Rote Erde statt Roter Brause

Spätestens mit der Veröffentlichung des Spielplanes für die Bundesligasaison 2016/17 war für den BVB-Fan das Szenario klar, das bereits seit Jahren drohte: Das Duell gegen den künstlichen Brauseclub "Rasenballsport" Leipzig. Das Damoklesschwert drohte eigentlich schon mit dem Start des Marketingproduktes in der Oberliga, aber dass man als BVB nach dem Bundesligaaufstieg gleich am zweiten Spieltag und somit als erster Bundesligist in Leipzig auftritt, war dann doch der harte Boden der Realität.

In der vergangenen Saison haben viele Fanszenen der Zweitligisten die Spiele in Leipzig boykottiert - nun lag es an der des BVB als erste Szene diese Entscheidung zu treffen. Während die Zweitligafans Leipzig nur als Durchgangsstation betrachten mussten, wird es für die Erstligisten wohl auf viele Jahre so sein, dass Leipzig fester Teil des Spielplanes wird. Entsprechend kontrovers wurde innerhalb des Bündnisses "Südtribüne Dortmund" und mit zahlreichen weiteren Fans und Fanclubs die Diskussion über den Umgang mit dem Produkt Leipzig geführt. Am Ende fiel mit großer Mehrheit die Entscheidung für einen Boykott. Die entsprechende Begründung des Bündnisses Südtribüne Dortmund möchten wir ungefiltert wiedergeben:

"Für uns ist Fußball alles! Fußball im Allgemeinen und Borussia Dortmund im Speziellen ist der Mittelpunkt unseres Lebens, das Herz der Welt. Mehr als nur Sieg oder Niederlage, viel mehr als nur ein Spiel. Fußball ist für uns Emotion und Leidenschaft, Freundschaft und Zusammenhalt. Fußball ist der identitätsstiftende Anker der Region, der die Leute im Ruhrpott und darüber hinaus verbindet. Und diesen Fußball lassen wir uns auch nicht wegnehmen!

Die Entwicklung der letzten Jahre erscheint in den Augen vieler Fans bedenklich. Fußball ist Big Business und verdrängt so die traditionellen Werte unseres Sports und den Raum für die Emotionen der Fans. Das Produkt Fußball soll möglichst ohne Ecken und Kanten am besten 24 Stunden pro Tag medial aufbereitet werden und den Sponsoren die maximale Aufmerksamkeit garantieren. Immer mehr große Firmen drängen in den Fußball, übernehmen Vereine und damit Startplätze und sorgen dafür, dass der traditionelle Fußball bedroht ist. Schlussendlich sind wir Fans oftmals höchstens noch das schmückende Beiwerk, ein Teil der Show, die Folklore.

Das Konstrukt des Aufsteigers aus Leipzig steht gegen alles, was wir mit Fußball verbinden. Es ist ein Skandal, dass eine rein kommerzielle Marketingaußenstelle eines österreichischen Getränkeherstellers tatsächlich in Deutschlands höchster Spielklasse antreten darf. Dies widerspricht allen sportlichen und emotionalen Werten. Für uns ist die Konsequenz klar:

Wir kaufen keine Eintrittskarten und besuchen nicht das Auswärtsspiel unseres BVB am zweiten Spieltag in Leipzig."



Die Entscheidung fiel sicherlich jedem Fan schwer - nichts ist betrübender als seinen Verein nicht aktiv unterstützen zu können. Dennoch ist es ein wichtiges Zeichen - dass nur durch das Dasein Leipzigs in der Bundesliga aus der seit Jahren existierenden Abneigung plötzlich oder jemals Akzeptanz entstehen könnte.

Das Verständnis Aki Watzkes für den Protest schränkte er lediglich durch seine Sympathie dafür ein, dass in Ostdeutschland wieder guter Fußball für die Menschen dort geboten würde. Leipzig-Lakai Ralf Rangnick stört der Protest dagegen nicht, er vertritt die Meinung die BVB-Fans würden damit nur dem eigenen Verein schaden.

Einen Erfolg hatte der angekündigte Boykott bereits - er wurde von nationalen Medien wie auch dem Kicker aufgenommen und fand daher breite Beachtung.



Dass am heutigen Tage trotzdem die Karten für den Gästeblock in Leipzig in Windeseile beim BVB verkauft wurden, war zu erwarten. Zu lange hatten gerade Umlandfans aus dem Osten Deutschlands nicht die Möglichkeit, den Verein in einem Ligaspiel in der Nähe zu unterstützen. Dennoch wird das von der Südtribüne vorgeschlagene Alternativprogramm den Protest ebenso stark erneut in die Medien bringen: Besucht wird das ebenso am 10.09. stattfindende Spiel des BVB II in der Regionalliga West gegen den Wuppertaler SV. In der Roten Erde sollen sich alle Fans einfinden, die den Protest mittragen wollen und die eigene U23 anfeuern. Anschließend soll bei einer Fanfeier auch das Spiel in Leipzig zusammen verfolgt werden - ganz klassisch am Radio.

Am Ende verbleibt nur die Frage, ob dieser Protest von Dauer sein wird, auch wenn Leipzig über viele Jahre Teil der Bundesliga sein wird. Auch bei Spielen in und gegen Hoffenheim ist deutlich zu bemerken, dass der Protest deutlich leiser geworden ist, bei vielen Vereinen auch ganz verstummt. Sie sind nach Jahren der Bundesligazugehörigkeit wohl zum festen Inventar geworden, man wird sehen, wie der Umgang mit Rasenballsport Leipzig sich über die kommenden Jahre entwickeln wird.

Opens window for sending emailJulian Bräker, Bilder: Archiv - 09.08. 2016




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