Lieblingsgegner Werder beim Saisonkehraus

Letzter Spieltag dieser Bundesliga-Saison und in Bremen heißt’s nun: echter Fight beim BVB! Ein Duell, das für echte Bundesliga-Tradition steht, Platz zwei und drei der ewigen Bundesligatabelle und doch treffen sich diese beiden Teams seit Jahren unter gänzlich unterschiedlichen sportlichen Vorzeichen.

Nostalgie hin oder her, das "Business Bundesliga" wird immer schnelllebiger, Vereine mit potenten Geldgebern rütteln mit aller Kraft an der Vormachtstellung der Etablierten und sind ebenso, wie eigenes Bremer-Unvermögen in allen Belangen, dafür verantwortlich, dass Werder die letzten Jahre einfach nur ums nackte Überleben kämpfte. Ein Glück, dass der Supergau bisher vermieden wurde.

Und doch gibt es in Bremen, trotz der letzten beiden Niederlagen, so etwas wie Licht am Ende des Tunnels. Seit Nouri die Geschicke in Bremen gemeinsam mit Baumann lenkt, scheint er eine komplett neue Mentalität in den Köpfen der Spieler verankert zu haben. Der Tenor dessen: „Gemeinsam seid ihr stark!“

Mit Nouri zurück auf die Erfolgsspur

Und es wird noch besser: Das Team lässt eine echte Handschrift erkennen, spielt phasenweise wirklich ansehnlichen Fußball und Spieler, die andernorts nicht glücklich wurden, blühen wieder richtig auf – Max Kruse (Foto oben) gilt hier wohl als bestes Beispiel. Der blüht nicht einfach nur auf, der spielt eine Kugel, die für weitaus höheres prädestiniert sein könnte. Für Werder war er einer der Garanten des neuerlichen Aufschwungs. Allerdings einer von vielen, denn gerade diese mannschaftliche Geschlossen- und Kompaktheit zeichnet Werder neuerdings wieder aus.

Natürlich spielen sich Teams manchmal einfach nur in einen Lauf, aber 11 Spiele ohne Niederlage: das passiert nicht einfach so. Vor allem nicht dann, wenn satte 9 Spiele davon gewonnen werden. Das wird man auch in Dortmund registriert haben. Genauso wie man in Bremen den nötigen Respekt vor diesem starken Gegner hat, der uns an einem normalen Tag mit Sicherheit überlegen ist – aber was ist in der Bundesliga schon normal?

Und eben diese Unvorhersehbarkeiten wecken auch den Zweck-Optimismus, dem nahezu jeder Bundesliga-Fan unterliegt, wenn eine Auswärtsfahrt nach Dortmund bevorsteht. Aber eben auch diese sportliche Auferstehung, die Werder vom ängstlichen Anwärter auf den Abstieg zum Europa-Pokal-Aspiranten werden ließ – zumindest im Verlauf dieser Spielzeit.

Borussia zu Hause eine Macht

Es wird allerdings auch nicht dadurch einfacher, dass der BVB in dieser Saison noch kein Spiel vor der imposanten gelben Wand verloren hat und auch noch via Fernduell mit der TSG um die direkte Qualifikation zur Königsklasse streitet. Ich bediene mich hier aber einfach gerne einer allgegenwärtigen und sehr beliebten Floskel: Irgendwann ist immer das erste Mal. Wieso also nicht gegen Werder?!

Wie gesagt: Der Respekt vor einer Offensive mit Aubameyang, Reus und Dembele ist enorm! Allerdings hat sich in Bremen viel getan, personell und sportlich. Änderungen, die sich bisher deutlich zum Wohle des Vereins ausgewirkt haben. Wird also Zeit, auch aus Dortmund wieder Zählbares mitzunehmen und das ist in Anbetracht dessen, dass Europa rechnerisch noch möglich ist, nur ein Sieg. Das soll nicht nach total realitätsfremden Verblendung klingen, aber wenn du am 34. Spieltag die Möglichkeit hast, dir ein Ticket nach Europa zu greifen, dann musst du dafür alles tun, was möglich ist – es ist aber keine Bedingung dafür, diese Saison als Erfolg oder Misserfolg zu werten.

Bedenkt man, dass Werder bis zum 20 Spieltag mickrige 16 Pünktchen auf dem Konto hatte, dann ist es eine Menge Demut, mit der man auf diese Saison zurückblicken sollte. Und mit einem großen Dankeschön an die Mannschaft, die den Bock rechtzeitig umgestoßen hat und den Abstieg früh genug verhinderte, denn nur darum ging es in dieser Saison – alles andere ist ein Bonus! Trotzdem dürfen wir diesen Bonus jetzt mit Recht anpeilen.

Dabei ist es ganz egal, dass Werder seit 2009 (DFB-Pokal) nicht mehr in Dortmund gewonnen hat, in der Bundesliga sogar seit 2007. Ich bin mir allerdings zu 100 Prozent sicher, dass Werder am letzten Spieltag nochmal alles reinhängen wird, um der Borussia einen großen Kampf zu bieten und am Ende alle Bremer Fans, egal bei welchem Ausgang, zufrieden und voller Stolz auf diese Saison, dieses Team zurückblicken lassen wird – und auch die Zukunft verheißt derzeit ein Stück weit mehr Ordnung, Kontinuität und vielleicht auch bald wieder Erfolg.



Interessant dürfte indes auch der Abschied von Thomas Tuchel vor den Heimfans werden. Während man zwar nicht unbedingt von einer melancholisch-angehauchten Anhängerschaft auszugehen braucht, hatte sich der scheidende Cheftrainer zumindest die Achtung für Ballspielkompetenz beim einmeimischen Fußballvolk erworben. Am Ende aber passte er nie dort hin.


Opens window for sending emailGiuseppe Cotrufo, Fotos: Archiv - 19.05.2017

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Anmerkung: Giuseppe betreibt den Blog Werder Schnack, der wöchentlich ca. 2 Videos via YouTube veröffentlich. Dabei gibt es eine Rückblick-Ausblick-Reihe zu den Bundesliga-Spielen und News rund um Transfer, Gerüchte und sonstige Themen, die den Verein bewegen.

>> Hier geht’s zum Kanal: https://www.youtube.com/werderschnack








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