Wenn der "Panik" tauft...

Das Wetter spielte mit und so kam es am vergangenen Wochenende wieder einmal zum gemütlichen Stelldichein der beiden in Freundschaft verbundenen Fanlager. Auf Einladung der „Krawattenfront“ waren etwa 250 – vornehmlich Kutten – bereits am Vormittag zum „Aufwärmtraining“ wiederum ab 11.15 Uhr im geschichtsträchtigen "Max & Consorten" am Spadenteich 1 eingetroffen, was dereinst von dem stadtbekannten Heilpraktiker Max Schönke, nur wenige Schritte vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt, ins Leben gerufen worden war und sich stets großer Beliebtheit erfreut.

Mittendrin standen sie, die üblichen Verdächtigen, deren Einsatz man diese Art von Zusammenkünften überhaupt verdankt: Der Hanseat Bernd Stürmer und der Borusse Michael Bolte. Beide waren sichtlich in ihrem Element und auch diesmal gefragte Gesprächspartner. Überhaupt konnte man feststellen, dass es sich hier tatsächlich um die sprichwörtlichen „Freunde“ handelte, die sich da beim Frühschoppen-Bierchen trafen. Dass diese Zusammenkunft inzwischen auch immer größere Wellen schlägt, dokumentierten diesmal viele anwesende Fans im Trikot, die ebenfalls sich der alten Freundschaft beider Clubs verbunden fühlen. Unter ihnen auch Franz Schreiber, vielen noch bekannt als Chef des legendären „Sägewerk Günne“ am Möhnesee.



Meine besondere Aufmerksamkeit galt aber diesmal Stefan Kaiser (im Titelbild kniend in der Mitte zu sehen), dem Präsidenten vom " HSV Fan-Club Schwarz-Gelb". Mit ihm sprach ich am Rande des Treffens.

Stefan, jedem hier fällt auf, dass Du einen Fanclub repräsentierst, der unsere Vereinsfarben im Namen trägt. Erklär uns doch mal, wie es zu dieser Gründung kam...


Wir haben unsern Fanclub „Schwarz-Gelb“ im November 1982 mit 21 HSV-Fans hier in Hamburg Barmbek gegründet. Zu dieser Zeit gab es überhaupt erst 60-70 Fanclubs. Der Name unseres Fan-Club`s ist daraus entstanden, dass wir vorher recht regelmäßig die Spiele des HSV in Dortmund besucht hatten und dort immer fantastisch aufgenommen worden sind. Dazu kam diese Stimmung in dem, zur damaligen Zeit noch kleinen, engen und komplett überdachten Stadion – das war einfach grandios. Auf Dortmunder und Hamburger Seite wurden die Tribünen dann regelmäßig zum Wippen gebracht. Da zu diesem Zeitpunkt schon eine Fanfreunschaft beider Vereine bestand, fuhren auch schon damals mehrere tausend HSV-Fans zu den Spielen nach Dortmund und es gab viele persönliche Freundschaften zwischen beiden Anhängergruppen.

Also trug diese spontane Idee der Fanfreundschaft beider Clubs Rechnung?


Ja. Bezüglich dieser Fanfreundschaft war uns eigentlich klar, das unser Fan-Club Name darauf Bezug nehmen sollte.



Es wurde auch nicht lange überlegt und der Vorschlag ihn "Schwarz-Gelb" zu nennen, wurde einstimmig angenommen. Der Rückenaufnäher, wurde von uns bewusst, schlicht, nur mit schwarzen Untergrund und gelber Schrift gewählt, damit er neben unseren Rautenaufnähern noch gut zur Geltung kam.

Was haben die HSV-Fans denn dazu gesagt damals?


Beim ersten Auftritt des HSV Fan-Club "Schwarz-Gelb" in unserem legendären Block E in der Westkurve, war wegen des Namens zunächst erst großes Erstaunen. Fan-Club`s, die andere Farben als schwarz-weiß-blau hatten, fielen natürlich sofort auf. Nach mehreren Erklärungen unsererseits nach dem „warum“, und einigen Bieren, waren die allermeisten aber überzeugt, das der Name sehr wohl passt.

Wie ging es dann weiter?


Zunächst einmal bekamen wir dann in Barmbek, von der Kirchengemeinde Tieloh, einen Raum gestellt, den wir uns - mit Raute an der Wand und vielen HSV und BVB-Sachen - einrichten durften – und das sogar unentgeltlich, was zu dieser Zeit sicherlich nicht unbedingt üblich war. Hier fanden unsere Sitzungen statt und die Planungen für unsere Ausflüge in die Liga und besonders nach Dortmund.

Welche Erinnerungen hast Du noch an diese Dortmund-Reisen?


Da wir dann ja fast schon ein Jahrzehnt hintereinander immer in Dortmund anwesend waren, hatten wir auch schon in der Innenstadt eine Stammkneipe. Neben einer großen Kirche, die den Namen "Zur Glocke" hatte, wenn ich mich da richtig erinnere. Der Wirt freute sich auch schon jedesmal auf uns, wenn wir in Dortmund spielten. Dieser Wirt schenkte mir dann auch uralte Gläser der Dortmunder Union Brauerei, die ich immer noch habe.

Und wie traf man damals zusammen?


Nichts leichter als das. In den achtziger Jahren war es nämlich so, das die Borussenfans uns vom Hauptbahnhof, quasi an der Bahnsteigkante, abholten. Unter lautem Fangesang – meist „BVB und HSV, duda duda hey“, aber auch anderen Freundschaftsliedern, ging es dann immer mit ca. tausend Fans aus dem Sonderzug, meist gemeinsam zum Borsigplatz, oder zum Alten Markt und anschließend weiter Richtung Stadion. Freundschaftlich, und sich in den Armen liegend. Damals ein grandioses Bild, da es zu dieser Zeit ja fast nur Kuttenträger gab.
Und plötzlich hörte das auf...



Ab dem August 1984 waren wir ja auch Mitglied im " Dachverband der HSV Fan-Clubs. Zu der Zeit wurde auch gerade das HSV Fan Projekt gegründet, was sich um Fanbelange kümmern sollte. Auch das wurde von uns unterstützt. Anfang der neunziger Jahre, wurden die Auswärtsfahrten und die Spielbesuche aus familiären Gründen, immer weniger und wir hatten viele Austritte. Ich selber hatte immer mal wieder einige Anfragen anderer Fan- Club`s, ob ich nicht bei ihnen eintreten möchte, habe das aber immer abgelehnt, da ich unseren traditionsreichen Fan-Club nicht auflösen wollte. Seit ca.15 Jahren sind wir, Stefan Kaiser, mein Bruder Olaf „Öli“ Kaiser und unser Freund Karsten „Locke“ Volkmann diejenigen, die den Erhalt des Fan- Club`s fördern. Bekannt sind wir auch heute noch, da wir auch heute immer mit unsern Kutten ins Stadion gehen. Wir haben inzwischen im C-Rang der Nordtribüne, wo sehr viele HSVèr von früher sitzen, unser zuhause gefunden.

Was sagt Ihr zur Wiederbelebung der alten Freundschaft vor vier Jahren?


„Locke“ und ich haben letztes Jahr das erste Mal am Kuttentreffen der HSV und BVB-Fans teilgenommen. Dabei haben wir tolle Leute aus den Reihen der Dortmunder kennengelernt. Bekannt dürfte vor allem "Borsti" sein. Aber seit diesem Treffen pflege ich eine Wahnsinns-Freundschaft mit Michael Bolte vom Fan-Club " NO LIMITS" aus Neheim. Ich glaube, ich habe da meinen Zwilling gefunden. Diese Treffen in Hamburg und Dortmund beweisen mal wieder, dass die Freundschaft zwischen den Fans beider Lager nicht klein zu kriegen ist. Das besondere an diesen Treffen ist ja, das dies alles überwiegend Leute mit Hang zur guten, alten Kutte sind. Und der Slogan, unter dem immer gemeinsam gefeiert wird: „BVB und HSV - Eine Freundschaft die nie endet“, ist ja schließlich selbsterklärend...

Soweit Stefan Kaiser, dem ich für dieses Gespräch danke.


Die Kuttentaufe, hier vorgenommen von Christian Weiß, alias "Panik", gehört zu den festen Ritualen dieser Treffen!

Am Abend kam man noch einmal in der „Nachspielzeit“ in der Pinte „Die Drossel“ zusammen, einer typischen Hamburger Bierkneipe, in der noch Bier in handlichen Flaschen ausgeschenkt wird. Mitten in Barmbek, an der Drosselstraße, unweit der Fuhlsbütteler Straße bot dann das schiedlich-friedliche Endergebnis von 0:0 eine ideale Basis, um den eigentlichen Grund der Anreise auszuklammern und sich gleich den „zwischenmenschlichen“ Beziehungen zuwenden zu können, was auch hervorragend klappte. Als dann auch noch die Musik aus den Glanzzeiten der Fanfreundschaft dem Abend angepasst wurde, entdeckte so mancher sogar die Mini-Tanzfläche...

Fazit: Es war wieder ein klasse Wochenende in der Hansestadt. Nicht nur, dass uns die Sonne lachte (was ja nun bei unseren Besuchen Seltenheitswert hat), es waren viele fröhliche Gesichter, die ich sah. Und so freuen sich alle schon bei der Verabschiedung auf das nächste Wiedersehen – wann auch immer das sein wird,  gemäß Spielplan der DFL.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter, Bilder: Stefan Kaiser, Lars Reikowski – 10.03.2015

Ansprechpartner:
HSV:  Bernd Stürmer  (0178 - 20 55 492) Bernd.Stuermer@kabelmail.de
BVB:  Michael Bolte  (0171 - 74 77 436)  michael-bolte@gmx.de

Siehe dazu auch:
>> Öffnet externen Link in neuem FensterHSV + BVB - Eine Freundschaft die nie endet
>> Öffnet externen Link in neuem Fenster„Wenn wir schon verlieren, dann sinnvoll“
>> Öffnet externen Link in neuem FensterUnd immer wieder der HSV…


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