Mit dem Rücken zur Wand

Quo vadis, BVB? Drei Tage nach der Niederlage gegen RB Leipzig geht es heute Abend für Borussia Dortmund schon um alles. Denn bei Apoel Nikosia sind die Mannen von Trainer Peter Bosz zum Siegen verdammt, nur mit einem „Dreier“ auf Zypern können die Kicker vom Borsigplatz auf ein Überwintern in der Champions League hoffen. Kassiert der BVB gar die dritte Niederlage im dritten Spiel, sind sogar die K.O.-Runden in der Europa League in Gefahr.


Dass Fußballer abergläubisch sind, ist bekannt und wenig verwunderlich. Während manch „Normalo“ äußerst ungern mit dem linken Fuß aufsteht, setzen die hochbezahlten Vereinsangestellten gerne denselben als erstes auf den grünen Rasen, wenn es raus geht ins Stadion. Andere ziehen sich lieber als erstes die rechten Socken an oder übertünchen ihre Nervosität mit Musik aus Kopfhörern, die ihnen förmlich aus den Ohren zu quellen scheinen.



Wenn es aber um die Vorbereitung auf ein Spiel geht, sind die Fußballer äußerst sensibel. Da können schon Kleinigkeiten ein schlechtes Omen ausmachen und die bevorstehende Aufgabe zu einer Herkulesaufgabe anwachsen lassen. Da machte gestern die Runde in Online-Blätterwald, dass Hans-Joachim Watzke die Reise nach Zypern nicht antreten kann. Eigentlich sollte eine solche Meldung nur ein kurzes Schulterzucken ala „Was geht mich das an“ hervorrufen. Allein schon der Grund, ein herausoperiertes Gelenk im Daumen, erhöht nicht gerade den Frühstückfaktor. In dieser Zeit wird eine solche Nachricht gleich als böses Karma beschworen.

Und würde es nicht auch zur jetzigen Situation des BVB passen? Drei Mal sahen die Borussen in dieser Saison mal so richtig schlecht aus. Drei Mal trafen sich dabei auf einen Gegner (Tottenham, Madrid, Leipzig), der taktisch die besseren Lösungen zu haben schien. Und die Bosz-Elf? Sie leistete sich ausgerechnet in diesen Partien gegen ausgebuffte Gegner auch individuelle Fehler, die die hervorragende Stimmung nach dem perfekten Saisonstart jetzt eintrüben. Um eines klarstellen: Ja, der BVB ist in der Bundesliga Tabellenführer. Hat zwei Punkte Vorsprung auf die Bayern – und spielt heute Abend in Nikosia um das sportliche Überleben in der Königsklasse.

Who fuck is the Apoel?

Doch wer ist eigentliche dieser Underdog, der dem BVB den europäischen Ausflug vermiesen kann? Trainer von Apoel Nikosia ist der in Frankfurt geborene Georgios Donis – er wurde mitten in der dritten Qualifikationsrunde zur Königsklasse zurückgeholt. Seine Spielphilosophie gilt als pragmatisch und zielgerichtet. Einen Sturmlauf auf Gedeih und Verderb wird es unter der Ägide von Donis wohl kaum geben.



In der heimischen Liga wird Apoel oft nicht gefordert. Trotzdem liegen die Gastgeber derzeit nur auf Platz vier. Vor allem dank der Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben hat sich der Verein von der nationalen Konkurrenz entfernt und wurde in den vergangenen 15 Jahren zehnmal Meister. Kurios: Trotzdem gab es seit 2002 16 Trainerwechsel. Bekanntester Spieler dürfte Igor de Carmago sein. Der ehemalige Gladbacher ist mit drei Toren aus sechs Spielen aus derzeit bester Torschütze von Nikosia in dieser Königsliga-Saison.

Auf Seiten des BVB hat die Rückkehr von Marcel Schmelzer die Hoffnung auf die Rückkehr zu alter Defensivstärke genährt. Ob „Schmelle“ aber tatsächlich spielen wird, ist aber fraglich. Zwar kletterte Schmelzer in den Flieger nach Zypern, trotzdem dürfte er noch immensen Trainingsrückstand haben.

Auch für Raphael Guerreiro, der wieder mit der Mannschaft trainiert, kommt das Spiel noch zu früh. Vermutlich stürmen erneut Andrej Jarmolenko, Pierre-Emerick Aubameyang und Maximilian Philipp. Zudem gilt Mario Götze als heißer Anwärter auf einen Platz in der Startelf. Es wäre sein 50. Einsatz in der Champions-League. Zudem dürfte Shinji Kagawa wieder auflaufen.


Opens window for sending emailDavid Inderlied, Bilder: Archiv - 17.10.2017






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