Fußball lebt durch seine Fans - bald aber ohne diese im Stadion?

Ein Sturm der Entrüstung zog in den vergangenen Wochen durch die Bundesligawelt und die DFL zeigt sich völlig erstaunt und überrascht von diesem Unmut. Ab 2017 sollen entsprechend der Ausschreibung der Fernsehrechte Spiele vom Samstag 15:30 Uhr-Termin auf Sonntag 13:30 Uhr und Montag 20:15 Uhr gelegt werden. Jeweils fünf Spiele sollen pro Termin verlegt werden. Gleichzeitig soll die Sportschau in der ARD ein kleineres Zeitfenster bekommen, um die Bundesliga zu übertragen.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert führte zuerst die Möglichkeit für Europa League-Teilnehmer, mit den neuen Spielen mehr Regeneration zu erhalten, als großen Vorteil an. Die Spiele am Sonntag um 13:30 Uhr kann er damit kaum gemeint haben, schließlich finden sie sogar vor den bisherigen Sonntagsspielen statt. Es ist offensichtlich, dass es bei dieser Anstoßzeit einzig und allein um die Auslandsvermarktung in Asien geht, nur sagt dies keiner.

Mit sechs bis acht Stunden Zeitverschiebung nach vorne finden diese Spiele in Asien dann zur besten Sendezeit statt. Die spanischen Clubs können ein Lied davon singen, findet dort doch seit einigen Jahren stets ein Spiel am Sonntag um 12 Uhr statt, bei dem oft auch die Spitzenclubs antreten müssen. Für den deutschen Fan, gerade der Auswärtsmannschaft, bedeutet dies eine oftmals eine nächtliche Abreise und auch Heimfans, die nicht aus dem nahen Umfeld kommen, werden dadurch gebeutelt werden.


Das Montagsspiel dagegen dürfte eher eine Reminiszenz an die deutschen Bieter sein, denn Exklusivität ist im Fernsehen viel wert. Schon das 18:30-Spiel am Samstag hat sich zum Quotenhit entwickelt, warum also nicht am Montagabend das Topspiel der zweiten Liga durch erstklassigen Fußball ersetzen? Dass dabei Auswärtsfans (wie bereits jetzt schon häufiger bei Freitagsspielen) zumeist um einen unnötigen Urlaubstag kaum herumkommen und gerade bei nicht sehr publikumswirksamen Spielen ein halbleeres Stadion die Konsequenz sein könnte, scheint die DFL nicht zu scheren.

Fraglich ist, ob die Seifert vorschwebende Summe von 1 Mrd. Euro und mehr für die Kombination aus Inlands- und Auslandsvermarktung wirklich realistisch ist. Sein Plan, die finanzielle Lücke zur Premier League zu schließen in allen Ehren, aber muss das wirklich sein? Die englische Liga fällt vor allem dadurch auf, dass für ligainterne Transfers selbst durchschnittlicher Spieler oft Mondpreise gezahlt werden, weil eben so viel Geld da ist.  Geld bedeutet also nicht zwingend Qualität. Der Beweis, dass das mehreingenommene Geld zu sportlicher Dominanz führt, ist die englische Liga zumindest in den letzten Jahren auf internationalem Parkett mehr als schuldig geblieben.  Obwohl erst einmal nur jeweils fünf Spiele für den neuen Termin am Sonntag und den am Montag vorgesehen sein sollen, braucht man kein Prophet sein, um zu wissen, dass diese Spiele für den übernächsten TV-Vertrag zur dauerhaften Instanz werden, weil sie sich ja bewährt haben (vermutlich liegt diese Formulierung schon jetzt in der Schublade der DFL).

Und dann war da noch…die Regionalliga West. Durch den Abstieg der U23 des BVB aus der 3. Liga ist die Regionalliga auch wieder in den Fokus der Fans geraten. Auf den ersten Blick wirkt die Liga teils sogar interessanter als die 3. Liga, gibt es doch viele Spiele in NRW und dabei auch attraktive Gegner wie Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen und nicht zuletzt das U23-Derby gegen die Zweitvertretung aus Gelsenkirchen.  Genau dieses Derby ist aber einer von zwei Gründen, warum Fans und Verantwortliche des BVB II bereits vor dem Saisonbeginn die Vorfreude genommen wird. So wird das Derby am Freitag, 04.09.2015 bereits um 14:00 Uhr angepfiffen, der Saisonauftakt bei Fortuna Düsseldorf II findet sogar an einem Montag (03.08.) ebenfalls um 14 Uhr statt.

Bei beiden Spielen stehen ganz gewiss nicht die Asienvermarktung oder irgendwelche Ideen von TV-Anstalten hinter der Entscheidung. Vielmehr dürfte es einzig um allein um bestehende Sicherheitsbedenken gehen. Beim Derby war es in der Vergangenheit schon meistens so, dass die Partien so gelegt wurden, dass der Gastverein aufgrund von Parallelansetzungen mit den Profis keine nennenswerten Fans mitbringen kann. Nun setzt man wohl auf eine komplette Geisterkulisse, auch beim Spiel in Düsseldorf erwartet man wohl Gefahr durch den BVB begleitende Fans des 1. FC Köln, die mit Teilen der Dortmunder Ultraszene eng verbandelt sind.

Fest steht, dass es den meisten BVB-Fans unmöglich gemacht wird, diese Spiele im Stadion zu verfolgen. Ziel erreicht WVFL? Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband ist federführend verantwortlich für die Ansetzungen und hat sicherlich auch vom Innenministerium in NRW und der Polizei einen Wink mit dem Zaunpfahl bekommen, die Spiele so anzusetzen. Ingo Preuß, Team-Manager der BVB U23 sieht seine Mannschaft auch um einen Vorteil gebracht, wenn plötzlich nicht mehrere hundert sondern nur eine handvoll Fans die Spiele besuchen können. Spiele ohne Zuschauer sind aus seiner Sicht vom Verband gewünscht.

Was nun fragt sich der Fan sowohl für die Zukunft der Bundesliga als auch der der BVB U23. Bei den bevorstehenden Salamispieltagen in der Bundesliga ist die Sache klar gediegen: Wie bei der erfolgreichen 12:12-Kampagne sind die Fans gefordert, dem Verband Druck zu machen und abermals zu zeigen, dass der Fußball ohne seine Fans nicht das bleiben wird, was er derzeit ist. Insbesondere wir BVB-Fans sind hier in der Pflicht, auch den Kontakt zu BVB- und DFL-Präsident Reinhard Rauball zu suchen. Insbesondere gegen ein mögliches Montagsspiel gilt es Farbe zu bekennen.

Was die Spiele der U23 des BVB angeht, so wird der deutschlandweite Aufschrei ausbleiben. Auch medial sind die unmöglichen Anstoßzeiten eher ein Randthema. Von daher lässt sich auf dieser Schiene nur schwer ein Erfolg erringen. Der Verein ist in der Pflicht, seinen Einfluss auszuüben, dies nicht nur durch Ingo Preuß sondern auch von Hans-Joachim Watzke. Der BVB stellt die vermutlich größte Fangruppe von U23-Mannschaften und hat bei vielen Spielen mehr Fans ins Stadion geholt, als "Profiteams" in der 3. Liga.

Dass es beim Spiel gegen Hansa Rostock mit einem versuchten Fahnendiebstahl einen unschönen und indiskutablen Moment gab, soll und darf hier gar nicht wegdiskutiert werden. Fest steht aber auch, dass die Freunde der BVB U23 und die „Ultras von die Amateure“ ansonsten nur mit großartiger Stimmung und liebevollen Choreografien von sich reden machen - die auch Werbung für die jeweilige Liga sind. Wenn der Verband davon profitieren soll, dann muss er den Fans auch entsprechende Anstoßzeiten ohne lieblose Parallelansetzungen zu den Profis bieten. In sogenannten „Risikospielen“ stehen die Fans dann sicherlich unter Bewährung, aber die Chance auf solche Spiele von vornherein zu verbauen, das ist kein fairer Sportsgeist, lieber WVFL!

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJulian Bräker, 24.07.2015



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