Peter Bosz - zwischen Vanilleeis und Curaçao

In zwei Tagen geht die Bundesliga los und beim BVB steht ein neuer Coach an der Seitenlinie. KIRSCHE-Redakteur Oliver Römer hat einen Blick auf Dortmunds neuen Hoffnungsträger geworfen, der es gleich zu Beginn seiner Tätigkeit mit altbekannten Problemen, wie Verletzungen zu tun hat.


Als ältester von vier Geschwistern ist Peter Sylvester Bosz 1963 in Apeldoorn (NL) geboren und damit schon als Kind quasi als "Mannschaftskapitän" groß geworden. Als Vater von drei Kindern und Großvater von einem Enkelkind sieht sich Bosz selbst als Familienmensch.

Auch am Spielfeldrand ist er eher der Vatertyp der mit Ruhe und Bedacht seinen Spielern seine Philosophie vom Fußball näherbringt. Dies spricht natürlich gerade die jüngeren im Team an und bei seinen vorigen Vereinen, gerade seinem letzten Engagement Ajax Amsterdam, hat er unter Beweis gestellt, viele junge Spieler zu einem Team zu formen und sie jeweils individuell zu fördern bzw. sogar noch mal umzuschulen.

Dies passt natürlich perfekt zum Konzept von Borussia Dortmund auch wenn Bosz scheinbar nur die Nummer zwei hinter Lucien Favre als Wunschkandidaten gewesen ist. Auch hier ist man schon seit Jahren auf dem Weg die eigene Jugend im Verein zu fördern, mit jungen Talenten aus dem Ausland zu ergänzen und diese soweit möglich an den Profikader heranzuführen. Auch dies bietet natürlich einen besonderen Reiz für die aufstrebenden Kräfte und ist nicht zuletzt auch international ein Aushängeschild unseres Ballspielvereins.

Da ist es fast logisch, das sich in Bosz, als Nachfolger von Klopp und Tuchel, hier mit seinem langjährigen Co. Hendrie Krüzen, zwei Visionen von Fußball gefunden haben, die diesem Verein weiterhin die Chance geben werden, einen erfolgreichen aber auch schön anzusehenden (wie Bosz selbst den Anspruch stellt) Fußball zu sehen. Die Fans sollen Freude am Spiel haben.


Nach der Ära Tuchel herrscht wieder bestes Einvernehmen in der sportlichen Führung von Borussia Dortmund

Erschrocken ist der achtfache Nationalspieler immer wenn er sich selbst als grimmig dreinschauend am Spielfeldrand sieht, was er aber auf seinen absoluten Fokus auf das Geschehen zurückführt. Zwar spürt man die lockere holländische Art die das Gespann mitbringt, aber wenn es um das Konzept von Bosz geht, bleibt er hart in der Sache und kann sich auch gegen größte Wiederstände durchsetzen, zur Not muss es dann, wie bei Ajax, ohne ihn weitergehn.

In Hendrie Krüzen hat er seit Jahren den Gegenpart gefunden der seine Stärken ergänzt. Als besonders hilfreich erweist sich auch das Sprachtalent des neuen BVB-Coachs wenn man sieht, das er niederländisch, englisch, französisch, deutsch und japanisch in seinem Repertoire hat, um die meisten seiner Spieler in ihrer jeweiligen Muttersprache seine Ideen weiterzugeben.

Als seine Traineridole bezeichnet er Pep Gardiola und Johan Cruijff, deren Spielphilosophien sich in seinen eigenen Ideen widerspiegeln. Hohes Gegenpressing, schnelles Spiel nach vorne und Ballbesitzspiel sind die Mittel die seine taktischen Variablen auszeichnen. Erst kürzlich hat er die Mannschaft befragt und Pausen mit Ballhalten als Erholung vom hohen Gegenpressing eingebaut. Denn das Quälen gehört nicht zu seiner Art des Trainings, er liebt es eher, behutsam Kondition aufzubauen um Verletzungen vorzubeugen. "Ich möchte gut sein zu meinen Spielern", ist seine einfache aber klare Erläuterung. Als Spieler habe er sich selbst nie als gut betrachtet und daher die Laufbahn als Trainer eingeschlagen um es jetzt besser zu machen.

Dabei ist er ein eher ruhiger Zeitgenosse mit wenig lauten Tönen, fährt aber in seiner Ziel- und Umsetzung eine klare Linie, wie er es jetzt im Wechseltheater um Dembélé erst wieder unter Beweis stellen musste. Bei ihm scheint wohl auch Mario Götze in den richtigen Händen der ja laut Matthias Sammer immer vollste Unterstützung benötigt, um seine beste Leistung abzurufen.
Hier käme dann auch seine Vorliebe für eine feste erste Elf zum tragen, die einem Götze dann diese Sicherheit geben würde.

Privat, wie er zuletzt seiner Nichte in einem YouTube Interview erzählte, kann er es sich auch mal gut gehen lassen, Vanilleeis und Urlaub auf Curaçao den er zwei Mal im Jahr mit seiner Familie genießt, gehören zu seinen Leidenschaften.

Die Erwartungshaltung auf sofortige Erfolge sollten wir allerdings erst einmal hinten an stellen, da sich wie in allen vorigen Mannschaften die er trainiert hat, das System in die Köpfe der Spieler festsetzen muss. Der Druck wird ja sowieso eher auf Aki Watzke liegen der von vielen als Teil des Abgangs von Thomas Tuchel ausgemacht wurde.

Wenn es wie in Amsterdam läuft dann können wir uns auf eine unruhige Hinserie einstellen, ehe dann alle Rädchen ineinandergreifen. Doch die Spiele im Supercup und im Pokal geben Grund zur Vorfreude auf die Zeit wenn es dann soweit ist. Gerade da sich unser Kader erst wieder durch einige Langzeitverletzte (Reus, Guerreiro, Weigl)  hervortut, die wohl erst wieder zur Rückrunde zur vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten kommen werden.

Ich hoffe, dass Bosz und sein Trainerstab vom Umfeld auch die notwendige Geduld und Fairness entgegen gebracht wird, um bei unserem Ballspielverein in Ruhe etwas Neues aufzubauen.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Opens window for sending emailOliver Römer, Fotos: Getty Images - 17.08.2017





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