Alle träumen vom Derbysieg

Mein Bild des Tages war heute ein Pärchen in der Bahn auf dem Weg in Rheinland. Sie trug eine große Tüte mit Fanartikeln aus dem BVB-Fanshop während er eine blaue Tüte mit Schalker-Logo drauf mitschleppte. Einig nebeneinander – friedlich.

Ganz so wird es am Sonntag wohl eher nicht zugehen. Von wegen friedlich! Puh – das wird nix für schwache Nerven – das 152. Revierderby ist der Kracher des 30. Spieltags. Der Tabellenzweite empfängt den Tabellendritten und hat gerade mal ein Pünktchen Vorsprung. Für beides geht es also nicht nur um die Qualifikation zur Champions League, beide wollen natürlich auch der „Meister hinter den Bayern“ werden – und gegen Erzrivalen zählen Siege ja sowieso doppelt. Irgendwie und überhaupt. Doch der letzte Derbysieg liegt schon länger zurück. Viermal in Folge trennten sich die Blauweißen unentschieden von den Schwarzgelben. Davor gewann der BVB zwei Derbys in Folge. Also kein Wunder, wenn der Schalker Ehrgeiz besonders groß ist.

Boah, was tat das weh…


Dem allerdings in nichts nachstehen dürfte der Ehrgeiz der schwarzgelben Truppe. Schließlich fühlte sich das letzte Unentschieden schon arg wie eine Niederlage an. Wenn man einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand gibt… Lassen wir das, das tat einfach zu weh und außerdem lesen wir es überall rauf und runter – das braucht kein Mensch.



Denn unter uns, im Derby zählt sowieso nur der Gegner, egal wo beide Mannschaften in der Tabelle stehen. Obwohl es schon zuckersüß schmeckt, wenn man den anderen die Meisterschaft versauen kann – aber darum geht es ja diesmal wirklich nicht. Sportlich gesehen, darf man von dem Spiel eigentlich nicht viel erwarten. Was die Blauen in Hamburg abgeliefert haben, war eher Zweitliga-Niveau. Hamburg steht nicht ohne Grund am Abgrund und die Schalker wollten ihnen offensichtlich mal wieder helfen, doch noch drin zu bleiben in der Liga. In jedem Fall war das grausig anzusehen. Wie überhaupt manch einer fragt, wie dieser Klub mit diesen Leistungen da oben stehen kann. Wer kann sich an berauschende Berichte über geile Spiele in der Turnhalle oder gar auf fremden Plätzen erinnern. Okay, wir gucken da nicht so oft hin, was die in der verbotenen Stadt so kicken. Doch eher auffällig wie stabil die hinten stehen. Vor dem Hamburg Desaster lauteten die Ergebnisse 2:0, 1:0, 2:0 1:0. Also vorn nicht viel machen und hinten möglichst nix zulassen. Scheint zu funktionieren.

Was ist Stögers Bilanz wert?


Und der BVB? Auch der spielt in den letzten Wochen nicht die Sterne vom Himmel. Auch wenn die Bundesligabilanz von Trainer Stöger mit nur einer Niederlage (aber was für einer!) ziemlich gut aussieht – überzeugend gespielt haben die Jungs auch nur selten. Aber vielleicht hilft ja die ganz persönliche Stöger-Bilanz in der Turnhalle: Als Trainer von Köln hat der dort nie verloren. „Ich habe positive Erinnerungen an die Arena. Deshalb fahre ich auch am Sonntag mit einem guten Gefühl dorthin“, sagt der Österreicher.  Er erwartet eine offene Partie, in der es keinen Favoriten gibt. „Wir treffen auf einen sehr, sehr guten Gegner.“ Das muss ein Trainer ja vor jedem Spiel sagen – irgendwie.



Die gute Stöger-Bilanz hat auch der Blauen-Trainer bemerkt und deshalb alles Gerede um eine mögliche Krise des BVB weit weggewiesen. „Wer in 14 Spielen nur einmal verliert, steckt in keiner Krise“, so Tedesco. Er erwartet den BVB sogar einen „Tick stabiler als im Hinspiel“. Seine Mannschaft habe – so hofft er zunächst mal – aus dem Hamburg-Spiel gelernt. Mit irgendwas 90 Prozent könne man nichts reißen. Aber gegen Dortmund müsse er auch niemanden in seinem Team überzeugen, mehr als 100 Prozent zu geben.

Auch wenn Stöger meint, jedes Spiel sei wichtig, hat er doch gemerkt, dass das Derby mehr ist, für jeden Fan und hoffentlich auch für die Spieler. Es sei ein schönes Gefühl, zu spüren, wieviel Hoffnung und Unterstützung da sei. Er spüre, wie sehr der Sieg und damit das Vorbeiziehen an den Schalkern in der Tabelle gewünscht wird. Vor allem vor den Standards der Schalker warnt Stöger und räumt ein, dass sich da nicht immer alles verteidigen lasse. Einen Favoriten mag er in dem Spiel nicht ausmachen – das sei ja in einem Derby sowieso immer schwer und bei der aktuellen Tabellensituation gar nicht möglich.



Also wird es in der ausverkauften Turnhalle wieder hoch hergehen. Und warum das auf einen Sonntag gelegt wurde, muss auch mal einer erklären. Hunderte von Amateurvereinen haben ihre Sonntagsspiele verlegt. Sie fürchten um ihre Zuschauer, die lieber das Derby in der Kneipe gucken als Kreis- oder Bezirksligakicker.

Wir freuen uns einfach drauf! Und natürlich kann es diesmal nur einen Sieger geben….


Andreas Römer, 13.4. 2018







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