Englische Woche startet beim Lieblingsgegner

Wenn am Samstag der knuddelige SC Freiburg und der einzige aktiennotierte Börsenclub aus Dortmund zusammentreffen, dann kann man wieder einmal die Legende vom David gegen den Goliath auspacken, die Breisgauer für ihre kreative Entdeckung und Ausbildung von Rohdiamanten auszeichnen, oder einmal auf deren aktuelle Ergebnisse im beiderseitigen Transferaustausch schauen.
 
Denn während alle Welt nur von der 20 Millionen schweren Hypothek des Maximilian Philipp spricht, lohnt sich allerdings ebenso ein Blick auf SCF-Rechtsverteidiger Pascal Stenzel, denn auch er freut sich auf das Duell mit seinem Ex-Verein. Nach eineinhalbjähriger Leihe war Borussias Ex-U23-Spieler Stenzel in diesem Sommer von den Südbaden fest bis 2021 fest verpflichtet worden. Vier Millionen Euro musste der Sportclub sich für den 21-Jährigen vom BVB gegenrechnen lassen. Am Samstag werden die beiden Freunde erstmals direkt aufeinandertreffen: „Er könnte links spielen, ich spiele rechts“, wird Stenzel vom 'kicker' zitiert.

Wenn überhaupt den Dortmunder Trainer etwas umtreibt, dann ist das die „Qual der Wahl“. 29 Spieler umfasst der Kader des BVB derzeit. Noch zu Beginn der Vorbereitung hatte Bosz betont, dass er einen deutlich kleineren Kader bevorzuge. Dennoch wird der Niederländer mit Blick auf die anstrengenden Wochen in drei Wettbewerben froh über die große Auswahl sein, da er jede Position nahezu doppelt besetzen kann.


Der gebürtige Ostwestfale Pascal Stenzel spielte von 2013 bis 2015 für Borussia Dortmund

Zumal es gute Nachrichten gibt. Nachdem Marcel Schmelzer seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft trainiert, steht der Kapitän nun vor der Rückkehr in den Spielbetrieb. Für Julian Weigl indes kommt ein Startelf-Einsatz noch zu früh – er soll durch Kurzeinsätze wieder auf Wettkampfniveau geführt werden. Im BVB-Mittelfeld ist zweifellos Nuri Sahin der große Gewinner im Rahmen des Trainerwechsels. Bosz machte den 29-Jährigen (auch aufgrund der Weig-Verletzung) im Sommer zu seinem Chefstrategen im neuen Dreier-Mittelfeld und das „Dortmunder Eigengewächs“ lieferte.

Nuri Sahin derzeit gesetzt

Auch im Sturm muss Peter Bosz eine harte Entscheidung treffen in der ersten englischen Woche, denn mit Andry Yarmolenko steht ein weiterer Neuzugang quasi in den Startlöchern und scharrt mit den Hufen. „Mein erster Eindruck ist, dass er gut lkaufen kann“, sagte ein süffisant lächelnder Cheftrainer gestern bei der Pressekonferenz. Der Ukrainer strebt unbedingt einen Stammplatz im Dreier-Sturm der Borussen an in seiner ersten Auslandsstation. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn der derzeit überragende Christian Pulisic dürfte wohl vorerst erste Wahl sein.  

Borussia Dortmund legte einen perfekten Start in die Saison hin, erzielte fünf Treffer und blieb zudem bislang ohne Gegentor. Der gute Saisonstart beeindruckt auch die Experten – zumal der BVB von der Tabellenspitze grüßt. Besser könnte die Stimmung beim westfälischen Traditionsclub aktuell kaum sein. Das war nach der hektischen Vorbereitung mit späten Transfers und Widrigkeiten nicht unbedingt zu erwarten.

Und der SCF? Die Breisgauer starteten mit einem müden 0:0 gegen Eintracht Frankfurt und kamen am 2. Spieltag gegen RB Leipzig gleich mit 1:4 vollends unter die Räder. Entmutigen lassen wollen sich die Kicker vor heimischer Kulisse davon aber nicht. Trainer Christian Streich erwartet von seinen Profis, „genauso mutig und leidenschaftlich ins Spiel zu gehen wie in der ersten Halbzeit in Leipzig“. Doch es bleiben Zweifel, denn mit Borussia Dortmund kommt nicht gerade ein Leichtgewicht zu Besuch. Zwölf Niederlagen in den vergangenen zwölf Duellen - die Bilanz ist seit Jahren miserabel. Gegen keinen anderen Bundesliga-Club hat der BVB eine längere Siegesserie.

Da muss eine gute Strategie her: Gegen das „enorm hohe Tempo müssen wir aktiv sein mit und gegen den Ball und wir müssen Verbissenheit zeigen als Mannschaft“,  bekräftigte der SCF-Coach seine Marschroute. Die personelle Situation vor dem Spiel gestaltet sich schwierig. Es fehlen, neben den Langzeitverletzten mit Mittelfeldspieler Nicolas Höfler (Gelb gesperrt) und Marc-Oliver Kempf (Muskelfaserriss) weitere wichtige Spieler. Auch Joker Nils Petersen kommt für die Anfangsformation eher noch nicht in Frage. Wegen muskulärer Probleme im Hüftbereich konnte er seit der vergangenen Woche nicht trainieren.

Übrigens: Wer noch nicht da war, sollte das „Schwarzwald-Stadion“ mitten in städtischer Wohnverbauung noch einmal besichtigen, denn es hat ausgedient. Spätestens 2020 will der SC Freiburg an der vor kurzem vorgestellten, neuen Heimstätte auflaufen. Das neue Rund hat vier Ecken, fasst 34.700 Zuschauer – davon 12.400 Stehplätze – und kostet rund 76 Millionen Euro. Ja, auch der Idyllischste Club muss irgend wann einmal in der Postmoderne ankommen, will er dauerhaft im Oberhaus verbleiben.

Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Fotos: Getty Images – 08.09.2017




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