Tomas Rosicky: Auch mit 35 noch unentbehrlich

In den „11 Freunden“ war über ihn zu lesen: „Rosicky ist einer dieser Typen, dem die Herzen der Leute einfach so zufliegen. Auch wenn er eigentlich ziemlich wenig redet, wenig von sich preisgibt. Stört nicht“. Im Grunde ist dem gar nichts hinzuzufügen. So war er immer und so ist geblieben. Sympathisch, ehrlich und geradeaus.

Aber "Rosa" ist es leid. Die bohrenden Fragen nach seiner Fitness kann er einfach nicht mehr hören. „Wie ich mich fühle? Gut. Alles ist in Ordnung“. Früher in Dortmund nannte die "Bild" Rosicky wegen seiner schmächtigen Statur einfach flapsig „Schnitzel“. Mittlerweile ist der Mittelfeldspieler schon 35 Jahre alt - die EM soll sein letzter großer Aufgalopp werden. Spielt sein verletzungsanfälliger Körper da tatsächlich noch einmal mit? „Wenn er fit ist, ist er unser bester Mann“, sagte Tschechiens Trainer Pavel Vrba über seinen Kapitän.

Ein Grund für seine hohen Ausfallzeiten waren zweifellos seine vielen Verletzungen. Knie- und Oberschenkelprobleme, mal sorgte die Leiste für Ärger. Mitte 2012 wurde Rosicky an der Achillessehne operiert mit langwierigen Folgen. Danach machte dem Tschechen die Wade zu schaffen: "Das ist immer wieder frustrierend für mich, vor allem auch, weil es so viel Kraft und Nerven kostet, wieder zurückzukommen", sagte Rosicky damals. Und doch ist er wieder da. Als Kapitän führt er seine Tschechen auch in betagtem Fußballalter in Frankreich aufs Feld und scheint noch immer nahezu unentbehrlich.

Was gab es damals für einen freudigen Aufschrei bei Borussia Dortmunds Anhängerschaft. Präsident Dr. Niebaum und Manager Michael Meier präsentierten den Coup stolz der Presse im Januar 2001: für seinerzeit ebenso stolze rund 25 Millionen Mark (ca. 12,5 Mio. Euro) hatten sie nach zähem Ringen den wegen seiner filigranen Technick als „Mozart“ bezeichneten Spielmacher von Sparta Prag zu Borussia Dortmund gelotst. Später sollte ihm sogar noch sein Landsmann, Mittelstürmer Jan Koller folgen und für wahrlich große Momente sorgen.

Bayern ausgebootet und schlechte Verlierer

Rosicky galt damals bei seiner Entdeckung als sehr schneller, technisch ballsicherer Spieler und war zudem ein ausgewiesener Freistoßschütze. Im Winter 2000/2001 hatte es gar den Anschein, als müsste der BVB neben Bayern München auch mit der Beletage des internationalen Fußballs um seine Verpflichtung ringen. So lag die kolportierte Ablösesumme auch deutlich in Regionen, in denen der BVB für gewöhnlich nicht zu Hause war zu dieser Zeit. Diesen Eindruck bestätigten die internationalen Gazetten, die das Geschehen um den damals „teuersten Transfer der Bundesligageschichte“ überraschend deutlich intensiver verfolgten als unsere nationalen Medien.

In der Folge verhielten sich die Bayern-Bosse wie kleine Kinder - allen voran Uli Hoeneß ("Wir hatten  nicht den Eindruck, dass der Spieler unbedingt zu Bayern will.") - nach dem verlorenen Transfergerangel mit dem BVB als äußerst schlechte Verlierer. Schnell wurden überhöhte Geldforderungen Rosickys als Grund für das Scheitern vorgeschoben, denn Bayern wollte den Edeltechniker erst zum Sommer hin verpflichten, Sparta Prag aber wollte sofort Kasse  machen. Sofort geisterte die Mähr vom utopischen „BVB-Füllhorn“ mit mindestens 30 Millionen und mehr vom Süden der Republik aus durch den Medienwald.

Wie dem auch sei, am Mittwoch, dem 9. Januar unterzeichnete der kommende Superstar einen Vertrag beim BVB bis zum 30. Juni 2006 – also bis zur Heim-WM im eigenen Land. „Rosa“, wie er in Tschechnien mit Spitznamen gerufen wurde, war anschließend spürbar erleichtert: "Zum Glück ist die Angelegenheit jetzt endlich geklärt. Ich freue mich auf die Bundesliga. Die Fans sind fantastisch dort und Dortmund ist ein Spitzenverein!" Und tatsächlich schlug der Tscheche sofort ein beim BVB unter Trainer Matthias Sammer. 2002 wurde der 20-jährige mit Borussia Deutscher Meister und erreichte das Uefa-Pokal-Endspiel, dass allerdings durch eine 2:3-Finalniederlage gegen Feyenoord Rotterdam unglücklich verloren wurde.

Rosicky & Koller-Ära ging zu Ende

Nach 149 Bundesliga-Partien mit 19 Toren und durchaus schönen Jahren in schwarz und gelb, war der damalige BVB leider wirtschaftlich gezwungen, sein „Tafelsilber“ zu veräußern. Und so zahlte der englische Champions-League-Finalist FC Arsenal 2006 rund 15 Millionen Euro an den Dortmunder Traditionsclub, der zu dieser Zeit außer seiner Tradition nur noch wenig sein eigen nennen konnte. Zwischenzeitlich soll sogar eine Offerte von 30 Millionen Euro vom FC Chelsea für den Tschechen vorgelegen haben, aber der Transfer scheiterte. Zehn lange Jahre schon hält er es, bzw. Arsene Wenger und der Londoner Vorzeigeclub mit ihm schon aus. Nur wenige ausländische Spieler haben eine derart lange Verweildauer in nur einem Club in der Premier League.



In seinen weniger gewordenen, guten Momenten (wie gegen Spanien), zeigt Rosicky noch immer recht viel. Er ist immer noch ein Mann für die besonderen Momente und den tödlichen Pass. Dass er am Zenit seiner Laufbahn nicht mehr volle 90 Minuten über den Platz hetzen kann... Ok, geschenkt. Arsenals Trainerlegende Arsene Wenger scheint es jedenfalls ein wenig zu bereuen, dass Rosicky London nach einem Jahrzehnt nun verlässt: „Es ist ein Privileg, mit ihm gearbeitet zu haben“, sagt der ausgebuffte Franzose kürzlich mit einem zarten Anflug von Wehmut, den dieses beinharte Geschäft eigentlich gar nicht kennt.

Transfermarkt.de taxiert seinen heutigen Wert aktuell auf gerade einmal noch eine Millionen Euro. Seinen höchsten Marktwert erreichte Tomas Rosicky im Februar 2008. Laut Transfermarkt.de lag dieser bei 17,5 Millionen Euro. Von da an ging es stetig bergab. Vor allem mit der Gesundheit.

Opens window for sending emailHolger W. Sitter, Fotos: Getty Images – 15.06.2016


 




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