Meier: Borussia soll allen Spaß machen (Teil 2)

Im zweiten Teil seines "Abschieds-Interviews" im Mai 2005 blickte der scheidende Geschäftsführer Meier auf seine Anfangsjahre zurück und erinnerte sich an nicht immer ganz pflegeleichte und viel zu teure Spieler im BVB-Dress...

Sie haben in all den Jahren unendlich viele Spieler und Typen kennen gelernt...

Fangen wir bei dem von Ihnen ja immer wieder gern erwähnten Murdo McLeod an. Das war für mich ein Erfahrungsprozess. Ich habe ja immer gesagt, wenn du anfängst bei Borussia Dortmund, kannst du nicht einfach eine Schablone vom 1. FC Köln oder Leverkusen nehmen, sondern du musst dich führen lassen. Dazu sind die wenigsten Leute bereit und machen dann Fehler. Murdo McLoud war sicherlich ein "Hero" zu dieser Zeit in Dortmund. Ich bin der ganzen Sache eigentlich so ein bisschen auf den Leim gegangen. Der ist ja damals für relativ kleines Geld nach Dortmund gekommen und sollte praktisch für denselben Preis, ein paar Jahre älter, wieder zurückgehen. Da hätte man mir in Köln oder Leverkusen gesagt, dass das ein toller Transfer ist.

Die Gefahr, dass man mich dann personifizierte als denjenigen, der einen Hero nicht anständig behandelt, und den einfach weg schickt, konnte ja niemand so vorhersehen. Da hätte ich das Publikum mit einbeziehen müssen, oder es einfach mal zur Diskussion mit den Fans kommen lassen müssen. Wie denkt ihr darüber, Murdo McLeod gehen zu lassen? Dann wäre das anders gekommen. Aber so ist ja Folgendes passiert: man hatte mich ja gebeten mit der Transfersumme runter zu gehen, was ja dann - nebenbei erwähnt - ja auch möglich gemacht wurde. Aber es gab ja damals noch die Ausländerkontigentierung, und wir hatten neben Flemming Povlsen auch noch Sergej Gorlukowitsch im Kader, und zwei durften nur spielen.

Er saß dann als schottischer Nationalspieler auf der Bank, womit aber keiner vorher rechnen konnte. Ich hatte mit beiden, mit Sergej und Murdo gesprochen und habe gesagt: "Hört mal, wir haben keinen Stürmer mehr, und den werden wir so schnell wohl auch nicht kriegen, da müssen wir dann einen Ausländer nehmen. Also mit anderen Worten, einer von euch beiden, wird wahrscheinlich auf der Bank landen."Und das haben Horst Köppel und ich vorher ganz klar und deutlich vermittelt. Dann hat Sergej gesagt, so ist das Leben. Murdo ging dann davon aus, dass er nicht auf der Bank sitzen wird. Und dann bin ich ja zwei Jahre lang attackiert worden, ich wäre derjenige gewesen, der ihn hier weggeschickt hätte. Wobei McLeod Euch da auch nicht ganz die Wahrheit gesagt hat. Er ist ja auf uns zu gekommen und wollte aufgrund der Situation gehen, was man ja durchaus auch verstehen konnte. Und ich habe auch keine Veranlassung gehabt, ihn auf die Bank zu setzen. Das ist ja auch nicht meine Aufgabe gewesen, sondern die des Trainers.Als Zweiten ist zweifellos Stefan Klos zu nennen. Das ist eigentlich eine Sache, die ich bis heute nicht verstehe. Weil er ein Dortmunder Junge ist, der jetzt in Schottland glücklich wurde. Das hat mir damals weh getan, dass wir den Kampf um ihn zu schnell verloren hatten. Da war der Kader schon relativ gestärkt mit eigenen Leuten, wie Teddy de Beer, Ibrahim Tanko, Lars Ricken etc., die ja auch eingesetzt wurden und es schaffen konnten. Stefan Klos hatte es ja geschafft. Das ist sicherlich eine Geschichte, die im Nachhinein ziemlich weh tut, dass es nicht gelungen ist, ihn weiter an uns zu binden, zumal er ja nach wie vor ja eine Beziehung zu der Region und auch zum Verein hat.Und wie oft waren Sie eigentlich bei Monika Lambert?Das war natürlich relativ schwer ihn davon zu überzeugen, nicht wieder rüber zu gehen, denn die Familie geht nun mal vor. Ich glaube zum Beispiel bei Paul Lambert, dass gerade er die ganze Liebe der Fans nur deshalb bekommen hat, weil unser Murdo weg war. Der hat ihm den Weg geebnet. Dieses entstandene Schottenvakuum füllte er aus und die Leute waren wieder glücklich. Paul Lambert war natürlich ein Spieler, der immer lief, wie so ein VW-Motor. Der blieb gar nicht stehen. Er war der, der die Wege machte, auch wenn die anderen ihn brauchten und hat die Löcher einfach gestopft. Er ist ja auch derart euphorisch verabschiedet worden, als wenn er den Weltpokal, Europapokal und die Meisterschaft in einem geholt hätte. Das muss man mal klar und deutlich sagen. Lange war er ja auch nicht hier, was eigentlich schade war. Stimmt... Man kann einfach nur sagen, es hat sicherlich viele Spielerpersönlichkeiten in dieser Zeit gegeben. Es ist schwer, da einzelne Spieler hervorzuheben. Es gibt viele Dinge, woran man sich leidvoll und freudevoll erinnert. Julio Cesar zum Beispiel. Was hat der spielerisch geleistet. Das war einer der wichtigsten Transfers. Sicher hat er auch einige schwierige "Nebenerscheinungen" gehabt, aber er ist dennoch geliebt worden. Auch Michael Rummenigge. Der kam ja vor meiner Zeit und hatte auch einen schweren Stand. Und ich glaube, dadurch, dass er heute noch in Dortmund lebt, dokumentiert er, dass er eine unheimliche Dankbarkeit gegenüber dem Publikum hat. Das ist durchaus ein positives Zeichen für den Verein Borussia Dortmund. Ich möchte einen noch hinzufügen. Sie haben mal zu mir gesagt, wenn man für 15 Millionen einen Spieler wie Sunday Oliseh von Juventus Turin loseisen kann, muss man ihn holen. Aber schon damals gab es sowohl aus Amsterdam als auch aus Turin erste Anzeichen, dass dieser Spieler charakterlich bedenklich ist. Jetzt haben wir es ja erneut erlebt....Ich weiß nicht mehr, ob ich das so gesagt habe.So eine Aussage bleibt beim Fan hängen...Ich habe Oliseh schon als einen tollen Fußballer betrachtet. Er ist schon ein spezieller Typ, das muss man sicherlich sagen. Es gibt im Laufe so einer Zeit sicherlich auch spezielle und schwierige Typen. Der Oliseh ist sicherlich durch den Vorfall da in Bochum besonders gebrandmarkt. Ich habe mich vorher in Köln und bei Morten Olsen, der ihn ja damals nach Amsterdam geholt hat, erkundigt und habe da nichts Negatives gehört. Er hat da auch jetzt noch einen hohen Stellenwert. Das ist sicherlich ein Spieler, mit dem man sehr intensiv arbeiten muss. Es hat aber auch schon vorher Fälle von Spielern gegeben, die sehr schwierig waren. Andere haben da mehr Spaß gemacht. Sie sind ja auch das große Risiko eingegangen und haben "Stars" nach Dortmund geholt. Reuter, Riedle, Sammer und Kohler. Möller, Cesar und Sousa um nur einige zu nennen. In bis dato ungekanntem Ausmaß wurden Transfers getätigt, die nachweislichen Erfolg brachten. Würden Sie rückblickend sagen, dass die Gleichung "teuer aber erfolgreich" richtig war? So habe ich das noch gar nicht betrachtet... Wenn man vor 15 Jahren angetreten wäre und hätte dann die Politik gemacht, die wir letztendlich ja auch gemacht haben, kann das, muss aber nicht unbedingt zum Erfolg führen. Wie man sieht, denn beispielsweise Leverkusen ist ja einen ähnlichen Weg gegangen. Dann kann es natürlich sein, dass wir wirtschaftlich in eine Schieflage kommen. Oder man sagt, wir bleiben jetzt da auf dem Level. Stadionbau interessiert uns nicht, ist Aufgabe der Kommune, Aufbau einer Mannschaft legen wir einfach mal das Lokalkonzept zugrunde und arbeiten mit jungen Spielern und lassen Bayern München und andere Vereine an uns weiter vorbeirennen. Die Möglichkeit habe ich natürlich auch. Aber die Politik haben wir nicht gemacht und ich denke auch, irgendwie muss Borussia ja auch Spaß machen. Man sieht das ja jetzt auch bei Chelsea London. Die haben auch gewartet und man sagte, da gibt es keine Identifikation mehr. Ich habe jetzt mit vielen da in London gesprochen, die Chelsea London als ihren Verein sehen und gefragt, gibt es da eine Distanz? Sie sagten, absolut nicht. Aber welche Möglichkeiten hast Du denn, so viele Stars auf einmal zu sehen? Und wenn es dein eigener Verein ist, möchtest du die natürlich da auch sehen. Als ich Euch damals gefragt habe: Wen können wir denn noch alles nehmen? Da hieß es dann, wenn wir uns das erlauben können, dann den Häßler noch und den und den und den. Das darf man heute alles nicht vergessen. Auch der Fan hat ja damals seine Forderungen gestellt. Die haben wir auch nicht alle erfüllen können. Das Geschäft ist an und für sich nicht problemlos. Das muss man klar und deutlich sehen. Ich vergleiche das immer mit einem Aufsteiger. Also, wenn so ein Aufsteiger plötzlich in die Bundesliga kommt, sind ja alle von ihrem Mannschaftsgefüge nicht so stark ausgestattet, dass man sagt, sie könnten sofort Deutscher Meister werden. Das sind dann alles Mannschaften, wo man mit einem großen Fragezeichen fragt, ob sie sich in der Liga halten können. Jetzt machen diese Vereine natürlich Folgendes: Sie nehmen Fremdgelder auf, damit sie sich personell verstärken, um bloß in der Liga zu bleiben. Wenn das aber in die Hose geht, und sie steigen trotzdem ab, gehen sie ein Risiko ein und verlieren 15 Millionen. Was meinen Sie, wie lange das dauert, bis der Verein sich davon erholt? Also wenn sie das machen, gehen auch diese Vereine erst einmal ein Risiko ein und investieren und spekulieren auf höhere Einnahmen. Nichts anderes hat Borussia Dortmund eigentlich auch getan. Wenn Sie jetzt sehen, was sich da in Stuttgart abspielt, das ist alles auch sehr interessant. Die haben die Verträge dann mal eben schnell verlängert, jetzt müssen sie die Spieler auch schon wieder abgeben. Weil sie sich auch nicht so halten können auf langer Sicht. Und insofern muss ich noch einmal sagen, dass dieser Weg, den wir da gegangen sind - und der ja immerhin 15 Jahre gedauert hat - so falsch nicht war. Sicher konstatiere ich, dass es in den letzten 1 ½ Jahren wirtschaftliche Probleme gegeben hat, die ja unbestritten da sind, aber diese Probleme bekommst Du auch als Aufsteiger. Was mach ich denn als 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt? Das sind Traditionsvereine und einem Umfeld mit Erwarungshaltung. Ich spiele mit der Mannschaft weiter. Was dann wieder los ist in der Fanszene, wenn man wieder absteigt, ist schon ein Problem. Und deshalb noch einmal, dieses Geschäft, wenn sie das also erfolgreich betreiben wollen, birgt Risiken. Und ich kann sagen, wir sind auch bestärkt worden. Von den Banken, die auch gesagt haben, völlig richtig so! Das ist die Politik die ihr machen müsst. Wenn man Spieler für utopische 50 Millionen holt, das ist natürlich eine Größenordnung...Das ist doch ganz klar. Wenn ich die Geschichte Amoroso heute sehe... gut der ist mit Null durch die Bücher gegangen, als der wieder abgegeben wurde, dann haben Sie völlig Recht. Das ist eine Geschichte, die kann ich an einem Spieler festmachen. Aber wir haben auch zweistellige Millionenbeträge für Sammers, Riedles und so weiter bezahlt, die wir dafür auch wieder verkaufen konnten. Das muss man auch sehen, teilweise jedenfalls. Und da trägt man auch das Risiko, dass ein Sammer plötzlich Sportinvalide wird. Der hatte Führungsqualitäten, der konnte die Mannschaft zusammenstauchen und war dazu ein außergewöhnlicher Fußballer. Den bekommst Du so ohne weiteres nicht. Auch da haben wir Risiko gespielt. Wenn Sie das so sehen, dann muss ich sagen, dass war sicherlich ein großes Problem. Es gab auch viele, die gesagt haben, Mensch, der Meier ist doch Diplomkaufmann, der kann doch rechnen, warum hat der sich nicht von dieser Scheckheftpolitik von Niebaum abgewandt und gesagt, das können wir nicht, in dieser Größenordnung investieren. Diese Frage ist ja immer wieder aufgekommen...Zu Ihrer Anfangsfrage, wie haben Sie Borussia Dortmund damals vorgefunden, bin ich auch durchaus bereit Ihnen die Bilanzen zu zeigen. Beispiel 1989 und 1990. Und das vergleichen Sie mal mit den heutigen. Man muss auch sagen, da sind nicht nur Werte geschaffen, sondern auch Erfolge erzielt worden. Das Stadion, das steht da nun mal. Und in 15 Jahren ist das Stadion schuldenfrei. 50% des Stadions gehören uns ja schon wieder. Diese Leistungen werden auch immer wieder vergessen. Aber wer hat denn den Mut gehabt und gesagt, wir bauen das Ding jetzt auch aus. Ob die dritte Ausbaustufe dann unbedingt erforderlich gewesen ist, ist eine andere Geschichte. Das hat uns ja auch der Herr Heinemann (Ehem. NRW-Arbeitsminister und Westfalenhallen-Chef/Die Red.) vorgeworfen. Er hätte das schon damals gewusst, nur er hat es uns ja eben nicht gesagt. Aber warum dann Molsiris?Sie müssen ja Folgendes sehen. Man sucht ja Finanzierungen. Und das wäre durchaus alles denkbar und finanzierbar gewesen, wenn wir im Grunde diesen Crash bei Kirch nicht erlebt hätten. Da haben wir dann gesagt, wir verkaufen das in diesem konkreten Fall, weil es auch zum Teil der Finanzierung der dritten Ausbauphase dient. Es ist nun mal gemacht worden, da können wir jetzt stundenlang drüber diskutieren. Das Stadion ist dadurch heute kompakter. Das muss man eindeutig sagen, es ist ein komplettes Stadion. Es wäre alles kein Problem gewesen, hätten wir eine internationale Beteiligung gehabt. Man hat ja jetzt gesehen, was es bedeutet, auch für Schalke 04. Auch Bremen oder Herta BSC Berlin, sind glücklich, dass sie diesen Weg nehmen können, weil sie damit wieder einen Teil ihrer Verbindlichkeiten zurückführen können. Sonst bist Du da nicht in der Lage zu... Im letzten Teil sprechen wir über den Glücksfall Bert van Marwijk, über das Verhältnis der Gläubiger und Fans zur KGaA-Geschäftsführung und über "den Menschen" Michael Meier im Fokus der Öffentlichkeit. Holger W. Sitter - 29.05.05 Gewisse Dinge kann man heute in der Retroperspektive anders sehen. Letztendlich glaube ich, dass wir durch diese Transferpolitik Erfolg hatten. Man hatte auch nicht immer sofort die Verstärkungen, die man erwartete. Da waren sicherlich auch Fehlgriffe dabei, ganz klar. Die Leistung eines Managers muss man auch daran messen, welches Transfers er verhindert hat, und nicht nur welche er wie gemacht hat. Es gibt auch Wünsche von Trainern, die überhaupt nicht funktionieren. Und diese, wo man Recht behalten hat, die gar nicht funktionieren, die muss man da noch hinzusetzen. Wenn man vor 15 Jahren angetreten wäre und hätte dann die Politik gemacht, die wir letztendlich ja auch gemacht haben, kann das, muss aber nicht unbedingt zum Erfolg führen. Wie man sieht, denn beispielsweise Leverkusen ist ja einen ähnlichen Weg gegangen. Dann kann es natürlich sein, dass wir wirtschaftlich in eine Schieflage kommen. Oder man sagt, wir bleiben jetzt auf dem Level, den wir haben. Stadionbau interessiert uns nicht, ist Aufgabe der Kommune, Aufbau einer Mannschaft legen wir einfach mal das Lokalkonzept zugrunde und arbeiten mit jungen Spielern aus dem Umland und lassen Bayern München und andere Vereine an uns weiter vorbeirennen. Die Möglichkeit habe ich natürlich auch. Aber die Politik haben wir nicht gemacht und ich denke auch, irgendwie muss Borussia ja auch Spaß machen. Man sieht das ja jetzt auch bei Chelsea London. Die haben auch gewartet und man sagte, da gibt es keine Identifikation mehr. Ich habe mit vielen da in London gesprochen, die Chelsea London als ihren Verein sehen und gefragt, gibt es da eine Distanz? Sie sagten, absolut nicht. Aber welche Möglichkeiten hast Du denn, so viele Stars auf einmal zu sehen? Und wenn es dein eigener Verein ist, möchtest du die natürlich da auch sehen. Als ich Euch damals gefragt habe: Wen können wir denn noch alles zu uns holen? Da hieß es dann, wenn wir uns das erlauben können, dann den Häßler noch und den und den und den. Das darf man heute alles nicht vergessen. Auch der Fan hat ja damals seine Forderungen gestellt. Die haben wir auch nicht alle erfüllen können.Ist man im Nachhinein mit dem Gesamttransfervolumen bei Marcio Amoroso nicht eine Verpflichtung eingegangen, die wirtschaftlich viel zu riskant war? Das Geschäft ist an und für sich nicht problemlos. Das muss man klar und deutlich sehen. Ich vergleiche das immer mit einem Aufsteiger. Also, wenn so ein Aufsteiger plötzlich in die Bundesliga kommt, sind ja alle von ihrem Mannschaftsgefüge nicht so stark ausgestattet, dass man sagt, sie könnten sofort Deutscher Meister werden. Das sind dann alles Mannschaften, wo man mit einem großen Fragezeichen fragt, ob sie sich in der Liga halten können. Jetzt machen diese Vereine natürlich Folgendes: Sie nehmen Fremdgelder auf, damit sie sich personell verstärken, um bloß in der Liga zu bleiben. Wenn das aber in die Hose geht, und sie steigen trotzdem ab, gehen sie ein Risiko ein und verlieren 15 Millionen. Was meinen Sie, wie lange das dauert, bis der Verein sich davon erholt? Also wenn sie das machen, gehen auch diese Vereine erst einmal ein Risiko ein und investieren und spekulieren auf höhere Einnahmen. Nichts anderes hat Borussia Dortmund eigentlich auch getan. Wenn Sie jetzt sehen, was sich da in Stuttgart abspielt, das ist alles auch sehr interessant. Die haben die Verträge dann mal eben schnell verlängert, jetzt müssen sie die Spieler auch schon wieder abgeben. Weil sie sich auch nicht so halten können auf langer Sicht. Und insofern muss ich noch einmal sagen, dass dieser Weg, den wir da gegangen sind - und der ja immerhin 15 Jahre gedauert hat - so falsch nicht war. Sicher konstatiere ich, dass es in den letzten 1 ½ Jahren wirtschaftliche Probleme gegeben hat, die ja unbestritten da sind, aber diese Probleme bekommst Du auch als Aufsteiger. Was mach ich denn als 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt? Das sind Traditionsvereine und einem Umfeld mit Erwarungshaltung. Ich spiele mit der Mannschaft weiter. Was dann wieder los ist in der Fanszene, wenn man wieder absteigt, ist schon ein Problem. Und deshalb noch einmal, dieses Geschäft, wenn sie das also erfolgreich betreiben wollen, birgt Risiken. Und ich kann sagen, wir sind auch bestärkt worden. Von den Banken, die auch gesagt haben, völlig richtig so! Das ist die Politik die ihr machen müsst. Wenn man Spieler für utopische 50 Millionen holt, das ist natürlich eine Größenordnung...Das ist doch ganz klar. Wenn ich die Geschichte Amoroso heute sehe... gut der ist mit Null durch die Bücher gegangen, als der wieder abgegeben wurde, dann haben Sie völlig Recht. Das ist eine Geschichte, die kann ich an einem Spieler festmachen. Aber wir haben auch zweistellige Millionenbeträge für Sammers, Riedles und so weiter bezahlt, die wir dafür auch wieder verkaufen konnten. Das muss man auch sehen, teilweise jedenfalls. Und da trägt man auch das Risiko, dass ein Sammer plötzlich Sportinvalide wird. Der hatte Führungsqualitäten, der konnte die Mannschaft zusammenstauchen und war dazu ein außergewöhnlicher Fußballer. Den bekommst Du so ohne weiteres nicht. Auch da haben wir Risiko gespielt. Wenn Sie das so sehen, dann muss ich sagen, dass war sicherlich ein großes Problem. Ist man im Nachhinein mit dem Gesamttransfervolumen bei Marcio Amoroso nicht eine Verpflichtung eingegangen, die wirtschaftlich viel zu riskant war?


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