Ostrzolek: „In meiner Jugend war ich oft beim BVB“

An diesem Freitag bestreiten die beiden Traditions- und ehemaligen Freundschaftsvereine des HSV und BVB das erste Bundesliga-Spiel nach den Terrorattacken auf Paris und der erstmaligen kurzfristigen Absage eines Länderspiels der Deutschen Fußballnationalmannschaft aufgrund einer „akuten Gefahrenlage“. Es ist in einer außergewöhnlich angespannten Lage, in der sich viele mulmig fühlen, erzwungenermaßen leider mehr als nur ein sportliches Aufeinandertreffen. Es ist jedoch ein äußerst wichtiges und gutes Zeichen für unseren gesellschaftlichen Wert der Freiheit, dass die Bundesliga-Spiele stattfinden werden.

Seit Mittwochmorgen steht der HSV in permanentem Austausch mit den staatlichen Behörden und der Hamburger Polizei. Als erste Maßnahme wurde die Anzahl der Sicherheitskräfte „deutlich erhöht“, so Mediendirektor Jörn Wolf, der weiterhin darauf hinwies, dass die Ordner  „sensibilisiert“ seien. Um Ruhe und Gelassenheit ist – zumindest in der Außendarstellung – auch die Polizei bemüht. „Wir haben für das HSV-Spiel keine veränderte Sicherheitslage“, berichtete Sprecher Timo Zill, eine „hohe abstrakte Gefahr“ bestehe aber bereits seit Monaten: „Deswegen sind wir extrem sensibilisiert, sehr wachsam und folgen jedem Hinweis.“

Nach Informationen der Hamburger 'MOPO' werden am Freitag rund um das Stadion zwei Hundertschaften Polizei im Einsatz sein, was keinen Unterschied zu „normalen“ Bundesligaspielen darstellt. Im Hinblick auf die Partie zwischen dem HSV und dem BVB gibt es - Stand heute - keinerlei Hinweise auf terroristische Aktivitäten. Wir sollten also keine Angst haben und Zurückschrecken. Denn dies würde bedeuten, dass wir unseren Fußball aufgeben und opfern würden. Eine weitere Frage wird sein: Wie gehen die Spieler, insbesondere die Nationalspieler, die Freitag und Dienstag vor Ort waren, mit der Situation um? Können sie unbefreit aufspielen? Bleibt zu hoffen, dass gerade in solch einer Lage nicht noch mit Pyrotechnik gezündelt und eine weitere Verunsicherung (auch bei Spielern!) herbeigeführt wird, die noch mehr vom Fußball ablenkt und in einer solchen Situation der eigenen Mannschaft schaden könnte. Doch kommen wir nun zum Sportlichen und zum Fokus auf hoffentlich tolle 90 Spielminuten samt Nachspielzeit. Anlass zur berechtigten Hoffnung darauf lieferten unsere Jungs zuletzt ja in Serie.



Vor dem Spiel sprachen wir mit dem linken Außenverteidiger des HSV, Matthias Ostrzolek, der seine Kindheit zum Großteil in Dortmund verlebte, über das Sportliche und seine Heimat, das Ruhrgebiet.

Matthias Ostrzolek (25) spielte für den VfL Bochum und den FC Augsburg ehe er zur Saison 2014/15 nach Hamburg wechselte. Der gebürtige Bochumer bestritt bislang 107 Bundesligaspiele.


Matthias, Du bist ja ein Kind des Ruhrgebiets. Stimmt es, dass Du Deine Kindheit in Dortmund verbracht hast?

Ja das ist richtig. Ich bin mit meiner Familie im Alter von acht Jahren nach Lütgendortmund gezogen und habe dort gelebt bis ich nach Augsburg gegangen bin.

Wie hast Du das Fußballspielen im Ruhrgebiet erlernt?

Ich habe das Fußballspielen in Bochum gelernt, bin dort häufig mit meinem Bruder und seinen Freunden mit zum Spielen gegangen. Mit sieben Jahren habe ich dann in einem kleinen Bochumer Verein angefangen zu spielen.

Was bedeutet das Ruhrgebiet für Dich, was macht es für Dich aus? Gibt es etwas, dass Du von dort vermisst?

Am meisten vermisse ich natürlich meine Familie und meine Freunde. Das Ruhrgebiet ist sehr speziell, es gibt viele Städte in unmittelbarer Nähe und der Charakter des Gebiets und der dort verwurzelten Menschen macht das Ruhrgebiet schon sehr speziell. Die Menschen kommen meist aus Arbeiterfamilien und sind sehr herzlich, dadurch findet eigentlich jeder dort schnell Anschluss.





Welchen Bezug hast Du zu den Schwarzgelben?

Mein Vater hat mich früher häufig mit zum BVB genommen. Deshalb war ich in meiner Jugend oft im Stadion.

Kommen wir zur aktuellen sportlichen Situation. Du bist nun seit etwas mehr als einem Jahr beim HSV. In dieser Zeit ging es bei euch turbulent zu. Wie siehst Du eure aktuelle und Deine ganz persönliche Situation?

Das stimmt. Ich bin jetzt etwas über ein Jahr beim HSV und bin froh, diesen Weg gemacht zu haben. Das erste Jahr war für mich, aber vor allem auch für die Mannschaft und den gesamten Verein, sehr schwierig. Ich bin froh, dass wir mit Bruno Labbadia zum Ende der Saison die Rettung dann noch geschafft haben. Dieses Jahr befinden wir uns aus meiner Sicht auf einem guten Weg, dürfen aber nicht zufrieden sein.

Welche sportlichen Ziele bzw. welche Perspektive siehst Du für euch und für Dich ganz persönlich in dieser Saison?

Für uns als Mannschaft wird es wichtig sein, eine gesamte Saison konstant zu spielen und zu punkten. Wenn wir das als Mannschaft schaffen, werde ich auch persönlich immer besser in den Rhythmus kommen.

Wie würdest Du Deine eigene Spielweise charakterisieren? Wo siehst Du Deine Stärken und Schwächen?

Es ist immer schwer über sich selbst zu urteilen. Um dort eine fundierte Antwort zu bekommen, musst Du wahrschlich besser jemand anderen fragen. Ich würde aber sagen, dass ich ein sehr athletischer Spieler bin, der von seiner Dynamik lebt. Zudem habe ich einen guten linken Fuß und bin in meinem Spiel sehr offensiv ausgerichtet. Manchmal werde ich in Drucksituationen zu hektisch. Zudem wäre es natürlich schön, wenn ich meine offensiven Ausflüge noch effektiver nutzen könnte.





Am Freitag steht der Klassiker HSV gegen den BVB als Flutlichtspiel auf dem Programm. Früher gab es mal eine enge Fanfreundschaft zwischen den beiden Fanlagern und in den letzten Jahren hat der BVB wohl öfter gegen den HSV verloren als gegen Bayern München. Was für ein Spiel erwartest Du diesmal?

Wir freuen uns alles auf das Spiel am Freitag vor ausverkauftem Haus. Mit Dortmund kommt eine Mannschaft mit unheimlicher Qualität. Wir wollen hier aber an die letzten Spiele anknüpfen und  unser Spiel durchdrücken und die Punkte hier behalten.

Gibt es Dortmunder Spieler, die Du persönlich gut kennst?

Ja. Ich kenne Ilkay Gündogan. Mit Ilkay habe ich in der Bochumer Jugend vier Jahre zusammengespielt und später haben wir uns auch bei der U21 wieder getroffen.

Wie sehr beschäftigst Du Dich ein, zwei Tage vor dem Spiel mit einem Gegner wie jetzt mit dem BVB? Kannst Du da gut  abschalten oder machst Du Dir dann auch zu Hause viele Gedanken über mögliche Spiel- und Herangehensweisen in direkten Duellen gegen Mkhitaryan, Aubameyang & Co.?

Es ist der Mix aus beidem, den ich versuche optimal hinzubekommen. Es ist schon auch wichtig, abends komplett abzuschalten. Trotzdem denke ich vor einem solchen Spiel auch über mögliche Situationen und Herausforderungen nach, um gut darauf vorbereitet zu sein, wenn sie eintreffen.





Gibt es ein Spiel von Dir gegen die Borussia, an das Du Dich besonders gut erinnerst?

In besonderer Erinnerung ist mir vor allem und natürlich der sehr wichtige Sieg gegen den BVB in der vergangenen Saison geblieben.

Mal angenommen, irgendwann endet Deine fußballerische Zeit in Hamburg. Würdest Du dann lieber wieder bei einem Ruhrgebietsverein spielen oder im Ausland?

Aktuell bin ich voll auf meine Aufgabe hier beim HSV fokussiert und fühle mich zudem sehr wohl in Hamburg. Was die Zukunft bringt kann man sowieso nicht vorhersagen.

Vielen Dank für das Gespräch, Matthias und auf einen schönen Fußballabend!


Patrick Meiß - 19.11.2015 (Fotos: Kirsche-Archiv)




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