Alle freuen sich auf Fluchtlichspiel

Wer geht denn noch? Scheinbar sind Hannover 96 und Borussia Dortmund bei ihren Transferbemühungen was das Einkaufen angeht beide zufrieden. Beide Sportdirektoren hoffen deshalb darauf, dass sich bis Freitagabend noch der eine oder andere Spieler loswerden lässt.


Horst Held von 96 klang dort etwas optimistischer als BVB-Ikone Michael Zorc. Der meinte: „Wir sind uns alle einig, der Kader ist nicht zu klein.“ Es gäbe noch ein paar Ansätze, den Kader zu verschlanken, aber ob noch etwas klappt bis zum Schließen des Transferfensters, konnte der Sportdirektor auch nicht sagen.

Nicht sagen ist da ein gutes Stichwort. Denn ein bisschen Wehmut kommt schon auf, wenn man die Pressekonferenzen von Neu-BVB-Trainer Lucien Favre verfolgt. Er ist ein Meister des Nichts-Sagens. „Möglich, vielleicht – man wird sehen“ das ist eigentlich die Standardantwort auf die Fragen der Journalisten. Dazu dann ein charmantes Lächeln und gut ist. Ja, Wehmut ist da schon dabei, wenn man sich an Kultpressegespräche mit Jürgen Klopp oder Fachvortäge von Thomas Tuchel erinnert.



Allerdings gehört das ja ligaweit zum Geschäft: Nur nichts rauslassen, was dem Gegner bei seiner Vorbereitung helfen könnte. Insofern wissen wir jetzt auch nicht, ob Neuzugang Francisco "Paco" Alcacer morgen beim Gastspiel in Hannover schon zum Kader oder gar zur ersten Elf zählen wird. Immerhin wurde Michael Zorc ein bisschen deutlicher: „Wir haben mit Paco einen echten Neuner geholt, der uns weiterbringen kann“. Alcacer sei froh, wenn er hier mehr spielen könne als in Barcelona wo Suarez und Messi seine Position vorn in erster Linie besetzen. Und dem Sportdirektor ist es auch schnuppe, dass seine Mannschaft im letzten im Niedersachsenstadion blöd aussah und 2:4 verlor. „Wir haben eine neue Mannschaft, einen neuen Trainer, da interessiert es mich nicht, was im letzten Jahr war. So einfach, wie wir es ihnen im letzten Jahr gemacht haben, wollen wir es nicht wieder tun. Wir schauen optimistisch nach vorn“.

Doch genau von der Erinnerung leben die Kicker von Hannover 96. Ihr Übungsleiter Breitenreiter sagt: „Das sind genau die Spiele, die man sich wünscht: Abendspiel, Flutlichtatmosphäre, Unterstützung von den Rängen, der Tabellenführer kommt. Ja, ich glaube das ist ein Spiel, auf das wir uns besonders freuen – natürlich auch begründet in Erinnerung an das letzte Heimspiel der letzten Saison gegen Dortmund mit vielen positiven Erlebnissen.“ Positiv wird wohl auch die Unterstützung im ausverkauften Stadion sein. Nach langwieriger Verweigerung der Fans im Zuge der Diskussion um 50 +1 die Mannschaft lautstark zu unterstützen, scheint die Lage sich bei den 96er zu entspannen.

Aber Breitenreiter warnt auch, dass eine Wiederholung des Traumergebnisses aus dem letzten Oktober ganz schwer werden wird. Ja, er sieht in den Schwarzgelben sogar einen Meisterschaftsfavoriten, der sich noch einmal gut verstärkt hat. Vor einem Jahr hatte der BVB kurz zuvor gegen Leipzig die erste Saisonniederlage hinnehmen müssen. Diesmal hat man den Brauseklus mit 4:1 aus dem eigenen Stadion geschossen. Ein gutes Omen? Lucien Favre ist da vorsichtig. Er sieht noch viele Kleinigkeiten zu verbessern, ist noch lange nicht zufrieden. Er bittet aber um etwas Geduld. Man könne nicht alle Fehler in kurzer Zeit abstellen.

Daneben lobt er den Gegener, der in in Bremen gut gespielt. „Sie sind sehr kompakt und sehr schwer zu spielen“, zeigt Favre auch Respekt vor der Mannschaft von Andrè Breitenreiter. In Hannover versuchen sie gerade eine neue Aufbruchstimmung hinzubekommen. Gut auch die Aktion „96 gegen Rassismus“, wo in dieser Woche drei T-Shirts aus einem Wettbewerb ausgezeichnet wurden.

Vor der beschissenen Länderspielpause könnte der BVB aber mit einem Sieg die Tabellenspitze verteidigen. Den Anspruch sollte die Mannschaft schon haben. Mit Hannover wartet sicher keine Übermannschaft auf den BVB. Der beste Abwehrmann Sane ist weg. Ob der frühere Kölner Wimmer diese Lücke schließen kann wird man abwarten müssen. Mit Wood ist ein Stürmer gekommen, der in Hamburg auch nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt hat. Sie haben in Hannover viel angestellt, um Füllkrug zu halten. Kann der seine Supersaison wiederholen?

Der BVB kann und sollte mutig nach Hannover fahren. Flutlichtspiele liegen den Schwarzgelben auch. Und mit welchem Kader auch immer: Besser besetzt ist die Borussia allemal. Also einfach mal hinfahren und 96 ein paar einschenken. So würden wir es gern sehen.

Andreas Römer, 30.8.2018



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