An der "Bremer Brücke" lauert das Aus

Die Sportfreunde Lotte bleiben das Überraschungsteam in der 3. Fußball-Liga und fühlen sich bereit für das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund: „Wir haben eine Chance. und werden am Dienstag hinfahren, mit der Hoffnung das Spiel gewinnen zu können. So werden wir auch auftreten“, sagte Lotte-Trainer Ismail Atalan kämpferisch vor dem Pokalspiel am Dienstag (18.30 Uhr).

Was war auch anderes zu erwarten als eine Kampfansage von den Sportfreunden aus Lotte? Vor dem Nachholspiel im DFB-Pokal feiert der vermeintliche Underdog zwei Siege in vier Tagen und braucht seine Trikots nicht erst mit dem „Weißen Riesen“ zu waschen, um mit breiten Kreuz rotzfrech daher zu kommen. Borussia Dortmund kann also kommen. Die Verlegung an die "Bremer Brücke", einem ganz im Stile englischer Stadien mitten in der Stadt gelegenen Austragungsort, dürfte wohl eher dem BVB unangenehm sein.

Denn die Erinnerungen an diese Spielstätte trüben rasch die Vorfreude im schwarzgelben Lager. Der letzte Aufenthalt datiert vom 27.Oktober 2009, als im DFB-Pokal Achtelfinale 2009/2010 ein gewisser Angelo Barletta gleich zwei Tore beisteuerte zum 3:2-Sieg der Veilchen und dem Ausscheiden des zwei Klassen höheren Bundesligisten. Während VfL- Coach und Ex-Borusse Karsten Baumann seinerzeit frohlockte, war Trainerkollege Jürgen Klopp sichtlich angefressen und kaum ansprechbar ob dieses Ergebnisses.

Chance zum Durchmarsch in die 2. Liga

Jetzt schickt sich also Fußball-Drittligist Sportfreunde Lotte an, in die Fußstapfen ihrer Nachbarn zu treten. Mit zwei Siegen binnen vier Tagen haben sich die Tecklenburger den richtigen Schwung für das Pokalduell mit dem Champions-League-Viertelfinalisten geholt. "Wir haben eine Chance. Und so werden wir auch auftreten. Wenn es am Ende reicht, sind wir glücklich - wenn nicht, sind wir traurig", sagte Lotte-Trainer Ismail Atalan nach dem 2:0 gegen Hansa Rostock.



Der Rückstand zum Tabellenzweiten Magdeburg beträgt nach dem 26. Spieltag nur noch zwei mickrige Punkte. Die Sportfreunde haben zudem noch eine Nachholpartie in der Hinterhand gegen Chemnitz. „Es macht uns am meisten Spaß, dass wir verdient gewinnen, uns nicht hinten reinstellen und auf Glück oder Zufall hoffen“, meinte der 36-jährige. Genauso mutig will er übrigens auch gegen das Bundesliga-Spitzenteam agieren lassen.

Dabei hatte Lottes Coach Ismail Atalan so sehr darauf gehofft, wie schon bei den überraschenden Siegen gegen den SV Werder Bremen, Bayer 04 Leverkusen und den TSV 1860 München den Heimvorteil nutzen zu können: "Das haben sich die Spieler und Zuschauer hier verdient." Der Drittligist hatte deshalb sogar erwogen, den alten ramponierten Rasen kurzfristig durch einen Rollrasen zu ersetzen. Doch bei der anhaltenden feuchten Witterung schien das Risiko zu groß, dass dieser Rasen bis zum Spiel nicht richtig anwächst.

Warum nicht auch den BVB schlagen?

Deshalb hatte Lotte beim VfL Osnabrück angefragt. "Die SFL haben sich für die Bremer Brücke entschieden, weil so nahezu alle Zuschauer, die auch am 28. Februar im Stadion waren, den Termin sicherlich aufgrund der geringen Entfernung wahrnehmen können. Der Dank der Sportfreunde gilt dem Nachbarn VfL Osnabrück", teilte der Verein daraufhin mit. Dass die Partie nun im nur 13 Kilometer entfernten Osnabrück ausgetragen wird, dürfte den Lotte-Fans zweifellos entgegenkommen.

Bei der Suche nach einem neuen Termin war sogar die Zustimmung der UEFA nötig. Schließlich ist der 14. März imk Rahmenspielplan für die Champions League reserviert. "Eine Ansetzung parallel zu den Rückspielen im Achtelfinale der Champions League ist nicht möglich, deshalb beginnt das letzte DFB-Pokalviertelfinale am 14. März bereits um 18.30 Uhr", hieß es in einer DFB-Mitteilung dazu.



In Dortmund sind die Gemüter auch am heutigen Montag noch immer erhitzt vom Duell „Heißsporn“ Ousmane Dembélé gegen „Schauspieler“ Mitchel Weiser. Der Berliner hatte Dembélé, den dieser bereits überlaufen hatte regelwidrig zu Fall gebracht. Es war Foul gepfiffen, als der Berliner den Ball wegschlagen und Dembélé ihn daran hindern wollte. Weiser aber zog dann eine unfassbare Showeinlage ab, wälzte sich theatralisch am Boden und gab ein schlechtes Beispiel ab, wie Fußball eben nicht sein soll. Wir erinnern uns: Schon im Hinspiel hatte der Berliner Sebastian Langkamp mit einer theatralischen Einlage einen Platzverweis für Emre Mor provoziert und sich später öffentlich entschuldigt.

Dortmund leckt Wunden aus Berlin

Die Dortmunder unterdessen hatten sich nach der Pleite in der Hauptstadt spielerisch – ungeachtet des gebrauchten Tages von Matthias Ginter - nicht viel vorzuwerfen, so sah das anschließend auch Chefcoach Thomas Tuchel. Doch sie haben trotzdem bereits zum fünften Mal in dieser Saison schon verloren, mal wieder nach einem beeindruckend erspielten Erlebnis zuvor, dem 4:0 in der Champions League gegen Benfica Lissabon. Konstanz geht wahrlich anders. Man könnte es sich ja einfach machen und die Dortmunder Situation ja auch so interpretieren, dass die Mannschaft, die am Beginn ihrer Entwicklung steht, im Champions-League-Viertelfinale noch im Lostopf ist, am morgigen Dienstag gegen die Sportfreunde Lotte ins DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München einziehen kann und in der Meisterschaft – sagen wir mal – durchaus auch auf Kurs ist – was die Saisonziele angeht.

Trotzdem wirken die Dortmunder in dieser Saison nie ganz zufrieden – obwohl Rückschläge von Anfang an durchaus einkalkuliert waren bei einem solch großen Umbruch. Sie hoffen beim BVB darauf, dass in dieser Saison eine Mannschaft heranwächst, der die Zukunft gehört. Im Sommer ergänzen Spieler wie Leverkusens Ömer Toprak und mutmaßlich auch Gladbachs Mahmoud Dahoud diese Mannschaft, die dann sehr viel weiter in ihrer Entwicklung sein wird.

Ob allerdings zum Reifeprozess auch ein Pokal-Fight am 25. oder 26. April in der Arroganz-Arena dazu gehört, wird der Härtetest morgen Abend an der altehrwürdigen „Bremer Brücke“ zeigen. Dort, wo Straucheln leicht geschehen und ein Hauch von Niederlage immer in der Luft liegen kann.


Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Bilder: Gettys Images - 13.03.2017




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