Zündlein an der Waage

Was für eine Woche liegt hinter Borussia Dortmund: erst der tapfer erkämpfte Heimsieg über Hoffenheim (mit Eroberung von Tabellenplatz drei), dann eine schier endlose Diskussion über ein Interview, von dem man weiß, was man davon zu halten hat. Wie sehr die Aussagen Watzkes, die wörtlich und für sich genommen genauso von seit 60 Jahren verheirateten Ehepartnern hätten stammen können, noch nachhallen – zeigt die Vorbereitung auf das wichtige Spiel in Augsburg.



Und so fühlt sich Thomas Tuchel als Opfer einer Kampagne. „Das ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen“, sagte der BVB-Cheftrainer auf der wohl emotionalsten Pressekonferenz seiner Dortmunder Amtszeit. Er spricht von angeblichen Unwahrheiten, gar von Verleumdungen und sieht Grenzen „dramatisch überschritten“. Starker Tobak von einem Trainer, dessen Stab Spieler offensichtlich demütigt und der selbst nicht zimperlich ist („Shut up, shut up, shut up“).




Ach ja, Fußball gespielt wird an diesem Wochenende auch noch. Es ist sogar ziemlich wichtig, dieses Spiel beim FC Augsburg. Sowohl für die Fuggerstädter, die mit vier Punkten aus den letzten zwei Spielen einen direkten Abstiegsplatz verlassen haben. Als auch für den BVB, die den dritten Rang und damit die direkte Champions League-Quali nicht verdaddeln wollen. Noch vor gut fünf Wochen lag der FCA mit drei Niederlagen in einer englischen Woche am Boden. Die Trendwende kam mit einem Kurztrainingslager, einigen taktischen Justierungen, der Rückkehr einiger verletzter Stammkräfte – und die Aussprache mit den eigenen Fans.

Das Augsburg-Gefühl

Man sei offen miteinander umgegangen, sagt etwa Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der nach einem total kaputten Sprunggelenk und fast 17 Monaten einer derjenigen ist, die wieder besser in Form kommen: „Man sieht, dass wir von der Körpersprache und der Ausstrahlung wieder besser sind“, spricht der Abwehrspieler von einem „Augsburg-Gefühl“, das wieder da sei. Wow, dann mal los!




Trotzdem hängt der FCA noch mitten drin im Abstiegskampf. Und könnte das Rennen um den letzten direkten Platz in der Champions League maßgeblich beeinflussen. Denn nach dem Dortmund-Spiel fährt das Team von Trainer Manuel Baum am letzten Spieltag nach Hoffenheim. Erst einmal zählt für Augsburg aber das Heimspiel gegen den BVB. Es klingt ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, wenn der FCA-Trainer forsch zum Angriff übergeht: „Ziel sind drei Punkte“, so Baum. Man brauche „das nötige Spielglück, um etwas Zählbares aus dieser Partie mitzunehmen.“ Taktische Spielchen wird es in der Arena hingegen nicht geben: Die Zwischenstände aus den anderen Partien werden nicht angezeigt. „Das sind nur Störfaktoren, die ablenken“, schärft Baum die Sinne seiner Spieler.

In Augsburg noch nie verloren 

Borussia Dortmund fährt hingegen zu einem seiner Lieblings-Auswärts-Gegner. Denn der BVB gab bei den bayerischen Schwaben nur einen von 15 möglichen Punkten in der Bundesligahistorie ab. Und das war ausgerechnet ein 0:0 gleich im ersten Spiel in der Saison 2011/2012. Auch mit dem Toreschnitt kann sich die Tuchel-Elf anfreunden: In den letzten vier Spielen in Augsburg schoss der BVB 13 Treffer. Es gibt also kaum ein besseres Pflaster für Pierre-Emerick Aubameyang, um nach der Torjägerkanone zu greifen.


David Inderlied (Text), Fotos: Archiv - 12.05.2017 






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