die Karten auch dank des Trainerwechsels von Peter Stöger zu Lucien Favre bei der Borussia neu gemischt. Hitz verzichtete sogar auf den Bankplatz bei der Weltmeisterschaft in Russland bei der Schweizer Nationalmannschaft, um von Beginn an Eindruck bei Favre zu hinterlassen. Bei den Vorbereitungsspielen stets gesetzt, knüpfte der mittlerweile 31-Jährige an die guten Partien der letzten Jahre an. Einziges Manko: Der Spielaufbau. Die Pässe zu seinen Vorderleuten waren häufig unpräzise, was oftmals einen geordneten Spielaufbau verhinderte. Das gab wohl letztendlich den Ausschlag für Favre, auf Bürki zu setzen.

Somit wird Hitz die Partie am Samstag (ab 15.30 Uhr) gegen seine Ex-Kollegen nur von der Bank verfolgen. Bürki präsentiert sich seit Saisonbeginn in Galaform und bewahrte seine Mannschaft mit Sensationsparaden vor Gegentoren und Punktverlusten. „Ich bin überzeugt, dass Marwin mich pushen wird - und ich ihn“, orakelte Bürki während des Trainingslagers in Bad Ragaz und behielt Recht. Auch seine Vorderleute stehen zumeist stabil.

Ex-Kapitän Marcel Schmelzer hat wieder zur alten Stabilität zurückgefunden und dürfte am Samstag bei bestem Wetter wieder in die erste Elf rücken, falls er seine Knieprobleme rechzeitig überwindet. In der defensiven Zentrale sorgen Manuel Akanji und Abdou Diallo für einen spielstarken Abwehrriegel. Gut zu wissen, dass mit dem zuletzt souveränen 19 Jahre jungen Dan-Axel Zagadou eine weitere qualitative Alternative für die Innenverteidigung bereitsteht. Auf der rechten Verteidigerposition hat Favre die Wahl zwischen dem routinierten Lukasz Piszczek oder dem mit viel Offensivdrang ausgestattetem Achraf Hakimi.

Im Mittelfeld führt kein Weg an Axel Witsel vorbei, der Dirigent, Abräumer, Schaltzentrale, Antreiber und Edeltechniker in einer Person ist. Daneben rotieren Thomas Delaney und Mahmoud Dahoud, für Mario Götze ist aktuell kein Platz. Christian Pulisic fällt wegen eines Faserrisses aus, Marius Wolf droht nach der schwächeren Partie gegen den AS Monaco (3:0) ein Platz auf der Bank. Gut möglich, dass dann Jacob Bruun Larsen wieder in die Startelf rückt. BVB-Spielführer Marco Reus ist in bestechender Form und dürfte wie Tempodribbler Jadon Sancho hinter Paco Alcacer wirbeln.

Der FC Augsburg erwischte einen guten Start, hat jeweils zwei Siege, Remis und Niederlagen auf dem Konto.  Besonderes Augenmerk gilt dem Angreifer Alfred Finnbogason, der beim 4:1 gegen den SC Freiburg mit einem Dreierpack ein beeindruckendes Comeback nach einer Patellasehnenreizung feierte.


Martin Bytomski, 5.10.2018


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