Rolfs Erinnerungen: Heute Wien, 2003

Rolf Nielinger, von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in Essen, begleitet den BVB seit über 35 Jahren quer durch Europa - bis hin ins japanische Tokio. Bei uns erinnert er sich jetzt einmal im Monat an diverse Ereignisse und Erlebnisse auf seine Reisen mit dem BVB. Heute: 27.09.2003. Weißt Du noch?
Uefa Cup 2003/04, 1. Runde im Wiener Praterstadion
Am frühen  Morgen des 26. September 2003 machte ich mich mit meinem Kumpel Ralf Heynen völlig unvorbereitet auf den knapp 1000 km langen Weg zum Uefacupspiel der 1. Runde in die Österreichische Hauptstadt. Das Einzige woran wir gedacht haben, waren unsere Eintrittskarten für das Spiel. Los ging es also über die A3 von Duisburg nach Nürnberg und dann weiter über Regensburg und Passau nach Wien. In dem schönen Städchen Deggendorf haben wir dann erstmals eine Pause eingelegt und etwas gegessen. Da ich damals noch bei Karstadt gearbeitet habe und versucht habe so viele Karstadthäuser in Deutschland wie möglich zu besuchen um eine Kleinigkeit zu kaufen, tat ich das natürlich auch in Deggendorf.

Auf meinem Mitarbeiterkonto bei Karstadt hatte ich inzwischen fast 100 Käufe aus den verschiedenen Filialen im Land und dabei richtig Spaß entwickelt. Mit Borussia kam ich ja viel rum und diese „Grounds“ boten sich ja geradezu an. Naja, manche mögen jetzt sagen, ich sei ein bisschen verrückt und können damit sogar Recht haben. Dann ging es auch schon weiter zur niederösterreichischen Grenze, aber wir brauchten ja noch eine Mautvignette für Österreich und außerdem mußten wir noch tanken. Zum Glück gab es an der letzten deutschen Tankstelle vor der Grenze diese Klebedinger auch zu kaufen, denn die Sorge vor einem happigen Bußgeld war allgegenwärtig.

Am frühen Nachmittag so gegen 16 Uhr erreichten wir dann die Großstadt Wien. Da wir ja völlig unvorbereitet waren, suchten wir zunächst die Wiener Touristikinformation auf, um dort nach einer günstigen Übernachtung zu fragen. Nachdem uns zuerst etwas zu teure Zimmer genannt wurden. Auf unsere Frage, ob es nicht für „Teilzeitreisende“ wie uns etwas Bezahlbareres gäbe, hatten sie auf einmal sogar ein tolles, günstiges Hotel in der Nähe vom Prater mit dem einleuchtenden Namen „Praterstern“. Ein riesiges Doppelzimmer mit großem Bad, dazu die Nähe zu unserm Ziel - wir waren begeistert. So brauchten wir nur noch durch den Prater gehen und am anderen Ende war dann das Ernst-Happel-Stadion wo unser BVB am nächsten Abend spielen sollte.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg die Gegend zu erkunden. Los ging es in den Prater, wo schon einige Dortmunder Fans mit den üblichen Feierlichkeiten beschäftigt waren. Viele Borussen hatten sich mit Austria-Fans, die Sympathien für den BVB hatten, via Internet verabredet und sangen bereits in der „Praterfee“ manches gemeinsam, was gewiss nicht jedem gefallen hat. Im „Biergarten Himmelreich“ in unmittelbarer Nähe, braute sich dagegen schnell etwas zusammen, denn einige Hool-Platzhirsche meinten die „Wiedervereinigung der Landsmannschaften“ durch dumpfe Keile zunichtemachen zu können, was den Wirtsleuten schlechte Laune, geringfügige Mobiliarverluste und massenhaft Glasbruch eintrug.

Uns machte das nicht an und wir sind unterdessen schon mal zum Stadion gegangen, wo wir das traditionelle Abschlusstraining unseres Teams ansahen. Anschließend haben wir am Ausgang noch unseren damaligen Trainer Matthias Sammer getroffen und mit ihm geplauscht. Der Trainer von Austria Wien war damals kein geringerer als der aktuelle Nationaltrainer Joachim Löw. Mit den Eindrücken einer spielfreudigen und gut gelaunten BVB-Elf ließen wir den Abend dann im Prater bei ein paar Bierchen ausklingen.

Nachdem wir am nächsten Morgen ausgiebig gefrühstückt hatten, machten wir uns alsbald auf den Weg in die Stadt, genauer gesagt mitten ins Zentrum von Wien. Ich wollte unbedingt sehen, was die Stadt zu Ehren von Johann „Hans“ Hölzel, alias Falco auf die Beine gestellt hat und war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. An einer S-Bahnhaltestelle stand ein blaues Schild mit der Aufschrift „Falcostiege“ - das war alles. Wenn man bedenkt, wie viele große Denkmäler der großen Komponisten wie Mozart, Johan Strauss usw. in der Stadt aufgestellt sind, ist das für den „den ersten weißen Rapper“ eher mikrig. Das berühmte Hotel Sacher (sehr teuer, ich habe mir nur eine schicke Dose Kakao als Andenken mitgebracht) muss man gesehen haben, den Stephansdom sowieso. Anschließend gingen wir noch zum berühmten Hundertwasserhaus im 3. Wiener Gemeindebezirk, das seinen Namen dem Schöpfer und bekannten Künstler Friedensreich Hundertwasser verdankt. Die Fassade ist schön bunt angemalt und fällt auf. In der Wiener Hofburg haben wir dann noch den Schalker Manni Breuckmann getroffen, er sollte am Abend den Radiobeitrag vom Spiel kommentieren. So langsam machten wir uns dann auf zum Hotel und von da aus weiter durch den Prater zum Ernst-Happel-Stadion wo wir gegen 18.00 Uhr eintrafen.



Nach der verpassten Qualifikation für die Champions-League stand Austria Wien auch im UEFA-Cup vor einem frühen Abschied. Österreichs Meister musste sich im Heimspiel der ersten Runde vor 30.500 Zuschauern im Happel-Stadion Borussia Dortmund mit 1:2 geschlagen geben. Der in Wien stark Ersatz geschwächte BVB hatte damit im Rückspiel am 15. Oktober im Westfalenstadion sehr gute Chancen den Sprung in die zweite Runde perfekt zu machen.

Ach so, und wer meint, dass Rugbyspieler die verdammt härtesten Kerle der Sportwelt seien, sei noch einmal an den Führungstreffer von Otto Addo in der 38. Minute erinnert (Ricken bediente den langen Schlacks, der Afolabi locker aussteigen ließ und den Ball sehenswert in den Knick schlenzte). Erzielt mit links – und mit Kreuzbandriss. So nah liegen Freud und Leid nur im Sport nebeneinander… Fünf Minuten vor seinem Tor war Addos Kreuzband, im bereits zwei Mal operierten rechten Knie, bei einem eher harmlosen Zweikampf gerissen. Der Ghanaer wollte sich schon auswechseln lassen, erzielt dann aber doch unter großen Schmerzen das Tor für Borussia und verlässt sofort danach den Platz. Sein Lohn: Auszeichnung zum Tor des Monats September in der ARD und sechs(!) Monate Pause.



Die Austria schaffte aber ziemlich postwendend den Ausgleich, was die Euphorie auf den Rängen sofort bändigte. Janocko traf mit einem perfekten Freistoß aus über 30 Metern direkt in den Winkel zum 1:1 (39.). Ricken beendete mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand (67.) aber die Hoffnungen der Austria und sorgte für eine optimale Ausgangsposition für das Rückspiel.

Dieses Resultat und der moralische Sieg freute die Schwarzgelben, denn sie beendeten gegen die Austria auch ohne zehn verletzte oder erkrankte Spieler ihre Negativ-Serie in Auswärtsspielen.

Keine Chancen für die Austria, titelten die Wiener Redakteure anschließend. In der Schlussphase waren die Dortmunder bei besten Chancen von Reina und Dede (jeweils 78.) dem 3:1 sogar wesentlich näher als die Gastgeber dem Ausgleich.


Quelle: www.fussballdaten.de

Übrigens: Im Rückspiel im Dortmunder Westfalenstadion am 15. Oktober 2003 siegte der BVB vor 50.500 Zuschauern durch ein weiteres Tor von Lars Ricken mit 1:0 und zog damit sicher und souverän in die 2. Runde des UEFA-Pokals ein wo man allerdings dann gegen den FC Sochaux blamabel ausschied.

Nach dem Spiel hielt ich mich noch länger am Stadion auf, denn wir brauchten ja nicht mehr heimfahren sondern nur in unser Hotel. Da warteten noch einige Fans und ich kam mit einer netten Frau ins Gespräch. Wie sich dann herausstellte war es die Freundin von Sebastian Kehl, die auf ihren Sebastian wartete, um ihn zu überraschen. Nach etwa einer Stunde meinte sie, er würde wohl nicht mehr kommen und ein Ornder sagte uns die Mannschaft wäre schon auf dem Weg zurück. Da bot ich ihr an, sie durch den mittlerweile dunklen Prater zu einer Haltestelle am anderen Ende, wo auch unser Hotel lag, zu begleiten. Gesagt, getan und so unterhielten wir uns noch einige Zeit bis wir wieder aus dem Prater kamen und sie von da aus weiter in ihr Hotel gehen konnte. Am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann – um einige Erfahrungen reicher – gemütlich wieder nach Hause. Alles in allem war es eine interessante Reise mit dem erwarteten Sieg unserer Mannschaft im Gepäck. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Vienna Calling!



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