Das Zittern geht weiter

Schwarz-Rot gegen Schwarz-Gelb heißt es mal wieder. Doch eigentlich geht es nur um eines: Fliegt er oder fliegt er nicht, der Peter Bosz.


Denn bei aller Rückendeckung durch Aki Watzke oder Michael Zorc dürfte die Luft für den Niederländer auf der BVB-Trainerbank ganz dünn werden, wenn auch dieses Spiel in die Hose geht. Dann fiele Borussia sogar aus den Europapokal-Plätzen, das Saisonziel Champions-League-Platz rückte in immer weitere Ferne. Ganz nebenbei wäre eine erneute Niederlage einfach gruselig für die Fans. Denn die sind bislang ziemlich nachsichtig mit der eigenen Mannschaft umgegangen. Doch aus unermüdlich könnte bald ungemütlich werden. Der Stachel des vergeigten 4:0-Vorsprungs im Derby hat tiefe Spuren hinterlassen.



Grundsätzlich wird es Zeit, dass die Mannschaft wieder in die Spur findet. Jeden Stein sollte und wollte man beim Team umdrehen, um die andauernde Misserfolgsserie zu analysieren und vor allem zu beenden. Von einer tollen kompletten Trainingswoche schwärmte jetzt Peter Bosz. Aber reicht das, um gegen zuletzt starke Leverkusener endlich mal wieder zu gewinnen?

Vorzeichen genau anders herum

Unterm Bayerkreuz verlief die Saison genau anders herum als bei der Borussia: Schwacher Start und jetzt  die letzten neun Pflichtspiele nicht verloren. Beim BVB gab es bis auf den Pokalsieg beim Drittligisten neun Spiele ohne Sieg. Begegnet man sich also gerade wie auf einer Rolltreppe – der eine nach oben der andere nach unten? Wenn Bayer gewinnen sollte, wären Sie am BVB vorbei in der Tabelle. Und Sie glauben fest daran. Trainer Heiko Herrlich hat einen starken Kader beisammen und muss auch auf keinen seiner Stammspieler verzichten. Einzig der Einsatz von Sven Bender ist noch ein bisschen unsicher. Bender war nach acht Jahren beim BVB zu Bayer gewechselt und hatte sich einige Rippen gebrochen. Er ist wieder fit, ob die Ärzte das Risiko aber eingehen, steht noch nicht fest. Überhaupt haben einige Spieler bereits für beide Vereine gespielt. Auf BVB-Seite schnürten Schürrle, Castro und Toprak die Schuhe für die Pillendreher. Nicht nur deshalb sicher ein ganz besonderes Westduell.



In der letzten Saison setzte es nach neun Jahren mal wieder eine Niederlage für den BVB in der Bayarena. Die Revanche folgte im Rückspiel beim 6:2. Insgesamt ist die Bilanz allerdings ausgeglichen wie kaum gegen eine zweite Mannschaft. Borussia hat in 76 Spielen mit 28 Siegen gerade einmal einen mehr als die Werkself geschafft. Und auch beim Torverhältnis ist der BVB gerade einmal ein Törchen besser. Gewänne also Bayer mit einem Tor Unterschied wäre es komplett ausgeglichen.

Haarsträubende Fehler

Doch genau das will und muss der BVB verhindern. Allerdings ist kaum vorzustellen, wie das gelingen soll. Fehlen wird der Toptorjäger Aubameyang nach seiner Gelb-Roten Karte im Derby. Weiter nicht dabei sind Reus, Rode, Piesczcek, und Durm. Dann hat sich im Derby auch noch Mario Götze verletzt und kann dieses Jahr nicht mehr kicken.  Welche Taktik wird es geben? Doppelsechs? Dreierkette? Eigentlich egal solange man nicht die haarsträubenden Fehler abstellt. Denn was nutzt das beste System, wenn die Mannschaft komplett verunsichert ist, jeder einzelne Spieler weit weg ist von einer Form der ersten Spiele. Bartra oder Toljan sind dafür zwei Beispiele. Nicht dass man an ihnen die Misere festmachen möchte, doch die Unsicherheit am Ball, die Zahl der Fehlpässe das ist schon ein bisschen exemplarisch für die Situation der Mannschaft.

Und wer soll denn bitte vorn für Tore sorgen? Aubameyang nicht dabei, Wirbelwind Pulisc hat das Torschießen bislang auch nicht für sich entdeckt und sollte Schürrle spielen, mag man sich auch nicht vorstellen, der könnte mal wieder treffen. Yarmolenko? Philipp? Ja, genau klingt auch nicht nach „Ich mach jede Chance rein“. Kurz und schlecht: Neben den Patzern in der Abwehr muss auch vorn etwas passieren. Nicht jede Mannschaft macht es phasenweise so leicht wie die Blauen am letzten Samstag. Wie schwer sich der BVB nach vor tut war gegen Tottenham und Stuttgart zu bewundern.

Alles analysiert

„Tolle Atmosphäre“, „alles analysiert“ – das hört man vom Trainer über die letzte Trainingswoche – die erste seit vielen Wochen ohne Mittwochsspiel im Pokal, der Champions League oder Nationalmannschaft. Das alles soll Mut und gute Laune machen, Optimismus verbreiten. Doch die Fans, die Vereinsführung und die Aktionäre wollen langsam mal wieder einen Sieg sehen. Schluss mit Worten – lasst Taten sprechen! Sollte das am Samstag für Borussia wieder in die Hose gehen könnte schon bald eine Oper im Westfalenstadion zur Aufführung kommen: Der fliegende Holländer!

Ja Jungs, ihr habt Druck, den bauen wir alle auf – aber ihr könnt doch das Fußballspielen nicht verlernt haben. Warum lasst ihr euch so den Schneid abkaufen? Warum ist mitten im Spiel plötzlich alles vorbei. Das war in Stuttgart so, das konnten wir gegen Tottenham sehen und was nach einer Stunde im Derby los war, darüber wollen wir nicht sprechen – sonst bekommen wir alle Blutdruck. Also bitte: Hängt euch mal wieder richtig rein, spielt euren besten Fußball und zeigt uns endlich mal wieder, warum wir jedes Spiel verfolgen, warum wir euch anfeuern und warum wir diesem Verein die Treue halten.  

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Andreas Römer, 1.12.2017
 





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