Fußball ist für alle da

'Fan.tastic Females – Football Herstory' -
Wanderausstellung im BVB- Museum Borusseum

Aus dem Borusseum berichtet
Oliver Römer

Die Kirsche besuchte im Rahmen der Ausstellungseröffnung das Borusseum und unterhielt sich mit einigen Beteiligten. Ein interessantes Thema, nicht nur für Frauen sondern auch für den Gegenpart, ein Versuch sich diesem, auch gesellschaftspolitischen Thema zu nähern.

“Seit September läuft schon die kostenlose Wanderausstellung und zog bis jetzt über Hannover, Bremen, Hamburg, Trier und Bochum und ist jetzt für knapp drei Wochen in Dortmund zu sehen, ehe sie nach Halle weiterzieht.”, erzählt uns Anna Horstmann, Mitinitiatorin der
Faninitiative “ballspiel.vereint! ( http://ballspielvereint.org )” und dem Borusseum. Insgesamt sind dort 90 Frauen aus 21 Ländern Europas und darüber hinaus porträtiert. So ist die gesamte Ausstellung aufgebaut und sie lebt von den rund 80 Videoportraits als multimediale Wanderausstellung. Jedes Portrait ist mit einem QR-Code versehen, über das man sich dann vor Ort die Videos anschauen kann. Es ist wichtig ein Smartphone und Kopfhörer mitzubringen, da man sich sonst vor Ort die Portraits nicht ansehen kann. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit gegen eine kleine Spende noch einen Code für zu Hause kaufen. Damit hat man zehnmal die Möglichkeit so viele von den Portraits anzuschauen, wie man möchte. Die begrenzte Anzahl an Zugriffen dient vor allem dem Schutz der Protagonistinnen, damit ihre Videoportraits nicht einfach in Umlauf kommen und nicht jeder damit machen kann was er möchte, sind sie nicht downloadbar.



Mitglieder von “FSE Football Supporters Europe ( https://www.fanseurope.org )” unterstützt von “F_in Netzwerk Frauen im Fußball ( https://www.f-in.org)” hatten in größtenteils ehrenamtlicher Arbeit die Ausstellung innerhalb von drei Jahren aufgebaut, von Fans für Fans, weil Frauen zwar im Fussball immer präsenter werden und immer schon Fans waren, es aber immer schon Ausschlussmechanismen gab, die Frauen vom Fussball fernhielten. Sie haben sich aber nicht abschrecken lassen und haben ihren Platz auf der Tribüne erkämpft und verteidigt, trotzdem sind sie aber medial unterrepräsentiert.
Wenn man an Fussballfans denkt, dann denkt man nun mal meistens an Männer - in den Medien, in den Geschichten, die dort erzählt werden, geht es meistens um Männer und nicht um Frauen. Darum wurde hier Frauen der Raum gegeben, der ihnen zusteht und den sie sich lange erkämpft haben. Um die Geschichten zu erzählen, die lange nicht erzählt wurden. Es ist wichtig einmal nur den Blick auf die Frauen zu richten, weil sie normalerweise eher unter den Tisch fallen (oder besser: fallengelassen werden).

Kirsche: Seid Ihr weit genug gegangen um die weibliche Rolle zu beleuchten?

Horstmann: Es ist schwierig in so einer kleinen Ausstellung. Die lebt ja von diesen Videoportraits, sie ist als Rollup Ausstellung konzipiert damit sie wandern kann. Das heißt man hat natürlich auch nur eine bestimmte Fläche zur Verfügung um Themen zu transportieren. Darum sind ja so Themen wie mediale Repräsentation und Ausschluss von Frauen als kurze Einstiegspanels dabei, aber der Schwerpunkt liegt wirklich auf den Portraits um zu zeigen wie vielfältig weibliche Fans überhaupt sind. Es sind weibliche Ultras dabei, Allesfahrerinnen, die 95jährige Dauerkarteninhaberin und genauso eben Frauen die in der Fanszene eine Führungsrolle spielen oder die in den Vereinen wichtige Funktionen einnehmen. Alles um zu zeigen wie breit eigentlich weibliche Fans gefächert sind und welche Rollen sie einnehmen. Das soll hier im Vordergrund stehen.



Kirsche: Alles um einen gewissen Ausgleich zu den Männern herzustellen, aber sollte nicht auch das Besondere an weiblichen Fans dargestellt werden?

Horstmann: Das Besondere würde ich gar nicht mal so sagen, eigentlich macht das ja gar keinen Unterschied fürs Fansein ob man jetzt weiblich oder männlich ist. Es wird einem nur anderes zugeschrieben, das ist relevant. Man hat auf jeden Fall andere Erfahrungen dadurch, ob man jetzt weiblich oder männlich ist, wenn man ein Stadion besucht. Das ist gar nicht abzusprechen, aber trotzdem ist das Fansein an sich, überhaupt nicht geschlechterabhängig.



Kirsche: Hinsichtlich der Hooliganszene und der Gewaltbereitschaft, was kann eine Frau positiv anders als ein Mann einbringen?

Horstmann: Das ist natürlich schwierig. In Russland gibt es zum Beispiel weibliche Hooligangruppen, dort hat Gewalt einen anderen Stellenwert als hier bei uns in Deutschland. Hier wird Frauen ja eher abgesprochen gewalttätig sein zu können. Hier werden sie auch ganz explizit ausgeschlossen aus gewaltvollen Zusammenhängen, deswegen ist das letztendlich gar nicht so das Thema, weil es eher heißt, wenn es zu gewaltvollen Konflikten kommt, geht nach hinten, kommt nicht in die erste Reihe, wir wollen euch nicht auch noch beschützen müssen. In Deutschland gibt es da eine Exklusion von Frauen. Sie haben keinen direkten Einfluss auf Konflikte und Konfrontationen.


Kirsche: Ramona Steding und Beatrix Schleiken, ihr seid die Dortmunder Vertreterinnen bei den Videoportraits. Was war eure Rolle bisher, wie seit ihr integriert worden?

Steding: Wir wurden über den Verein angesprochen ob wir diejenigen sein könnten, die von den Dortmundern bei der Ausstellung mitmachen können, die portraitiert werden. Mir war wichtig zu zeigen, was machen Frauen im Fußball um gerade jungen Frauen ein Vorbild sein zu können. Zu zeigen, es ist gar nicht so schlimm sich zu engagieren, macht mal. Wir erleben dass immer mehr Frauen ins Stadion gehen und auf die Tribüne kommen und ich würd mir wünschen dass immer mehr Frauen mitarbeiten. Es kommen immer mehr Frauen dazu und trauen sich. Ich finde das die Ausstellung ganz gut unterstützend wirken kann.

Schleiken: Ich habe es ähnlich erlebt, ich bin auch angesprochen worden ob ich mal ein Interview geben könnte zum Thema weibliche Fans. Ich hatte aber keine Ahnung wie “groß”, auch geografisch das werden würde. Ich wußte in dem Moment gar nicht was dahinter steht. Ich bin wirklich überrascht, mein lieber Scholli, find ich schon richtig klasse.



Kirsche: Wie lange seid ihr dabei, wie lange hat es gedauert um die Ausstellung in die Tat umzusetzen bis zum heutigen Zeitpunkt?

Steding: Die Ausstellungskoordinatoren haben drei Jahre an dem Projekt gearbeitet. Die Idee besteht aber schon länger. Sie sind in den letzten 3 Jahren durch Deutschland und Europa gereist um die Frauen zu portraitieren zu können. Wir sind in diesem Jahr erst dazugestoßen. Anfang des Jahres, Ende letzten Jahres sind die Koordinatoren nach Dortmund gekommen und haben sich mit uns ein Spiel im Stadion angeschaut und haben dann an einem anderen Spieltag das Interview geführt.

Kirsche: Seht ihr einen Unterschied zwischen der Rolle der Frau in Deutschland zu der in anderen Ländern?

Schleiken: Wir haben es ja mittlerweile recht einfach ins Stadion zu gehen, es wird auch keiner mehr irgendwie angeguckt oder blöd angemacht. Gerade in letzter Zeit war ja gerade in der Presse, das jetzt im Iran zum Beispiel gerade das erste Mal Frauen überhaupt ins Stadion durften, und dann nur in einen Familienblock ohne Männer und dann nur zu ausgesuchten Spielen, nicht zu allen. Sich einmal bewusst zu machen, welche Unterschiede es da zum Teil noch gibt.

Steding: Alleine schon in Europa gibt es große Unterschiede. In der Ausstellung werden schwedische Ultrafrauen portraitiert, die Allesfahrer sind, die aber keine Auswärtsdauerkarte bekommen, weil es die Ultrafrauen ja offiziell gar nicht gibt. Es gibt nur männliche Ultras in Schweden. Wenn die davon berichten, was sie für Schwierigkeiten haben, dann denk ich mir immer, ja wir habens gut hier. Aber trotzdem gibt es immer wieder Grenzen, an die man stößt oder immer wieder Dinge, wo man merkt, dass wir anders behandelt werden als Männer oder dass Frauen einfach weniger sichtbar sind, obwohl sie da sind. Anders sichtbar sind und mit Klischees bedacht sind und genau das soll die Ausstellung ja zeigen, dass es nicht so sein muss. Das Fansein eigentlich unabhängig vom Geschlecht ist.



Kirsche: Was würdet ihr euch wünschen für die Zukunft?

Schleiken: Ich fänd es einfach schön, wenn sich mehr junge Frauen engagieren würden, wo auch immer. Im Verein, in den Fanclubs. Wünsche mir für die internationalen Frauen, dass es für sie einfacher wird zum Fußball zu gehen. Fußball ist für alle da.

Steding: Auch dass die Besucher, die die Stadien besuchen, die Mitfans in Gruppen, die in Fanclubs sind offener für das Thema sind oder werden. Einfach schauen: “Wie ist denn mein Verhalten auf der Tribüne? Unterstützt mein Verhalten eher, dass Frauen zum Fußball gehen oder macht es das eher noch schwieriger?”

Kirsche: Jetzt reden wir über Gleichberechtigung. Gibt es denn irgendetwas Besonderes dass Frauen einbringen können als Fan in die Fanszene?

Schleiken: Nicht als Fan, eher das Dahinter, das weibliche einzubringen. In den Fanclubs zu organisieren, z.B. zu Weihnachten Plätzchen zu backen, was ja dann auch wieder klischeehaft wäre. (Lacht)

Steding: Aber es ist tatsächlich eine andere Art des Umgangs wenn eine Parität herrscht, wenn man ungefähr gleich viele Frauen wie Männer hat, ist der Umgang miteinander anders, als wenn du eine Männergruppe hast mit relativ wenig Frauen, oder eine Gruppe mit relativ wenig Männern. Das weiß man ja selber, was für einen Sonderstatus man hat wenn man alleine in einer Masse ist. Das es ein bisschen aufgeweicht wird, wäre schon schön. Es ist halt nicht immer schön einen Sonderstatus zu haben, man möchte eigentlich normal sein. Es soll eher Normalität sein.


Wer Lust bekommen hat sich mal mit diesem Thema zu befassen, die Frauen im Portrait kennenzulernen hier nochmal der Link zur Ausstellung: ( https://www.fan-tastic-females.org/index.php/de/ ) Zusätzlich sei auf den Workshop am 17. Nov 2018 hingewiesen, 11:00Uhr – 17:00Uhr
Workshop “Frauen in die Kurve, damit die Kurve lebt” – Mehr Infos und Anmeldung per e-mail an: info@ballspielvereint.de

und am 22.11.18 ab 18 Uhr besteht erneut, im Rahmen des Stammtisches von ballspiel.vereint! im Borusseum sich mit den Initiatoren auszutauschen.

16.11.2018 Oliver Römer



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