Der BVB ist stärker als in der letzten Saison

Viele gingen und es kamen noch mehr. Im Sommer 2016 erlebten die Fans von Borussia Dortmund wohl die größte Personalrochade ihres Vereins in den vergangenen 10 Jahren. Leistungsträger wie Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan verließen für viel Geld den Club, doch trotzdem scheint der BVB mehr als gewappnet für die neue Saison. Aller Widrigkeiten zum Trotz hat die Borussia wohl eine noch bessere Mannschaft als in der vergangenen Saison beisammen.

Der letzte Erfolg des BVB ist nun mittlerweile schon vier Jahre her. Seitdem haben es die Schwarzgelben – trotz stellenweise starker Leistungen - nicht geschafft, der Übermacht des FC Bayern entscheidenden Widerstand entgegen zu stellen. In entscheidenden Momenten hatten die Münchner immer die Nase vorn. So war es 2013 in der Champions League Sekunden vor Schluss, so war es 2013, 2014 und 2016 in der Meisterschaft, so war es 2014 und 2016 im DFB-Pokal und so war es auch zuletzt am 14. August beim Aufeinandertreffen im Supercup. Der BVB musste sich mit Rang 2 hinter den „Großkopferten“ zufrieden geben. Doch nun greifen die Dortmunder erneut nach Titeln. Und das könnte in diesem Jahr sogar klappen, denn die Mannschaft ist ausgeglichener als in den vergangenen Jahren.



Die Top 11:
An die Namen und Rückennummern in der künftigen BVB-Startformation muss man sich erst einmal gewöhnen. Lukasz Piszczek ist vor der unumstrittenen Nummer 1 Roman Bürki seit Jahren eine Bank - wenn er gesund bleibt. Der Pole wird auch in dieser Saison die Nase auf der rechten Abwehrposition vorne haben. Ebenso klar dürfte die Rollenverteidigung in der Innenverteidigung sein. Sokratis ist der neue Abwehrchef. Neuzugang Marc Bartra wird wohl, auch aufgrund seines guten Aufbauspiels, sein Nebenmann werden.  

Hart umkämpft ist die Position links in der Viererkette. Sowohl Marcel Schmelzer, der seit 7 Jahren die Nummer 1 auf dieser Position ist, als auch Neuling Raphael Guerreiro melden Ansprüche für den Stammplatz an. Guerreiro überzeugte mit bärenstarken Leistungen bei der EM, gehörte zu den absoluten Shootingstars des Turniers. In der Offensive ist er stärker einzuschätzen als Schmelzer und er schlägt zudem gefährliche Ecken und Freistöße.


Auch auf der 6 im defensiven Mittelfeld wird sich ein Spieler durchsetzen, der dieser Mannschaft schon länger fehlt. Sebastian Rode könnte mit seiner unglaublich intensiven Art Fußball zu spielen, der heimliche „Königstransfer“ des BVB werden. Neben ihm wird wohl Julian Weigl langfristig viel zugetraut. Generell ist das Mittelfeld ohnehin das Prunkstück der Borussia – auch und vor allem, weil es so viele Optionen gibt. Wer denkt da schon noch an Gündogan und Mkhitaryan? Die Schwarzgelben sind jetzt hier mehr als hochkarätig besetzt.  

Gonzalo Castro Shinji Kagawa, Mario Götze, Ousmane Dembele, Marco Reus, Andre Schürrle, Emre Mor, – all diese Kicker wollen in die Stammelf. Außerdem scharren mit Mikel Merino, Felix Passlack und Christian Pulisic (so er denn bleibt) drei weitere hochtalentierte Jungs dahinter mit den Hufen und erhöhen den Konkurrenzdruck. Ohne Zweifel führt im Sturm kein Weg an Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang vorbei. Der 39-Tore-Mann der Vorsaison wird mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit auch in dieser Spielzeit zahlreiche Gegenspieler zur Verzweiflung bringen. Adrian Ramos ist zudem ein ordentlicher Backup (2015/16: 9 Tore), den man immer bringen kann.

Transfers: Noch nie hat ein deutscher Klub in einer Transferperiode so viel ausgegeben wie der BVB in diesem Sommer. € 109,75 Mio. investierte die Borussia in insgesamt acht neue Akteure. Klar, dass bei diesen Summen ein weiterer Rekord fällt. Andre Schürrle (für € 30 Mio. vom VfL Wolfsburg) löste Henrikh Mkhitaryan (2013/14 für € 27 Mio. von Schachtjor Donezk) als teuerster Neuzugang der Vereinsgeschichte ab. 

Apropos Mkhitaryan: Der bei Mourinho auf die Bank gesetzte Armenier brachte dem BVB trotz einer Restvertragslaufzeit von nur noch einem Jahr die Mega-Ablöse von € 42 Mio. ein – ebenfalls neuer Rekord in Dortmund! Mats Hummels (für € 35 Mio. zum FC Bayern), Ilkay Gündogan (für € 27 Mio. zu Manchester City), Jakub Blaszczykowski (für € 5 Mio. zum VfL Wolfsburg) und Moritz Leitner (für € 2 Mio. zu Lazio Rom) komplettieren das Sextett der Abgänge. Eingenommen Gesamtsumme: € 111 Mio. Damit erwirtschaftete der BVB sogar noch ein Transferplus von € 2 Mio – und es wären sicher noch einmal 10 Millionen dazugekommen, hätte sich der Transfer von Neven Subotic nicht auf der Zielgeraden noch zerschlagen!

Budget: Geld wäre also nach solider kaufmännischer Planung sicherlich noch da. Ob noch einmal ein Spieler aus dem Regal von Schürrle oder Götze verpflichtet werden könnte, ohne einen anderen wichtigen Spieler abzugeben, ist fraglich und eher unwahrscheinlich. Aber was kann in diesem aufgeheizten Transfermarkt überhaupt noch ausgeschlossen werden? Wirtschaftlich geht es Borussia Dortmund jedoch mehr als ordentlich. Außerdem sind die Kaderplanungen nach 8 Neuzugängen ohnehin längst abgeschlossen.

Saisonziel: Inzwischen vier Jahre ist es her, dass der BVB etwas „Zählbares“ in Form von Titeln verbuchen konnte. Seitdem hieß es immer „Ordentlich gespielt und gut verkauft - Meisterschaft und Pokal gehen jedoch nach München“. Das wollen die Verantwortlichen um Trainer Thomas Tuchel in dieser Saison sicher gern ändern, auch wenn die Saisonziele gewohnt konservativ formuliert worden sind. Ein Titel, egal welcher, soll – interne Sprachregelung – diesmal her.

Einschätzung: Die Champions League soll dazu dienen, den vor allem in Asien immer besser klingenden Namen im Ausland zu polieren. Da will man soweit kommen, wie es geht (Viertel- oder Halbfinale). Die Meisterschaft dagegen ist machbar, der DFB-Pokal wäre jedoch am realistischsten. So lassen die Chancen des BVB wohl am besten zusammenfassen. 

Trotz der mit Krokodilstränen beweinten Abgänge haben die Macher Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet und neben zwei gestandenen Nationalspielern aus der Weltmeisterelf auch zahlreiche Mega-Talente verpflichtet. Der Auftritt in der ersten Halbzeit des Supercups war schonmal ein Vorgeschmack auf das Leistungsportfolio der Schwarz-Gelben. Bekommen die Dortmunder nun noch schnell Konstanz in ihre Leistungen, sind sie ein echter Bayern-Jäger. Die Mannschaft ist mindestens so gut wie in der vergangenen Saison, aufgrund der größeren Kaderbreite vielleicht sogar noch ein gehöriges Stück besser.

Mögliche Probleme: Ähnlich wie der FC Bayern ist auch Borussia Dortmund enorm abhängig von seinem Top-Stürmer. Fehlt der Gabuner wirklich mal 4 bis 6 Wochen in der heißen Phase, reicht Adrian Ramos für den Angriff möglicherweise nicht aus. Ob Mario Götze und besonders Ardré Schürrle zu alter Stärke zurückfinden, bleibt ebenso abzuwarten. Außerdem könnte es aufgrund der Kaderbreite bei einigen bisherigen Stammspielern lange Gesichter geben. Thomas Tuchel muss die Stimmung innerhalb der Mannschaft hochhalten.



Dennoch sieht „bwin“, das weltweit führende Label in Online-Wetten, den BVB ganz klar auf Meisterkurs! Niemand, aber absolut niemand würde sich darüber aufregen, wenn sich derart kühne Prognosen tatsächlich bewahrheiten sollten!

Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Carsten Neuhaus – 17.08.2016




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