Konzentration gilt dem Fußball

Eintracht Frankfurt ist das erste Team, das nach dem Anschlag auf den BVB zu einem Bundesliga-Spiel nach Dortmund reist. Wie die eigene Mannschaft und vor allem der Gegner mit dieser Situation umgehen, kann niemand einschätzen. Doch wie können Ängste, Beklemmungen und Zweifel auf ein halbwegs erträgliches Maß reduziert werden? „Wir müssen einen Weg finden. Den Weg zurück zum Spaß und zur Sinnhaftigkeit“, sagte Thomas Tuchel.

Weltweite Bestürzung und 1000-facher Zuspruch von überall stapelt sich derzeit in der Geschäftsstelle. BVB-Mediendirektor Sascha Fligge musste einräumen, dass die Beantwortung wohl Wochen(!) in Anspruch nehmen wird. Selbst die irakische Liga solidarisierte sich mit Borussia Dortmund: Bei einem Ligaspiel am Donnerstag gab es eine Schweigeminute vor dem Anpfiff. Währenddessen wurde auf der Anzeigetafel das Wappen von Borussia Dortmund eingeblendet. Darunter stand in deutscher Sprache: "Irakische Volk verdonnert den Terroranschlag #Dortmund" - wenn auch grammatikalisch nicht ganz korrekt, so wurde doch klar: Selbst der durch Terror arg gebeutelte Irak solidarisierte sich mit dem BVB. Eine großartige Aktion!

Und so gilt morgen: Verunsicherung ja, Sicherheitsbedenken nein! Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt gehen morgen mit äußerst gemischten Gefühlen in das in jeder Hinsicht schwierige Spiel im Westfalenstadion. Die Frankfurter sind die erste Bundesligamannschaft, die nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus am vergangenen Dienstag in der Westfalenmetropole aufschlägt. "Wir werden versuchen, dieses Spiel so anzugehen, wie wir es immer tun", veründete SGE-Trainer Niko Kovac. "Aber ich betone noch einmal: Wir versuchen es. Ich weiß nicht, wie meine Mannschaft damit umgehen wird und ch weiß auch nicht, wie der BVB damit umgehen wird."


Kovac nutzte ebenso wie zuvor sein Gegenüber Tuchel die Abschluss-Pressekonferenz am Donnerstag zu einer Art Grundsatzkritik: Eine Mannschaft, die noch am Dienstag das Ziel eines Anschlags gewesen sei bereits am Mittwoch wieder in der Champions League antreten zu lassen - das dürfe nicht sein. In dieser Frage solidarisierte sich der Frankfurter Trainer voll und ganz mit seinem Dortmunder Kollegen. "Es ist schon paradox, wenn man als Fußballer keine Zeit mehr hat, um solche Dinge als Mensch zu verarbeiten. Es geht immer weiter und immer höher und immer schneller", sagte Kovac und dachte vor allem an die Dortmunder Spieler. "Wir können uns absolut nicht vorstellen, was da passiert ist. Wir können das nur versuchen. Ich kann mir vorstellen, dass sie sich gestern Abend schlecht gefühlt haben."

Alles soll so normal wie möglich sein

Doch das alles muss ausgeblendet werden. Denn gerade am Samstag liegt die große Schwierigkeit nach Meinung des Fußballlehrers auch noch darin, all das das zu überwinden, was der Anschlag auf den Dortmunder Bus selbst bei seinen eigenen Spielern ausgelöst hat – zum Beispiel die eigenen Beklemmungen. Das gilt auch für das Mitgefühl mit dem Gegner: "Wir zeigen absolute Solidarität mit dem BVB, denn es hätte auch jeden anderen Verein treffen können", konstatierte Kovac. "Wir können jetzt nicht sagen: Wir gehen ab sofort ohne Körperkontakt in dieses Spiel. Denn trotz der schwierigen Situation müssen beide Mannschaften auch ihre Punkte holen."

Und weiter: Wir werden versuchen, Normalität walten zu lassen. Man weiß nie, wann etwas passiert und wo etwas passiert." Auch beim BVB versucht man die Gedanken wieder auf Fußball zu konzentrieren, nachdem Bilder vom freigegebenen Tatort das Glück der Fußballspieler belegten. Der Sprengstoffanschlag hätte demnach weit schlimmer ausgehen können. Gleichwohl möchten die Borussen unbedingt die direkte Champions-League-Qualifikation schaffen. Und da man bei der Eintracht selbst nach neun Spielen ohne Sieg noch immer die Europa-League-Plätze im Blick hat, dürfte diese Gemengelage dennoch ein interessantes Spiel vermuten lassen.



"Die Realität ist doch, dass es in der Tabelle extrem eng ist. Träumen darf erlaubt sein. Es kann ja durchaus noch aufwärts gehen, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen", sagte beispielsweise der Mexikaner Marco Fabian und ergänzte: "Das ist ein Wettbewerb, den ich heiß und innig liebe", schwärmte der Nationalspieler vom deutschen Fußball-Oberhaus. Fabián bezeichnet die Bundesliga als eine "sehr attraktive Bühne", die er "so lange wie möglich genießen möchte."

Die Frankfurter Eintracht muss allerdings beim schweren Auswärtsspiel in Dortmund (seit zwei Jahren ungeschlagen im Westfalenstadion!) auf Linksverteidiger Taleb Tawatha verzichten. Laut Trainer Niko Kovac musste der Israeli am Donnerstag das Training abbrechen und steht für die Partie beim BVB nicht zur Verfügung. "Außer Tawatha sind aber alle dabei", beruhigte der Chefcoach die fragenden Journalisten, der demnach auch wieder auf das spanische Duo Omar Mascarell und Jesus Vallejo bauen kann. Mascarell habe zwar zu Beginn der Woche nur individuell trainiert, sei aber einsatzfähig. Vallejo ist nach seiner Pause gegen Bremen ohnehin wieder fit.

Reus is back!

Große Zufriedenheit herrscht im Lager der Gastgeber bezüglich der Rückkehr von Marco Reus. Der Nationalspieler gibt endlich gegen Eintracht Frankfurt sein Comeback für Borussia Dortmund. Der Offensivspieler wird nach seinem am 4. März beim 6:2 gegen Bayer Leverkusen erlittenen Muskelfaserriss im Oberschenkel erstmal wieder in der Startformation stehen. "Marco Reus wird spielen, das weiß er selber noch nicht. Er wird beginnen", sagte Trainer Thomas Tuchel gestern bei der Pressekonferenz. Der gebürtige Dortmunder wurde beim BVB in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst. "Wir vermissen ihn unendlich und brauchen ihn", ließ Tuchel für seine Verhältnisse geradezu eine Hommage auf seinen Vize-Kapitän folgen.



Was kann Tuchel noch tun um sein Team auf Sieg einzuschwören? Klar, mit seinen Spielern reden, ihnen die Angst ein wenig nehmen und die Perspektiven aufzeigen. Und dann sollen sie „versuchen, das Spiel auf dem bestmöglichen Level zu spielen. Aber du bist nur dann der beste Sportler, wenn du dir keine Sorgen machen musst“, bemerkte Tuchel vielsagend. Da sind wir auch gefordert. Wir Fans sollten unseren Teil dazu auf jeden Fall gewohnt lautstark beisteuern. Denn gemeinsam sind wir stark!

+++ Letzte Info +++

Das Spiel findet - wen wunderts - unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt. Der BVB bittet daher alle Fans aus Dortmund und Frankfurt darum, möglichst frühzeitig anzureisen und auf Taschen und Rucksäcke nach Möglichkeit zu verzichten. Die Stadiontore öffnen bereits um 13 Uhr.


Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Fotos: Getty Images – 14.04.2017





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