Ja, ich spielte für den BVB und VfB (2)

Im Öffnet externen Link in neuem Fensterersten Teil der Reportage reisten wir mit der Zeitmaschine bis zum Ende der 1970er Jahre zurück. Besonders ältere Semester erinnerten sich an Namen und Ereignisse. Mit der Fortsetzung schlagen wir die Brücke zur jüngeren Generation. Diesmal gehen wir lediglich gut eine Dekade in der Zeit nach hinten. Jedoch wird auch ein Blick auf die gegenwärtige Lage geworfen. Denn wir schauen immer noch nach Spieler, die sowohl das BVB als auch VfB-Trikot in ihrer Karriere übergestreiften haben oder es aktuell sogar tragen.  
Ewerthon
Aus einem weit entfernten Land – Gastgeber der WM 2014 (Brasilien) – kam er nach Europa, um Fußball zu spielen. Im Herbst 2001 holte man den 1,71 m großen Dribbelkünstler nach Dortmund. Bereits in seiner ersten Bundesligapartie (29.09.2001 beim 2:1-Sieg bei St.Pauli) erzielte ein Tor und bereitet ein weiteres vor – im zweiten Spiel dieselbe Ausbeute! Der pfeilschnelle Glatzenträger produzierte Tore am Fließband. Doch ein besonderer Treffer bleibt den BVB-Fans bis in die Ewigkeit im Gedächtnis eingebrannt: Ewerthons Meistertor! Diese im dramatischen Meisterschaftsfinale am 34. Spieltag der Saison 2001/02 ebnete den Weg zum Titel. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung erzielte er aus Spitzenwinkel – Ball an den Innenpfosten – den 2:1-Siegtreffer. (Bild nach dem Tor, Koller umarmt den Kleinen) Der Brasilianer machte in insgesamt 151 Spielen für den BVB 53 Treffer. Nach vier Spielzeiten verließ er das Ruhrgebiet in Richtung Spanien, wo er bei Real Saragossa seine Zelte aufschlug. Dortmund musste den Angreifer aufgrund der finanziellen Talfahrt veräußern. In Spanien knüpfte Ewerthon an die starken Leistungen beim BVB an und erzielte in 114 Partien 49 Tore. Der VfB Stuttgart suchte nach einer Verstärkung im Sturm und kam auf den Ex-Dortmunder (Leihgeschäft). Dieser konnte nicht an die tollen Torquoten (18 Spiele nur ein Treffer) der vergangenen Jahre anknüpfen, sodass die Kaufoption nicht gezogen wurde. Der schnelle Offensivspieler tingelte durch die Welt und spielte unter anderem für  Espanyol Barcelona, Palmeiras São Paulo, Terek Grosny und Al-Ahli SC. Derzeit kickt er in seiner Heimat beim America FC, wo er in neun Begegnungen drei Buden gemacht hat.
Phillip Degen
Der Schweizer galt als eines der großen Talente seines Landes. Seine Profikarriere begann er beim FC Basel. Dortmund verpflichtete den Rechtsverteidiger ablösefrei zur Saison 2005/06. Aufgrund vieler Verletzungen konnte Degen nie richtig Fuß fassen beim BVB. In den ersten beiden Spielzeiten blitzte hin und wieder sein Können auf. 2008 erreichte er mit dem BVB das DFB-Pokalfinale, welches er wegen einer Verletzung jedoch verpasste. Ab der Saison 2007/08 gingen seine Einsatzzeiten zurück und seine Formkurve zeigte nach unten – in vier Jahren 73 Partien (ein Tor). Im Sommer 2008 wechselte- ebenfalls ablösefrei - zu den Reds vom FC Liverpool, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieb. Doch das Verletzungspech blieb im treu. Auf Leihbasis ging Degen dann zum Verein für Bewegungsspiele Stuttgart. Der WM-Teilnehmer von 2006 kam lediglich fünfmal zum Einsatz. Liverpool löste daraufhin den Vertrag auf und den Schweizer führte es heim zum FC Basel.  Dort spielt der heute 30-jährige Verteidiger wieder regelmäßig und konnte in der vergangenen Spielzeit mit den Baslern das Halbfinale der Europa League erreichen. Sein Vertrag läuft noch bis Ende Juni 2015.
Tamas Hajnal
Der Ungar durchlief einige Vereine – unter anderem Schalke 04 (besonders in der Zweiten), 1. FC Kaiserslautern und Karlsruher SC – bevor er schließlich beim BVB landete. Der 1,68 m große Filigrantechniker kam zur Saison 2008/09 und konnte sich einen Stammplatz erkämpfen. Insgesamt spielte Hajnal (der "Kleine" inmitten der Riesen) 58 Partien im BVB-Trikot, in denen er acht Treffer erzielte und 17 Vorlagen gab. Nachdem Jürgen Klopp das System auf zwei Sechser umstellt hat, nahmen seine Einsatzzeiten ab. Deswegen entschied er sich, im Winter 2010 den Verein auf Leihbasis zu verlassen. Sein Ziel- wer hätte es gedacht: der VfB Stuttgart. Bei den Schwaben hat er einen erheblichen Anteil daran, dass man den Klassenerhalt einfahren konnte. Er erhielt einen Vertrag bis 2014. Doch aufgrund der für ihn schlechten sportlichen Situation wechselte er zum Zweitligisten FC Ingolstadt. Dort unterschrieb er einen Vertrag bis 2016. In dieser Saison erzielte der Spielmacher in zehn Partien 3 Tore und bereitete drei weitere vor.
Antonio da Silva Der aus Brasilien stammende Mittelfeldspieler kam über Eintracht Frankfurt und SV Wehen Wiesbaden im Jahr 2003 zum FSV Mainz 05, wo er erstmals unter Klopp spielte. In 90 Begegnungen für die 05er machte er 17 Buden. Er war eine tragende Säule bei Aufstieg und beim Klassenerhalt ein Jahr später. Die erkannte der VfB und holte den Mittelfeldstrategen in die Mercedes-Stadt.  Dort gewann er in seiner ersten Spielzeit direkt die Meisterschale. Dementsprechend spielte er in der Champions League. Aufgrund von unregelmäßigen Einsätzen wechselte da Silva zum KSC. Der Verein stieg in die zweite Liga ab, sodass er nach Basel ausgeliehen wurde. Nach nur einem Jahr kehrte er zurück. Angesichts der angespannten Finanzlage der Karlsruher wurde der Vertrag mit dem Brasilianer aufgelöst. Der vertrags- und vereinslose Akteur ließ seine Kontakte spielen und konnte sich beim BVB fit halten. Klopps alter Wegbegleiter machte in die komplette Saisonvorbereitung (2010/11) mit und konnte durchaus überzeugen, sodass er einen Einjahresvertrag erhielt. Unvergessen sein Freistoßtreffer in der 93. Minute zum 1:1-Ausgleich gegen 1899 Hoffenheim vor heimischer Kulisse – es war sein einziger Treffer für Schwarz-Gelb (hier mit Weidenfeller). Sein Vertrag wurde um ein weiteres Jahr verlängert.
Mit dem BVB gewann da Silva die beiden letzten Meisterschaften und den Pokal. Nach 33 Partien für den BVB ging der Linksfuß im Sommer 2012 zum Zweitligisten MSV Duisburg. Im Februar dieses Jahres ging man getrennte Wege. Offiziell hat der heute 35-Jährige seine Profikarriere noch nicht beendet.
Julian Schieber
Man kann in praktisch als VfB Eigengewächs ansehen. Im Alter von 17 Jahren wechselte Schieber zu den Stuttgartern. Nach zwei Spielzeiten bei den Amateuren feierte der schnelle Angreifer Dezember 2008 beim 3:0-Auswärtssieg gegen Energie Cottbus. Um mehr Spielpraxis zu bekommen, wurde der 1,86m große Stürmer an der 1.FC Nürnberg ausgeliehen, für die er auch sein erstes Bundesligator  im August 2009 beim Heimsieg gegen den SC Freiburg erzielte. Zur Saison 2011/12 kehrte er zurück zum VfB, wo er die Hinrunde aufgrund einer Verletzung fast komplett verpasste. In der Rückrunde kam er meist nur als "Joker" in die Partien. Besonders bei 4:4 gegen Borussia Dortmund konnte Schieber groß auftrumpfen. In Fankreisen gilt dieses Spiel als Bewerbungsvideo, warum der BVB den Angreifer später holte. Innerhalb von zwei Minuten drehte er alleine die Begegnung zugunsten des VfB – Ende bekannt.
Im Sommer 2012 verpflichteten die Dortmunder den "Ur-Stuttgarter" als Backup für Lewandowski. Jedoch konnte Schieber den Konkurrenzkampf gegen Lewy nie entfachen und kam daher nicht über die Rolle des Ersatzspielers hinweg. Sein Vertrag läuft noch bis 2016, doch mehren sich die Spekulationen, dass ein vorzeitiger Wechsel – eventuell schon im Winter – nicht ausgeschlossen ist.
Antonio Rüdiger Den umgekehrten Weg ging Verteidiger Rüdiger. Der gebürtige Berliner – Vater ist Deutscher, Mutter stammt aus Sierra Leone – kam über Umwege 2008 zu den Schwarz-Gelben. Beim BVB spielte er für die U17 (26 Spiele) und für die U19 (16 Einsätze), bevor er zum VfB wechselte. Dort debütierte der 1,90m große Innenverteidiger im Januar 2012 für die Profis. Seit der vergangenen Spielzeit gehört Rüdiger zum festen Bestandteil der ersten Mannschaft der Stuttgarter, für die er bereits 38 Spiele absolvierte. Sein erstes Bundesligator erzielte er im September 2013 beim 6:2-Heimsieg der Stuttgarter gegen die TSG Hoffenheim.
Der Defensivspezialist durchlief sämtliche U-Teams der deutschen Nationalmannschaft und wurde 2012 mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold (U19) ausgezeichnet. Bei den Schwaben verfügt Rüdiger ein Arbeitspapier bis Ende Juni 2017. Aufgrund einer Rot-Sperre wird der Verteidiger nicht an alter Wirkungsstätte auflaufen können.
Moritz Leitner Der gebürtige Münchener kam im Januar 2011 vom Lokalrivalen 1860 und sollte direkt an diese wiederverliehen.  Doch aufgrund fehlender Mittel ging er zum FC Augsburg, wo er in neun Partien zum Einsatz kam und den Aufstieg feierte. Zurück in Dortmund war meist Ergänzungsspieler, der regelmäßig eingewechselt wurde. Mit den Borussen wurde er 2012 Meister und Pokalsieger. Unvergessen die Bilder aus Berlin, wo der 1,76m Mann die riesige BVB-Flagge im Olympiastadion schwang. Auch in der Saison 2012/13 kam er über seine Reservistenrolle – zu großer Konkurrenz auf der Sechser-Position - beim BVB (54 Einsätze, davon nur zehn von Beginn an) hinaus, sodass die Verantwortlichen entschieden, ein erneutes Leihgeschäft anzuleiern. Der Wege führte  Leitner im Sommer ins Schwabenland. Doch auch dort ist er bisher nicht glücklich geworden. Trotz hervorragender technischer Fähigkeiten konnte sich der defensive Mittelfeldspieler auch beim VfB nicht etablieren. Ein Grund dafür war seine Knieprellung, die er sich Mitte September zuzog. Daher stagniert seine Entwicklung im Moment. Vollmundig kündigte der Sechser in einer Boulevardzeitung an: "Natürlich wird es ein besonderes Spiel für mich, in einem geilen Stadion, mit geilen Fans. Ich will zeigen, dass ich kicken kann."

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailArthur Makiela, 31.10.2013


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