Hartes Jahr für Freunde des Ruhrgebiet-Fußballs

Nicht nur der BVB hatte in dieser Spielzeit so seine Probleme: Auch die bekannten Ruhrgebietsvereine in der Regionalliga West - die ja künftig von der Dortmunder U23 "bereichert" wird - bekleckerten sich nicht gerade mit Ruhm. Lediglich der MSV Duisburg setzte mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ein Ausrufezeichen. Doch lässt das bereits auf bessere Zeiten für die Traditionsvereine aus dem Ruhrgebiet hoffen?

KFC Uerdingen gegen SG Wattenscheid. In der Spielzeit 1992/1993 war das ein Straßenbahn-Bundesliga-Kracher, allerdings auch schon damals ein Duell gegen den Abstieg. Heute stehen die beiden Vereine symbolisch für den Niedergang zahlreicher Traditionsklubs aus Nordrhein-Westfalen. Und speziell für die beiden genannten Teams scheint bei diesem Niedergang kein Ende in Sicht.

Auch wenn die SG Wattenscheid den Klassenerhalt in der Regionalliga West mit letzter Kraft geschafft hat, öffnete die Oberliga bereits ihre Tore für die Schwarz-Weißen. Am 8. Mai teilte der Westdeutsche Leichtathletik- und Fußballverband sowohl den Wattenscheidern, also auch dem KFC Uerdingen mit, dass ihnen keine Lizenz für die Regionalliga West erteilt wird. Bei beiden Vereinen hakte es am Geld, im Fall Uerdingen kam eine Summe von 30.000 Euro ins Gespräch. Bei einem geschätzten Saison-Etat von 350.000 bis 400.000 Euro kein Pappenstiel.


Bildquelle: Martin Ilga

Beide Vereine zahlten, erstaunlicherweise zeitgleich mit dem Lizenzentzug, und wurden folglich vom Verband verschont. Die Leistungen, speziell der Uerdinger, verbesserte das allerdings nicht. Und so blieb dem Verein nur die letzte Möglichkeit, ein Trainerwechsel. Kurios: Sechs Tage vor dem letzten, alles entscheidenden Spieltag der Saison. Und das auch noch ohne Erfolg. Uerdingen geht runter, Wattenscheid bleibt drin. Blau ist das Auge der Schwarz-Weißen dennoch.

Wirklich zufrieden sein können auch die beiden großen Ruhrgebiets-Vereine der Regionalliga West, Rot-Weiß Essen und Rot-Weiß Oberhausen, nicht. RWE schnappte sich zwar den Niederrhein-Pokal und darf damit im Sommer in der ersten DFB-Pokal-Runde antreten. Der Aufstieg, der nach der Herbstmeisterschaft mehr als möglich erschien (und auch von der Vereinsführung forciert wurde?), geriet in ernsthafte Gefahr, da er mit einem katastrophalen Start in die Rückrunde fast schon elegant verspielt wurde. Bleibt zu hoffen, dass die Personalwechsel in der Vereinsführung langfristig für Besserung sorgen und auch die Fans an der Hafenstraße über die gesamte Saison hinweg in Treue zum Verein stehen werden.

RWO war derweil überall vorne mit dabei, aber nie an der Spitze. In der Tabelle auf Rang vier, im Finale des Niederrhein-Pokals im Elfmeterschießen besiegt. 2015/2016 muss nun etwas Zählbares her. Ob dies der Aufstieg in Liga Drei sein könnte, ist allerdings fraglich. Denn die Aufstiegschance nahm man sich in der laufenden Saison selbst, indem man keinen Lizenzantrag für die dritte Spielklasse stellte.

Weitaus erfolgreicher lief in dieser Klasse das Jahr für den MSV Duisburg, der am vorletzten Spieltag den Aufstieg in die 2. Bundesliga klar machen konnte. Wenige Tage später erhielt man die Lizenz für die 2. Liga - und zwar ohne Bedingungen. Bleibt zu hoffen, dass der MSV in der kommenden Spielzeit beweisen kann, dass er wieder zu den 33 besten Vereinen der Bundesrepublik gehört. Denn Tradition allein gewinnt heutzutage keinen Blumentopf mehr.


Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.msv-bilder.de
 

Dies muss auch ein weiterer Traditionsklub erkennen, der mitten im Abstiegskampf in der Oberliga Westfalen steckt: Denn auch Westfalia Herne ist zwei Spieltage vor Schluss akut abstiegsbedroht. Im Stadion am Schloss Strünkede, mit einer Kapazität von 32.000 Zuschauern größer als manche Erstliga-Spielstätte, wurde 1959 der Westdeutsche Meistertitel gefeiert, in den 1970er Jahren Zweitliga-Schlachten geschlagen. Der Verein war so etwas wie ein Vorläufer der TSG Hoffenheim. Nur dass Mäzen Erhard Goldbach sein Geld auf mehr als dubiose Weise mit seinem Tankstellen-Imperium "Goldin" verdiente und wieder verschleuderte...

Doch der Erfolg kam zu einer Zeit, als der Bau von Nachwuchs- und Leistungszentren noch ferne Träumereien waren. Und so entstanden weder in Herne, noch im ebenfalls von dem bekannten Mäzen Klaus Steilmann seinerzeit sogar bis in die erste Liga gepushten Wattenscheid stabile Strukturen für die Zukunft. Beide Vereine zeigen dieses Manko inzwischen mit der jeweiligen Zugehörigkeit zu den unteren Ligen.

Mit ein wenig Galgenhumor lassen sich allerdings die schlechten Spielzeiten  der ehemaligen Ruhrgebiets-Größen schönreden. Denn es lohnt sich, die alten Stadien zu besuchen. Die Lorheide in Wattenscheid versprüht einen eigenen Charme, die Bratwurst wurde unter anderem von Jürgen Klopp als beste Stadionwurst in Deutschland gelobt.

Und auch am Schloss Strünkede in Herne können sich Nostalgiker (und Groundhopper) in ein Stadion voller Fahnen und überraschender Erfolge zurückträumen.  Außerdem besteht nach jedem Abstieg auch eine Chance, auf einen Aufstieg. In diesem Sinne: Viel Glück für 2015/ 2016.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailFabian Nitschmann, Fotos: Archiv - 02.06.2015




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