Rolf's Erinnerungen. Heute: München 1994

Rolf Nielinger, von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in Essen, begleitet den BVB seit über 35 Jahren quer durch Europa - bis hin ins japanische Tokio. Bei uns erinnert er sich jetzt einmal im Monat an diverse Ereignisse und Erlebnisse auf seine Reisen mit dem BVB. Heute: 20. März 1994.

Weißt Du noch?
Der 26. Spieltag der Saison 1993/1994 im Münchener Olympia-Stadion...


Diesmal fuhr ich mit meinem Kumpel am Samstagmorgen – zu fast nachtschlafender Zeit – um 6:00 Uhr früh die Landkarte runter Richtung „Nordflorenz“. Der 26. Spieltag in der Fußballbundesliga zwischen dem Tabellenersten Bayern München und dem Tabellenelften aus Dortmund wartete im tristen Olympiastadion, dessen Zeltdachkonstruktion der Chemnitzer Architekten  Frei Paul Otto ja optisch schon sehr beeindruckend gestaltet hatte mit Blick auf die Olympiade 1972.

Sie verbindet das Stadion auf dem Oberwiesenfeld mit den Zugangswegen und dem Olympiapark (siehe Luftbild). Dieses Plexiglaszelt wirkt seltsam zeitlos, es schimmert in der Sonne und den optimistischen Blick in die Zukunft, für das es einst stehen sollte, kann man auch heute immer noch darin erkennen. Als erstem Stadion in Deutschland überhaupt, wurde hier übrigens eine Rasenheizung eingebaut.

Noch am frühen Vormittag in München angekommen, ging es wie gewohnt zunächst ins Hotel zum einchecken. Nachdem wir uns nach 6-stündiger Anreise frisch gemacht hatten, fuhren wir zu den BAVARIA-Filmstudios nach Grünwald in den Münchener Süden. Dort konnten wir durch das enge BOOT aus dem Film „Das Boot“ gehen. Das war natürlich sehr interessant für Außenstehende.

Nachdem wir die obligatorische Führung mitgemacht hatten, sollte anschließend eine Filmszene „nachgedreht“ werden und ausgerechnet ich wurde ausgewählt, dabei mitzumachen. Ich musste einen Bankräuber aus einem fahrenden Auto rausholen und K.o. schlagen (natürlich nur fiktiv). Das war eine ziemlich lustig Erfahrung, kann ich Euch sagen.


Dann konnten wir uns alle diese Szene im Filmstudio auf einer Leinwand ansehen. Absolut toll, kann ich Euch sagen. Leider habe ich damals keine Fotos davon gemacht, um Euch jetzt daran teilhaben zu lassen. Am Abend wollten wir dann natürlich noch in die Promidiscothek „P1“ rein. Leider wurde uns jedoch wegen mangelndem Stargeruch der Eintritt verwehrt, denn an diesem Abend war dort eine geschlossene Gesellschaft gebucht.

Also suchten wir uns eine etwas unbedeutendere Location mitten in Schwabing und ließen eben dort den Abend gemütlich ausklingen. Also, viel ist in München nachts ehrlich nicht los, dafür gehen sie ja schon am frühen morgen ins Hofbräuhaus und trinken dann „Bier“ aus Eimern.


Am ungewohnten Sonntagabend (Anstoß 18:00 Uhr!) ging‘s dann auf ins Olympiastadion, wo wir ein packendes und teilweise dramatisches Fußballspiel sahen, das letztlich 0:0 ausging. Sekunden vor dem Abpfiff hatte sogar die Sensation in der Luft gelegen, als Kalle „Air“ Riedle mit einem platzierten Kopfball nach Chapuisat-Flanke bereits die Arme zum Jubel hochriss, doch Raimond Aumann mit einem Riesenreflex doch noch abwehren konnte. Sicherlich wäre dies am Ende auch des Guten zu viel gewesen, doch gefreut hätten wir uns schon. Denn der BVB hatte sich bravourös geschlagen und sich wegen seiner leidenschaftlich aufopferungsvollen Arbeit viele Komplimente verdient.

Der Spielverlauf zuvor nahm aus Dortmunder Sicht einen eher gewohnten Verlauf. Der FCB, angeführt von Lothar Matthäus und Mehmet Scholl drängte die Schwarzgelben vom Anpfiff an in ihre Hälfte. Dazu kam, dass Stefan Reuter und Knut Reinhardt einen rabenschwarzen Tag erwischten und ein ums andere Mal der Innenverteidigung um Uwe Grauer und einem hervorragenden Libero Matthias Sammer zusätzliche Arbeit durch unnötige Leichtsinnigkeiten zumuteten. Und so geriet „Zerberus“ Stefan Klos zunehmend in den Blickpunkt und machte ein bärenstarkes Spiel mit unglaublichen Rettungstaten. 42.000 Zuschauer rieben sich die Augen und hatten auf dem Heimweg genug Diskussionsstoff.




Um kurz nach Mitternacht waren wir dann wieder zu Hause und wussten nicht, ob wir uns nun über einen gewonnen Punkt mehr freuen würden, als wir uns vor der brutal langen Rückfahrt durch die Nacht ins Ruhrgebiet grämten. Doch Borussia hatte uns – alles in allem – ja durchaus einen schönen Abend beschert gegen den von Vizepräsident Franz Beckenbauer trainierten Tabellenführer und kommenden Meister. Und niemand konnte an diesem Tag bereits ahnen, dass der BVB am letzten Spieltag nicht nur mit einem 4:1 den 1. FC Nürnberg in die Niederungen der Zweitklassigkeit schicken und sich die UEFA-Cup-Teilnahme sichern würde, sondern dass am Ende der kommenden Spielzeit vor eben diesen Bayern eine Deutsche Meisterschaft rund um den Borsigplatz gefeiert werden konnte.
 
                                     
                                                                                                      


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