Mai 2009: Günna kam, sah und begeisterte!

Es lag etwas Magisches in der Luft, als sich im Mai 200 Menschen aus einem Radius von etwa 100 Kilometern in Bewegung setzten, um einen Ort anzusteuern, dessen Name eher trocken und verstaubt klingt. Die Rede ist vom „Theater Olpketal“, das am Rande des Dortmunder Südens gelegen, auf unsere Einladung hin einer illusteren Schar schwarzgelber Gleichgesinnter einen etwas anderen „Tanz in den Mai“ bot.  Dort, am Rande von Dortmund-Lücklemberg besteht die Stadt nur aus 12 Quadratmetern. Auf der linken Seite steht eine drei Meter hohe Nachbildung des Florian-Fernsehturms, darunter eine Parkbank - fast wie im Westfalenpark. Die Fenster an den Häusern sind mit zahlreichen Werbetafeln u.a. der Brinkhoffs Brauerei" bestückt und blinken in bunten Farben. Dortmunds Kulisse besteht hier aus Pappmaché. Das ist sie, die Welt des Ur-Dortmunders und ehemaligem BVB-Stadionsprechers. Wenn der Kabarettist und Entertainer Bruno „Günna“ Knust (54) sein gesammeltes Wissen über die Region Ruhrpott im Speziellen und Dortmund im Besonderen zum Besten gibt, bleibt kaum ein Auge trocken. Pünktlich um 20 Uhr betrat dann Kirsche-Herausgeber Holger Sitter die Bühne, eröffnete klassisch schlicht und spielte dann den Ball gekonnt zu Bruno „Günna“ Knust, den selbsternannten „King of Pott“, der sich seinerseits ebenfalls im Kirsche-T-Shirt unverzüglich ans Werk machte, einen Kalauer nach dem anderen unters Volk zu bringen. Doch die Stimmung war da bereits launig, denn schon vor der Eröffnung des Abends stand der Laden Kopf. Wechselgesänge zwischen Zuschauerrang und „Südwest-Ecke“ auf dem Oberrang. Ein Kollektiv in Feierstimmung. Borussen-Herz, nein Ruhrpott-Herz, wat willste mehr? "Brinkhoffs" hatte dem Abend deutlich seinen Sponsorenstempel aufgedrückt und so wurde nach alter Dortmunder Tradition das schnelle „Stößchen“ ausgeschenkt, was dem zügigen Biertransport per Tablett deutlich entgegen kam. Leider musste der eine oder andere an dem Abend noch fahren, was insbesondere Bürens Manni, Reinhold, Jürgen und „Schöni“ (Bild oben) allerdings nicht davon abhielt, mit dem ein oder anderen gebührend anzustoßen. Sie waren mit dem Bus angereist... Überhaupt: auf dem Oberrang lief der Biernachschub aus der nahen Bar vorzüglich. Nach dem Motto „kurze Wege im Mittelfeld" verfuhren auch die Werler, die sich sofort Siggi Held geschnappt hatten. Aber auch Kirsche Mitstreiter Uli und Andy (Bild links) wurden vom „Günna-Neuling“ zum Fan, was insbesondere daran lag, dass er wirklich jedem Borussen-Fan aus’m Herzen sprach. Naturgemäß grenzte der „Evinger Junge“ zunächst einmal den schwarzgelben vom blauweißen Fan ab und machte deutlich, dass ein Besuch der Grazprom-Turnhalle nix wirklich Erstrebenswertes sei. Zudem befand der Maestro, dass Gelsenkirchen gar so hässlich sei, dass sie dort Postkarten mit dem Motiv von Recklinghausen verkaufen müssten! Und um gleich ein entsprechendes Schreckenszenario nachzuschieben, umriss der Hymnenkomponist und Dauerkartenbesitzer die Vision, dass eines schönen Tages im Zeichen der Finanzkrise beide Kultclubs zum „BV Schlarussia“ oder FC Boralke zum letzten Wahrzeichen des Ruhrpotts „zwangsfusioniert“ werden, und IKEA als Hauptsponsor kriegen, wenn alle Stricke reißen würden. Doch so weit sei man ja gottlob noch nicht. Doch nicht nur die verbotene Stadt, im Westen Hernes gelegen, bekam an diesem Abend ihr Fett weg. Wehe es wagte auch nur einer, mal zwischendurch den Saal in Richtung Toiletten zu verlassen, um seine Notdurft verrichten zu wollen. Ein markiger Spruch von Günna war ihm oder ihr sicher. Anschließend war nach 90 Minuten erstmal Pause und es gab im Foyer jede Menge Gesprächsstoff, der durch Premiere-Kommentator Hansi Küpper (Foto) und Borussen-Legende Siggi Held fachlich begleitet wurde. Beide scheuten nicht die Nähe zum Fan und ließen sich auf den einen oder anderen Plausch ein. Ein weiterer sehr schöner Eindruck an diesem Abend. Die „zweite Halbzeit“ begann wie schon die erste aufgehört hatte. Während Günna wieder ein wahres Feuerwerk abbrannte, erreichte die Stimmung im Saal den Siedepunkt. Der meistgehörte Satz des Abends lautete: „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel gelacht habe.“ Muskelkater in der Bauchregion war bei vielen vorprogrammiert. Diesen Abend als gelungen zu bezeichnen, würde dieser Veranstaltung wohl nicht gerecht werden. Vielmehr passen Adjektive wie sensationell, phänomenal oder einzigartig – zumal eine derartige Ansammlung von Klassikern mit Stallgeruch in dieser Form seinesgleichen suchen dürfte.
Günna versteht es, die Aufmerksamkeit aufs Wesentliche zu lenken. Mal erzählt er mit der Ruhe eines Sozialarbeiters gepaart mit einer Prise Süffisanz von Borussia Dortmund: "Vorsichtshalber wurden mit der Zeit immer mehr Bundesligaspiele auf den Sonntag verlegt, damit die Mannschaft uns nicht immer wieder den Samstagabend versaut." Doch dann macht seine Zeitreise auch vor der wechselvollen Geschichte der Schwarzgelben nicht halt, als er kurz drauf einen Anröchter Fan in der ersten Reihe fragt: "Ey hömma, weißt du schon, das Borussia 1999 beinahe den Busfahrer von Wattenscheid 09 gekauft hat? Der kennt den Weg zu alle Stadien der Zweiten Liga." Als dann noch die eine oder andere Replik auf „NieMeiers“ letzte Zeiten fiel, war manch einem nicht unbedingt nur lustig zumute… Natürlich wurde im Anschluss an die Bühnenshow bei kontinuierlicher Einnahme des „flüssigen Goldes“ ein wenig gefeiert und manch Frage erörtert, die einen wirklich weiter bringt im Leben. So zum Beispiel auch die nach seinen beliebten Liedern „Borussia“ und „Leuchte auf, mein Stern Borussia“, das ja bekanntlich auf der Melodie des christlichen Chorals „Amazing Grace“ basiert. Schnell war man beim Thema: ob Kirche zum Fußball passe oder eben nich, bzw unter Umständen was sogar vom Fußball lernen könne, worauf der Kabarettist Knust kühn antwortete: "Kirche muss wie Fußball sein, denn der Gott dieses Jahrtausends ist rund“. Und „Günna“ weiß, wovon er spricht, schließlich kriegt er als ehemaliger Stadionsprecher und Komponist der inoffiziellsten Vereinshymne schlechthin genau mit, wie befindlich des Borussenfans Seele tickt. Kirche könne durchaus vom Fußball einiges abschauen, zum Beispiel die Begeisterung oder die Fähigkeit, sich mehr zu öffnen. Für viele Fans sei Fußball etwas wie eine Ersatzreligion. Die Identifizierung mit dem Verein gehe teilweise über das Leben hinaus, so dass selbst Beerdigungen in den Vereinsfarben schwarz und gelb gehalten, das Vereinslied an der letzten Ruhestätte gesungen oder Gräber in Blickrichtung zum Stadion gewünscht würden.
Aber soweit sind wir lange noch nicht, waren sich alle Beteiligten einig und stießen munter weiter miteinander an… 
 
Redaktion, 04.05.2009


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