[NEU] Rolf's Erinnerungen. Heute: Barcelona 1998

Mit Beginn diesen Jahres starten wir eine neue Kolumne. Rolf Nielinger, von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in Essen, begleitet den BVB seit über 35 Jahren quer durch Europa - bis hin ins japanische Tokio. Bei uns erinnert er sich jetzt einmal im Monat an diverse Ereignisse und seine Reisen mit dem BVB. Auftakt heute: 8. Januar 1998.

Weißt Du noch?
Europäischer Supercup im Camp Nou in Barcelona...


Borussia Dortmund war wieder wer in Europa. Nachdem sich der Traditionsclub am 5. Mai in München die Krone der Landesmeister aufgesetzt hatte, stand nun der sogenannte „Supercup“ gegen den katalanischen Uefa-Cup Gewinner auf der Tagesordnung...

Also machte ich mich am 6. Januar des Jahres 1998 mit dem Auto auf den Weg nach Stuttgart (genauer gesagt rund 40 Kilometer dahinter) nach Kirchheim/Teck, um meinen alten BVB-Kumpel Ralf abzuholen. Und während wir so überlegten, meinte er, der Sprit in Frankreich sei zu teuer und man müsse deshalb voll improvisieren. Er habe noch einen 20-Liter-Kanister im Keller, dieser sei aber leider ohne Verschlußdeckel... Und dann hat er den offenen Kanister einfach während der Fahrt zwischen den Beinen gehabt, damit er nicht umfällt. Innovative Lösung halt – trotz Geruch.

Ja, so waren wir damals, immer die Kosten im Blick beim Versuch, das nächste Abenteuer mit unserm BVB zu erleben. Ich hatte auch schon mehrere 5-Liter-Kanister mitgenommen und war entsprechend präpariert. Gesagt getan, wir zur nächsten Tankstelle und den Kanister voll gemacht bis oben hin. Dann sind wir los. Kurz vor der Grenze haben wir nochmal vollgetankt und hofften so ohne zu tanken mit den 20 zusätzlichen Litern durch Frankreich zu kommen. Hat auch grade so geklappt, wir konnten noch die erste Tankstelle in Spanien erreichen, dort war der Sprit dann um einiges günstiger. Leider waren auch unterwegs einige Kurven, sodass manchmal etwas Sprit aus dem Kanister schwappte...



Gegen Abend kamen wir dann in Ampuriabrava einem Urlaubsort an der Costa Brava an. Wir haben es uns dann in dem Ferienhaus von Ralf’s Eltern "gemütlich" gemacht - das heißt es war ja im Januar recht kalt und er wollte die Heizung nicht extra andrehen. Dann sind wir noch in den Ort gegangen und haben uns eine Flasche Rotwein direkt abgezapft aus einem 700-Liter-Fass mitgebracht die dann am selben Abend noch ausgetrunken wurde, damit es es auch nicht mehr ganz so kalt war.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder in den Ort um Frühstück einzukaufen. Als wir aus dem Laden kamen, stand plötzlich mein Kumpel Ralf Heynen mit seinem Auto neben meinem Auto. Wir hatten vorher drüber gesprochen, dass ich erst nch Apuriabrava fahre.



Das er uns hier überhaupt gefunden hat, grenzt an ein Wunder, denn die Adresse vom Ferienhaus hatte er ja nicht. Wir sind dann mit ihm zum Ferienhaus gefahren und haben schön gefrühstückt und auf das Kommende mental eingestellt. Hinter dem Haus war ein Kanal wo man mit dem Boot am Haus anlegen konnte und Ralf Heynen zieht sich doch glatt bis auf die Hose aus und sprang in das eiskalte Wasser.

Etwa gegen frühen Nachmittag machten wir uns dann auf den ca. 120 km langen Weg nach Barcelona, wo wir auch nachmittags ankamen und viele Borussen antrafen. Wir haben sofort ein tolles, günstiges Hotel direkt „gegenüber“ vom Stadion bekommen mit Marmorbad und allem Schnick und Schnack. Eingecheckt und dann die Rambla runter zum Hafen – also quasi Mini-Sightseeing - und später noch ins Hard-Rock-Cafe zum Vorglühen.


Die Fassade des Estadio Camp Nou von außen


Das Spiel selbst stand unter keinem günstigen Stern, denn tags zuvor verkündete der zum Frühstücksdirektor hochgehypte Ottmar Hitzfeld zum Saisonende die endgültige Trennung vom BVB als Folge eines lange schwelenden Führungsstreits mit Präsident Gerd Niebaum. Dazu kam, dass Coach Nevio Scala wegen der Gefahr von (damals noch wettbewerbsübergreifenden) Sperren im Hinblick auf das Champions League-Viertelfinalduell mit dem FC Bayern Stammspieler wie Feiersinger und Chapuisat schonte und kurzerhand überraschend Kohler, Cesar, Möller, Sousa und Herrlich eine Pause durch Nichtberücksichtigung verordnete. Somit wurde Martin Kree bedauernswerter Mannschaftskapitän und führte Leute wie Dauer-Rekonvaleszent René Schneider, US-Boy Jovan Kirowski sowie die holländische "Knips-Rakete" Harry Decheiver auf's Feld.

Das sportliche Kräftemessen gegen das Luis van Gaal-Team ging unter diesen Vorzeichen leider glatt mit 0:2 verloren (Luis Enrique, Rivaldo), wobei "Stoffel" Klos eine Weltklasseleistung bescheinigt werden musste. Die nur ca. 35.000 Zuschauer verloren sich geradezu in dem riesigen Stadion. Die BVB-Fans hatten leider Plätze ganz oben - und nicht überdacht - sodass man uns, trotz bester Sangesleistung, auch nicht bis unten hören konnte, glaube ich.

Nach dem Spiel gings ernüchtert zurück ins Hotel und am nächsten Morgen nach dem Frühstück zurück ins Ferienhaus nach Ampuriabrava. Der Wein aus dem 700-Liter-Holzfass war so lecker, das ich mir sage und schreibe 80 Liter abfüllen ließ für ca. 1 DM pro Liter im Plastikkanister (keine Sorge, es war keiner der zuvor benutzten Benzinkanister). Aber da das Benzin ja in Spanien damals unglaublich günstig war, habe ich mir noch 3 x 10-Liter-Kanister gekauft und vollgemacht, sodass bei uns im Kofferraum 100 Liter Benzin und 80 Liter Wein mitfuhren. Boah, wenn die uns mal angehalten hätten. Alles in allem war es eine interessante und abwechslungsreiche Reise nach Spanien, wenngleich der sportliche Wert im Gegensatz zu dem PR-Wert nicht sonderlich hoch war.



Statistik:

                                                                                                                             


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