Ja, ich spielte für den BVB und VfB (1)

Fast 100-mal wurde die Begegnung Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart wettbewerbs- übergreifend – am Freitag folgt Spiel Nummer 99 ausgetragen. Beide Teams fochten ja bereits auch um den Meistertitel. Unvergessen bleibt das Herzschlagfinale um die Meisterschaft 1991/92, in dem schlussendlich die Schwaben die Schale in die Himmel strecken dürften. Es gab und gibt eine Reihe von Spielern, die beide Trikots getragen haben. DIE KIRSCHE blickt in Geschichte und Gegenwart.
Eike Immel
Wie gesagt, es geht in der Zeit zurück. Es war einmal ein Sohn eines Landwirtes aus Hessen, der mit 15 Jahren den Schritt wagte und zu Borussia Dortmund wechselte. Klingt wie ein Märchen, ist aber war – wenn dies nicht schon alles wäre. Torwart Immel debütierte im Alter von 17 Jahren im Profikader des BVB, ausgerechnet gegen den FC Bayern. Er hielt seinen Kasten beim 1:0-Sieg sauber. Zwischen 1978 und 1986 absolvierte der Schlussmann 247 Spiele für den BVB. Mit gerade einmal 19 Jahren 318 Tage hütete Immel erstmals das Tor der deutschen Nationalmannschaft. Bis heute ist er der jüngste Keeper in der DFB-Geschichte, der je zwischen den Pfosten stand. Nach acht Jahren beim BVB zog es den Hessen für 1,7 Mio. DM (rund 900.000 Euro) zum VfB Stuttgart. Bis zum Wechsel von Oliver Kahn vom KSC zu den Bayern (rund 2,4 Mio. Euro) war dies der teuerste Torwart-Transfer in der Bundesligageschichte - heute ein gewisser Herr Neuer (27,5 Mio. Euro!). Bei den Schwaben feierte er seine größten Erfolge auf Vereinsebene. Im Jahre 1989 unterlag er mit dem VfB im UEFA-Cup-Finale gegen den SSC Neapel, damals mit Diego Maradona. 1992 wurde er, wie oben erwähnt, auf dramatische Art und Weise deutscher Meister – nähere Details fallen unter den Tisch, da nicht so schön für den BVB. Nach Kahn und Oliver Reck belegt Immel mit 147 Partien zu null den dritten Platz. Jedoch führt er eine andere Statistik an: meisten Gegentore (829 Gegentore in 534 Bundesligaspielen). Seine Karriere ließ er auf der Insel bei Manchester City (1995-1997) in der Premier League ausklingen, nachdem von Marc Ziegler Stammtorhüter abgelöst worden ist.
Bernd Klotz Der Stürmer kickte von 1981 bis 1985 beim BVB und erzielte in 106 Partien 27 Treffer. Bei 11:1 der Borussen gegen Arminia Bielefeld im Jahre 1982 schlug er gleich dreimal zu. Klotz (im Bild links) war Stammspieler beim BVB und sorgte unter anderem mit Manfred Burgsmüller und Rüdiger Abramczik (Bild) für ordentlichen Wirbel in der Offensive.



Der gebürtige Pforzheimer erlernte das Kicken beim VfB. Dort durchlief er die Jugendabteilungen – A-Junioren und Amateure- und war ab der Spielzeit 1978/79 fester Bestandteil der Profimannschaft. Nach drei Jahren beim den Schwaben entschied sich Klotz für einen Wechsel nach Dortmund. Während seiner Zeit beim BVB hatte er fünf Einsätze für die deutsche Olympiaauswahl. Nach seiner Karriere bei den Schwarz-Gelben kickte er noch für Waldhof Mannheim, Fortuna Düsseldorf und Fortuna Köln.


Gerhard Poschner
Der in Rumänien geborene Mittelfeldspieler lernte das Fußballspielen beim VfB. AB 1984 pöhlte er beim Verein für Bewegungsspiele und zwischen 1987 und 1990 absolvierte er 46 Bundesligapartien. Aufgrund des starken Konkurrenzkampfes im Mittelfeld entschied er sich im Sommer 1990 für einen Wechsel zum BVB. Mit "Susi" Zorc und Michael Rummenigge bildete Poschner das Offensivgerüst. 1993 unterlag er – wie mit dem VfB 1989 zuvor - mit den Schwarz-Gelben im UEFA-Cup-Finale gegen Juventus Turin. Nach vier Jahren, in denen er 14 Tore in 110 Bundesligaeinsätzen erzielte, wechselte er wieder zurück ins Schwabenländle zu seinem "Heimatverein". Gemeinsam mit dem magischen Dreieck gewann er 1997 den DFB-Pokal. Insgesamt traf er in 215 Spielen für die Stuttgarter 11-mal. Dann packte ihn die Reiselust. Der Mittelfeldspieler kickte beim AC Venezia, Rayo Vallecano, Rapid Wien und Polideportivo Ejido, bevor er bei 1860 München seine Karriere beendete.     
Matthias Sammer Der gebürtige Dresdner wagte 1990 den Schritt von Dynamo in den "Westen" zu den Stuttgartern, trotz eines Vorvertrags bei Bayer Leverkusen. Innerhalb von zwei Jahren avancierte der Mittelfeldstratege zum absoluten Führungsspieler. Er erzielte in 68 Partien für den VfB 21 Tore. Der "Feuerkopf" holte 1992 die oben besagte Meisterschaft, in der er eine zentrale Rolle spielte. Dies blieb nicht lange unentdeckt, sodass Inter Mailand ihn in die Serie A lotste. Nach seinem kurzen – Achtung Wortspiel - "INTERmezzo" (4 Treffer in 11 Spielen) holte Borussia Dortmund, im Zuge der "Rückholaktion" deutscher Spieler aus Italien – Reuter und später Kohler-, Sammer in der Winterpause für die Rekordablösesumme von umgerechnet über vier Millionen Euro zurück in die Bundesliga. "Motzki" wurde von Ottmar Hitzfeld als Libero installiert, was sich als Geniestreich herausstellen sollte. Mit dem BVB gewann er zweimal die Meisterschaft, die Champions League und den Weltpokal, um die Wichtigsten zu nennen. Sammer selbst wurde ebenfalls mit den höchsten individuellen Auszeichnungen bed

acht, unter anderem: Deutschlands Fußballer des Jahres (1995, 1996), Ballon d’Or und Europas Fußballer des Jahres (beides 1996). Zudem holte als Libero den EM-Titel mit der deutschen Nationalmannschaft. Seine dauerhaften Knieprobleme sorgten dafür, dass er seine Karriere während der Saison 1997/98 vorzeitig beenden musste.
Der Meistertrainer Doch es sollte noch nicht sein Ende beim BVB sein. Im Jahr 2000 bewahrte Sammer, der von Udo Lattek in sein Trainerteam geholt wurde, vor dem Abstieg in die Zweite Liga. In der Folge wurde es zum Cheftrainer ernannt. Bereits in der ersten Saison unter ihm gelang als Tabellendritter die Qualifikation für die Champions League. Im Jahr darauf wurde die Schale wieder in den Pott geholt. Mit diesem Titelgewinn machte sich Sammer zum jüngsten Meistertrainer in der Bundesligageschichte – hat immer noch Bestand. Fast wäre ihm der ganz große Wurf gelungen. Erst im UEFA-Cup-Finale scheiterte man dramatisch an Feynoord Rotterdam, die es schafften, vor heimischer Kulisse (De Kuip-Stadion) den Titel zu gewinnen. Dann ließ der Erfolg nach, so dass man 2004 getrennte Wege gegangen ist. Sein weiterer Werdegang führte ihn wieder zum VfB, wo er eine Spielzeit als Trainer auf der Bank saß. Sein aktuelles Engagement ist weitläufig bekannt.
Fredi Bobic Bei diesem Angreifer scheiden sich die Geister. Zwar verfügte Bobic über "eingeschränkte" technische Mittel, doch knipsen konnte er, eben ein Strafraumstürmer. Zusammen mit Elber und Balakov bildete er das magische Dreieck, die in der Liga für Furcht und Schrecken sorgten. Der in Maribor (Slowenien) geborene Stürmer spielte von 1994 bis 1999 beim VfB. In 182 Partien erzielte er 85 Treffer und wurde 1997 DFB-Pokalsieger. Im Sommer 1999 verpflichtete die Borussia den Bundesliga-Torschützenkönig von 1996 als Ersatz für den abgewanderten Stephane Chapuisat, der zurück in seine Heimat ging. Bei den Schwarz-Gelben konnte Bobic (im Bild rechts neben Miki Stevic) jedoch kaum überzeugen. In insgesamt 78 Partien für den BVB schoss er 23 Hütten. Als Dortmund dann Unsummen für Marcio Amoroso, Jan Koller und Ewerthon investierte, zog es den Europameister von 1996 – auf Leihbasis- auf die Insel zu den Bolten Wanderers. Dann folgten noch Anstellungen bei Hannover 96, Hertha BSC und ein halbes Jahr zum HNK Rijeka, bevor Bobic die Schuhe an den Nagel hängte. Seine Managerkarriere begann er 2009 bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. 2010 kehrte er zurück zum VfB Stuttgart, wo er seitdem für die sportlichen Belange des Vereins verantwortlich ist.
Jens Lehmann Der Ex-Schalker kam beim AC Milan nicht zurecht, sodass der BVB im Winter 1999 zurück ins "schwarzgelbe" Ruhrgebiet geholt wurde. Aufgrund seiner "blauen" Vergangenheit bildete sich eine Anti-Lehmann-Fraktion, zumal dem Schlussmann innerhalb kürzester Zeit vier Patzer unterliefen. Doch er fing sich wieder und avancierte zum Rückhalt des Teams. Nicht zuletzt wegen ihm wurde 2002 der Meistertitel geholt. Nach 129 Spielen für den BVB kehrte er der Bundesliga vorerst den Rücken und wechselte 2003 zum FC Arsenal.

Dort überzeugte er mit seinen Leistungen und wurde Stammtorhüter der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land – ließ keinen anderen als Kahn hinter sich. 2008 kehrte er erneut in die oberste deutsche Spielklasse zurück – ihr ahnt es bereits: zum VfB. Mit dem Schwaben konnte er sich nochmals für die Königsklasse qualifizieren. Sein letztes internationales Spiel bestritt er im März 2010 im CL-Achtelfinale gegen den FC Barcelona. Die Stuttgarter unterlagen deutlich mit 0:4. Im Verein fiel er besonders durch zweifelhafte Aktionen (Schuhwurf auf Tor oder Pinkeln hinter der Werbebande) auf. Aufgrund  von Verletzungspech bei den Torhütern half Lehman im Alter von 41 Jahren nochmals bei Gunners aus.
Marc Ziegler Wieder ein Torhüter. Der Saarländer kann als Stuttgarter Eigengewächs betrachtet werden. Im Alter von 18 Jahren heuerte Ziegler beim VfB an und sprang von dann an zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft hin und her. Nach über 80 Spielen verabschiedete sich der Schlussmann. Über einige Stationen, unter anderem Arminia Bielefeld, Bursaspor und Saarbrücken, landete er schließlich beim BVB.

In der Hackordnung musste sich Ziegler hinter Roman Weidenfeller anstellen. Dieser fehlte aufgrund einer Schulterverletzung die gesamte Rückrunde der Saison 2007/08, sodass er sich als Vertreter auszeichnen konnte. Der 1,93 -Hüne war es auch, der beim Pokalfinale 2008 zwischen den Pfosten stand. Jedoch blieb ihm diesmal – 1997 gewann er mit dem VfB den Pokal  - vergönnt. Nach der Rückkehr Weidenfeller musste Ziegler wieder auf der Bank Platz nehmen. Im Sommer 2010 – nach zehn Jahren Abstinenz - kehrte der Torwart wieder zu 1893er zurück. Doch war er nur Ersatzkeeper. 2010 absolvierte er lediglich zwei Begegnungen in der Europa League – zugleich seine letzten beiden Pflichtspiele. Im Sommer dieses Jahres beendete Ziegler seine fußballerische Laufbahn. Hier gehts zu Teil 2. Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailArthur Makiela, 30.10.2013


Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
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