In Berlin gilt: BVB muss zurück in die Erfolgsspur

War das Ende des Jahres 2017 für Borussia Dortmund nicht schon enttäuschend genug, so begann das Jahr 2018 nicht unbedingt so, wie sich Verein und Fans das nach dem hausinternen Trubel der vergangenen Monate gewünscht hätte.

Die Verlegung der Wintervorbereitung in sonnige Gefilde Südspaniens hat sich für Peter Stöger kaum ausgezahlt, weil sich das Wetter an Spaniens Mittelmeerküste allenfalls unmerklich von dem in der westfälischen Heimat unterschieden hat. Dazu kam die Hiobsbotschaft „Magen/Darm“ und dem erkranken der halben Mannschaft. Wen wundert’s da, dass der Rückrundenauftakt im heimischen Westfalenstadion gegen den VfL Wolfsburg mit einem torlosen Remis auch nicht gerade als gelungen anzusehen ist.

Zu allem Überfluss beherrscht noch die Aufregung um Pierre-Emerick Aubameyang sämtliche Gazetten, denn der „Paradiesvogel“ will offenbar mit aller Macht aus Dortmund weg. Dabei scheint ihm vielerlei Mittel recht zu sein, um endlich die Biege machen zu können. Und seien wir doch mal ehrlich: Spieler dieser „Kategorie Gewissenlos“ braucht auch ein Club, der den Marketing-Claim „ECHTE LIEBE“ rauf und runter labelt, beileibe nicht.



Doch unverbesserliche Romantiker wie ich sind nun mal aus einer Zeit, als ein Michael Zorc „Vereinsliebe“ beinahe erfunden und bis heute vorgelebt hat und haben überhaupt kein Verständnis für derartige Eskapaden. Dies zumal, da erst im Dezember durchsickerte, dass Borussia Dortmund bereits mit dem Gabuner still und heimlich eine gut dotierte Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2021 vollzogen hatte. Aber es geht „Auba“ längst nicht mehr um Geld und auch das sukzessive Einräumen von Zusatzfreiheiten scheint nicht mehr auszureichen. Hoffen wir, dass sich diese unappetitliche Angelegenheit in den letzten Tages des offenen Zeitfensters klärt.

Hertha’s Dardei riskiert wie immer eine kesse Lippe

Auch für Eingeweihte klingt das, was da zu vernehmen ist, ein wenig paradox: Am Samstag hat Dardais Mannschaft beim Abstiegskandidaten VfB Stuttgart verloren, aber ins Duell mit dem Champions- League-Spitzenteam aus Dortmund gehen die Berliner forsch und ohne Furcht vor einer zweiten Niederlage (und damit einem Fehlstart ins neue Jahr, der Herthas traditionelle Rückrundenschwäche unweigerlich wieder zum Thema machen würde). Zumal seine Mannschaft in jüngerer Vergangenheit speziell gegen Dortmund oft ganz gut ausgesehen hat. „Wir sind vorbereitet und wir nehmen den Kampf gerne an“, sagt Dardai. Die Bilanz der letzten vier Bundesligaspiele (ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden) ist ausgeglichen. Im Olympiastadion haben die Berliner oft recht gut ausgesehen gegen den BVB.

Pal Dardai, der Trainer von Hertha verwies erst kürzlich darauf, dass "mittlerweile 60 Prozent des Kaders neu sind. Wir tauschen Schritt für Schritt aus." Und in der Tat treibt Hertha das Projekt „Generationsumbruch“ weiter leise voran. In Stuttgart stand als Abwehrchef Niklas Stark (22) auf dem Platz. Rechts hinten verteidigte Mitchell Weiser (23). Im defensiven Mittelfeld war Arne Maier (19) unterwegs, in der Offensive Davie Selke (22) und Valentino Lazaro (21) – während auf der Bank Vladimir Darida (27), Sebastian Langkamp (29) und Vedad Ibisevic (33) saßen.



Zur Altersstruktur sagt Manager Michael Preetz: "Nur mit Alten funktioniert es nicht, nur mit Jungen aber auch nicht. Es geht um den richtigen Mix." Und da hat Hertha so viele Optionen, wie seit Jahren nicht mehr. Dardai achtet darauf, die Generationen zu kombinieren. "Die Paarung mit Niklas Stark und Fabian Lustenberger war gut. Auch das Paar mit Per Skjelbred und Arne Maier war gut."

Mit Blick auf das Topspiel am Freitag im Olympiastadion stellt sich erneut die Frage nach der Mischung von Alt und Jung. Im Abwehrzentrum fällt Routinier Karim Rekik, Herthas Aufsteiger der Hinrunde, noch länger aus. Die Verletzung des Niederländers, die er sich Mitte Dezember zugezogen hatte, war als Prellung am Sprunggelenk diagnostiziert. Da muss der Hertha-Coach improvisieren. Möglicherweise könnte gegen die offensivstarken Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic oder Mario Götze Hertha-Youngster Jordan Torunarigha (20) auf seinen Einsatz hoffen. Alexander Esswein kehrt nach überstandener Erkältung zurück und ist eine Option. Auch der Ex-Borusse Julian Schieber, der fast die gesamte Hinrunde mit einem Knorpelschaden außer Gefecht war, ist eine Möglichkeit für den Angriff.

Zorc: „Aubameyang trainiert in Dortmund“  

Bei den Schwarzgelben hat man unterdessen mit Freude registriert, dass Rechtsverteidiger und Ex-Herthaner Lukasz Piszczek gegen Wolfsburg ein gelungenes Comeback hinlegte und zur Stabilität in der Abwehr beitrug. Da sich der Defensivverbund gegen die VW-Städter insgesamt weitestgehend stabil präsentierte, dürften erneut die von Stöger favorisierten Innenverteidiger Sokratis und Ömer Toprak von Anfang an auflaufen. Sorgen bereitet einzig Julian Weigl. Der ehemals von Top-Clubs gejagte Mittelfeldlenker fand auch am vergangenen Wochenende nicht ins Spiel und musste dieses weitestgehend an sich vorbei laufen lassen. Doch in Berlin dürfte der 22-Jährige die nächste Chance erhalten, zurück in die Spur zu finden. Bleibt die Frage, wen Stöger neben Weigel aufbietet.



Die zentralen Mittelfeldspieler Shinji Kagawa und Mario Götze sind aktuell als kreative Schaltzentrale gesetzt und haben ebenso wie der erst 17 Jahre alte Youngster Jadon Sancho beste Aussichten, in der Startelf zu verbleiben. Für den erneut - auch Abschlussschwachen - Andrey Yarmolenko dürfte Christian Pulisic, der seine muskulären Beschwerden überstanden hat, den Vorzug erhalten. Allen Undiszipliniertheiten zum Trotz hätte „Auba“ in der Startelf gestanden, da hatte Peter Stöger auf der Abschluss-PK keinen Hehl draus gemacht, doch der BVB ließ den Angreifer überraschend kurzerhand dann doch zu Hause. "Wir haben den Eindruck, dass Auba derzeit nicht bei der Sache ist. Mal schauen, ob das weiterhilft", sagte Zorc am Flughafen Dortmund vor dem einchecken.

Die Statistik weist übrigens unfassbares aus, denn mit der Berliner Hertha (20%) und Borussia Dortmund (18%) treffen die beiden Teams mit der besten(!) Chancenverwertung aufeinander, auch wenn gegen Wolfsburg allerbeste Torchancen liegen gelassen wurden. Berlin wird – mäßiges Wetter vorausgesetzt – hoffentlich diesbezüglich einiges zu bieten haben.  

Opens window for sending emailHolger W. Sitter, Fotos: Gettys Images - 18.01.2018




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