BVB II gewinnt 5:0 und vertreibt den Heimfluch

Aus dem Stadion Rote Erde berichten Jan Kusenberg und Jens Matheuszik
Von der Tabelle her sollte es eher ein durchwachsenes Spiel werden: Der Tabellenachte (15 Punkte) Borussia Dortmund II empfing im heimischen Stadion (wo man bisher nur einen einzigen Punkt geholt hat; schlechtester Wert dieser Saison von allen Mannschaften in der Regionalliga West!) den Tabellenelften (14 Punkte). Doch da man ja bei so einem Spielbericht immer wieder versucht möglichst knackige Überschriften zu finden, weiß man jetzt schon, dass es anders kam, als man von der Papierform her denken konnte. Erst einmal überraschte die Aufstellung des BVB die Zuschauer und die Pressevertreter gleichermaßen - denn mit Mohamed Zidan konnte der erst kürzlich ein Jahr älter gewordene BVB II-Trainer David Wagner einen weiteren Profi von Jürgen Klopp in sein Team integrieren. Ansonsten ist aufstellungstechnisch die Rückkehr von Terrence Boyd zu benennen. Dieser war zuletzt beim Auswärtsspiel gegen die Amateure des 1. FC Köln nicht dabei, da er auf der Bank der Profis (beim am gleichen Tag stattfindenden Spiel Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln) saß. Noch vor dem eigentlichen Anpfiff rief Stadionsprecher Ulrich Behle den BVB-Fan Pippi Langstrumpf eh Roman Weißkopf auf's Feld. Am Rande der Tartanbahn wartete er dann mit schwarz-gelben Puscheln… Da man bekanntlich in Dortmunds Innenstadt eher karge Möglichkeiten zum Ausgehen hat und auch im Bermudadreieck in Bochum Junggesellenabschiede nicht mehr so gerne gesehen werden, musste dieser Abschied hier stattfinden. Behle gab noch den Tipp mit, dass er am Montag zum Einwohnermeldeamt gehen solle, um die Lohnsteuerkarte zu ändern - denn schließlich müsse jede Ehe ja einen Sinn machen. Danach ging es dann aber auch endlich los mit dem, was eigentlich wichtig war: das Spiel. Beide Mannschaften sollten sofort Vollgas geben, doch Resultate erzielte damit nur der BVB. Schon in der 2. Spielminute konnte Mohamed Zidan die Verwirrung in der Spielmitte nutzen und von rechts auf's Elversberger Tor schießen, den Ball versenken und mit diesem 1:0 den BVB in Führung bringen. Ähnlich wie Zidan zeigte auch von Anfang an Florian Kringe (siehe dazu auch das Öffnet externen Link in neuem FensterKurz-Interview der Kirsche mit Florian Kringe), dass er sich bei den Amateuren reinhängt und vollen Einsatz zeigt. Doch nicht nur die Dortmunder (neben den Amateuren und den vorgenannten Profis, zu denen ja auch Marvin Bakalorz, Marc Hornschuh und der später eingewechselte Damien Le Tallec zählen) zeigten Einsatz, sondern auch die Gäste aus dem saarländischen Elversberg - dem südlichsten Spielort der Regionalliga West. So richtig gefährlich wurden sie aber nicht und der erste Einsatz von Dortmunds Torhüter Zlatan Alomerovic in der 18. Spielminute war nicht einmal im Ansatz gefährlich. Da war schon fast eher zwei Minuten später ein Ball der Dortmunder für die Dortmunder gefährlich, als ein Freistoß der Gäste unglücklich durch die BVB II-Mauer verlängert wurde und in Richtung Tor trudelte, wo Alomerovic nur noch zur Ecke fausten konnte.
Das zweite Mal, das ein Dortmunder Ball im Netz von Daniel Kläs, dem Torhüter vom SV Elversberg landete, war in der 24. Spielminute, als nach einem Foul an Marvin Bakalorz und dem damit verbundenen Freistoß Florian Huebner die Gelegenheit hatte den Ball ins Tor zu köpfen. Da jedoch Abseits gepfiffen wurde, zählte dieses Tor nicht - die gelbe Karte für Mefail Kadrija von den Gästen (für das Foul an Bakalorz) zählte aber.
In der Folge sollte der Ball zwar immer hin und her gehen, doch optisch und wohl auch tatsächlich überlegen war der BVB II, denn während dort eigentlich alle Spieler gute Leistungen ablieferten, gab es bei den Elversbergern doch einige Schwächen und nur Angelo Hauk, der sich einige Laufduelle u.a. mit Terrence Boyd lieferte, ist hier in dieser Phase des Spiels positiv zu benennen.
Die 34. Spielminute führte - nach einer Ecke, die Mario Vrancic von links durchführte, nahm der in der vorherigen Situation noch im Abseits stehende Huebner den Ball mit dem Kopf an und baute die Führung auf 2:0 aus. Keine zwei Minuten später legte Marvin Bakalorz von rechts Mohamed Zidan auf, der Richtung Tor schoss, wo dann Terrence Boyd gut links am Tor stand und den Ball zur verdienten 3:0-Führung einnetzen konnte.
Der Schiedsrichter (Christian Gittelmann aus Albisheim - geographie-wissenstechnisch für mich in einer Kategorie mit Elversberg), der in der ersten Halbzeit insgesamt lautstark zu vernehmen war (manchmal waren seine klaren Worte auch auf der Tribüne zu hören) zeigte in der 41. Spielminute dann den roten Karten dem Elverbserger Spieler Nassim Banouas. Für eine Tätlichkeit, die sowohl auf der Dortmunder als auch auf der Elversberger Bank niemand gesehen haben will und wo auch der angeblich gefoulte Dortmunder Spieler erklärt haben soll, dass da eigentlich nichts passiert sei (siehe am Ende bei den Stimmen des Trainers Jens Kiefer). Aber nicht die Meinung der beiden Trainerbänke ist entscheidend - die rote Karte des Schiris ist entscheidend und so musste Elversberg ab diesem Zeitpunkt nur noch mit 10 Mann spielen, wobei der Trainer, der übrigens gerade erst seit ungefähr einem Monat im Amt ist, gleich taktisch entsprechend wechselte. Damit versuchte er den Verlust des Verteidigers zu kompensieren.
Es sollte jedoch erstmal nur beim Versuch bleiben, denn nur eine Minute später in der 42. Spielminute marschierte Mario Vrancic alleine durch die Elversberger Abwehr, die wohl noch in der Schockstarre nach der roten Karte war und konnte kurz vor Ende der ersten Halbzeit das 4:0 klar machen. Spätestens jetzt war klar, dass dieses Heimspiel wohl nicht mehr verloren geht - egal wie schlecht der BVB II bisher bei den Heimspielen gespielt hat. 4 Tore und einen Mann mehr auf dem Platz - diese Butter sollten sich die Amateure nicht mehr vom Brot nehmen lassen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselte BVB-Trainer Jonas Hofmann aus und brachte stattdessen Damien Le Tallec und kurze Zeit später wechselte Petrus auch das Wetter aus, denn man sah die ersten Sonnenstrahlen in der Roten Erde. Gestrahlt hätte auch Florian Kringe, wenn denn sein Schuss auf's Tor in der 59. Spielminute (nach Vorlage von Terrence Boyd) nicht nur das Außennetz getroffen hätte, aber so wurde der kämpferische Einsatz des Profis leider nicht durch ein Tor gekrönt und belohnt.
Danach vollzog David Wagner einen Doppelwechsel, in dem Huebner (mit leichten Blessuren) und Zidan (wie vorher vereinbart) ausgewechselt wurden und dafür Ensar Enes Baykan und Oskar Gasecki 'reinkamen. Beinahe hätte Wagner diesen Wechsel, der das verfügbare Austauschkontigent zugemacht hätte, noch bereut, denn nur eine Minute später verletzte sich Ivan Paurevic so sehr, dass er außerhalb des Spielfeldes behandelt werden musste. Der - auch im weiteren Verlauf überaus aktive - Baykan nutzte in dieser Phase des personell zahlenmäßigen Gleichstandes einen freien Raum und legte von links kommend auf Mario Vrancic vor, dessen Ball jedoch nur die verwaisten und leeren Zuschauerblöcke außerhalb des Spielfeldes traf, denn es waren nur 236 Zuschauer insgesamt bei diesem Spiel anwesend. Fans von Elversberg wurden übrigens keine gesichtet, was natürlich aufgrund der Entfernung von weit über 300 km jetzt nicht so verwundert.
Man merkte jetzt in der 2. Halbzeit deutlich, dass der BVB II nicht mehr so viel Gas gab wie in der ersten Halbzeit, was aber nicht bedeuten soll, dass sie sich nicht mehr einsetzten und das Spiel larifari behandelten. Richtige Torchancen wurden jedoch - von beiden Seiten - in dieser Phase nicht herausgespielt. Nachdem sich sowohl der Elversberger Torhüter (durch Terrence Boyd) als auch der Dortmunder Torhüter (durch Angelo Hauk) noch beinahe die Bälle im Rahmen eines Rückpasses auf die Torhüter abnehmen ließen, nutzte in der 75. Spielminute Damien Le Tallec vom Strafraum her die sich ihm bietende Chance rechts ins Tor der Elversberger zu schießen, um das 5:0 für Borussia Dortmund II klarzumachen.
Das sollte auch den Endstand des Spiels darstellen, denn im weiteren Verlauf passierte nicht mehr viel nennenswertes - sehen wir jetzt mal von einer unnötigen gelben Karte für Terrence Boyd ab. Dieser hatte sich über das Talent des Elversberger Torhüters beim Abstoß den Ball nicht zu treffen so sehr gefreut, dass er ihm gratulierend applaudierte, was dem Schiedsrichter jetzt nicht so gefiel. Wahrscheinlich gefiel dem Unparteiischen jedoch die Möglichkeit jetzt endlich dem Dortmunder Spieler, den er - teilweise zurecht - schon etwas länger auf dem Kieker hatte endlich eine Karte zu verpassen.
Natürlich ließen sich die Dortmunder Spieler nach diesem deutlichen Heimsieg ordentlich von den wenigen, aber dennoch lautstark zu vernehmenden Fans (denen jedoch die Frage gestellt sein muss, warum ein Verein, der momentan einen Platz unterhalb des BVB II steht und nicht beim Spiel dabei, Thema der Gesänge sein muss) feiern, denn endlich kann das Wort "Heimfluch" ad acta gelegt werden und somit der versammelten Presse neue Überschriften gewähren. Tabellarisch konnte die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund damit erstmal einen Platz nach oben steigen, wobei der Sonntag da noch weitere Bewegung mit sich bringen könnte (idealerweise würde der FC Schalke 04 II gegen den Tabellenletzten TuS Koblenz verlieren, damit wenigstens bei den Amateuren die vernünftige Ruhrgebietstabellenreihenfolge erhalten bleibt).

Statistik zum Spiel 

Borussia Dortmund II: Alomerovic, Huebner (60. Baykan), Halstenberg, Vrancic, Hofmann (46. Le Tallec), Zidan (60. Gasecki), Boyd, Bakalorz, Paurevic, Kringe, Hornschuh. SV Elversberg: Kläs, Banouas, Schwall, Holste, Reiß (62. Willmann), Hauk, Krasniqi (80. Grimm), Deville, Fall, Kadrija (42. Kozarac), Billick. Tore: 1:0 Zidan (2.), 2:0 Huebner (34.), 3:0 Boyd (36.), 4:0 Vrancic (42.), 5:0 Le Tallec (75.) Schiedsrichter: Christian Gittelmann (Albisheim) Zuschauer: 236

Stimmen zum Spiel

Jens Kiefer, Trainer SV Elversberg: Wir sind nach 2 Minuten in Rückstand geraten, was unser Konzept ein bisschen ins Wanken gebracht hat. Direkt eine Einzelleistung mit einem Schuss aus 20 Metern, bei dem wir vorher auch schön Spalier gestanden haben und zweimal nicht im Zweikampf waren. Danach ist 20-25 Minuten nicht viel passiert. Wir haben es dann aber ein wenig geschafft den Dortmunder Angriffswirbel ein bisschen zu unterbrechen. Das ist uns leider nicht sehr lange dann gelungen, nur bis zum 2:0. Bis zur Standardsituation, bei der nicht nur der Torschütze, sondern noch jemand hinten dran völlig frei stand. Am Fünfer bei einer Ecke - das darf natürlich auch nicht passieren. Es kommen direkt ein, zwei Nackenschläge hinten dran, mit Fehlern von uns, die sehr gut von Dortmund in der Offensive ausgenutzt wurden. Wir können froh sein, dass wir nur mit 4:0 in die Pause gehen. Trotzdem muss ich sagen: Dann erwarte ich wenigstens nach dem 2:0 von einer Mannschaft wie wir es sind, die doch noch zwei, drei Spieler auf dem Feld hat, die von sich sagen, dass sie erfahren sind, dass man dann mal nach dem 2:0 zehn Minuten guckt, dass man mit diesem Ergebnis auch in die Halbzeit kommt. Dann ist vielleicht auch nach der Halbzeit noch was drin. So war leider nichts mehr drin. Ich glaube in der 2. Halbzeit hat Dortmund ein paar Gänge heruntergeschaltet, hat nicht mehr den Druck wie vorher ausgeübt. Wir haben dann das gemacht, was man dann machen sollte: Wir haben Schadenbegrenzung betrieben. Mehr war auch nicht mehr drin für uns. Das haben wir dann ganz ordentlich gemacht, das war's auch schon. Und dementsprechend ist das Ergebnis mit dem 5:0 okay so. Man muss sagen: Glückwunsch an Dortmund! Sie haben uns in der 1. Halbzeit zeitweise auseinander gespielt, hauptsächlich auch nach dem 2:0 und dann muss das auch anerkennen und muss sagen: Wir waren einfach nicht gut genug und Dortmund war zu stark für uns. Wie haben Sie die rote Karte gesehen? Ich habe es auch nicht gesehen, also bei uns auf der Bank niemand. Ich kann nur sagen, was unser Spieler gesagt hat, dass er auf ihn gefallen ist und ihn weggedrückt hat, mehr kann ich nicht sagen. Ich will ihm mal glauben. Das hat auch glaube ich Euer Spieler so gesagt. Euer Spieler war beim Schiedsrichter und hat es ihm dann genau so bestätigt. Also ich will ihn nicht in Schutz nehmen, wenn er was gemacht hat, aber ich hab's nicht gesehen.

David Wagner, Trainer Borussia Dortmund II: 

Bisschen ungewohntes Gefühl für mich heute hier zu sitzen und gewonnen zu haben, aber ich könnte mich dran gewöhnen. Nichtsdestotrotz glaube ich, lebt ein Spiel häufig von einigen Schlüsselmomenten und diese sind heute alle in unsere Richtung gelaufen: Sowohl das frühe Tor als auch - und da kann ich mit meinem Kollegen nachfühlen - dass wir mal 'ne Standardsituation so frei genutzt haben. Wir haben insbesondere in Heimspielen auch leidlich auf der anderen Seite erfahren müssen und haben deswegen Punkte liegen gelassen. Dann natürlich noch eine rote Karte, die ich überhaupt nicht interpretieren kann, da ich sie überhaupt nicht gesehen habe. Dementsprechend war das Spiel dann durch diese Schlüsselelemente, die allesamt in unsere Richtung gelaufen sind, in unsere Richtung dann auch entschieden. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Nicht nur, weil sie heute wieder gut gespielt hat und auch deutlich gewonnen hat. Sondern weil sie Selbstinitiative ergriffen hat und Ideen entwickelt hat um diesen Heimspielnegativerlebnissen entgegen zu wirken. Das diese dann so gefruchtet haben ist dann umso schöner. Darüber hinaus ist es halt bei uns so - das muss man ganz klar so sagen - wir haben vielfältige Aufgaben als zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Da zählt natürlich die Entwicklung der hochtalentierten Spieler, die wir haben, dazu zählt aber auch, dass wir die Jungs dazu erziehen wollen, hungrig und gierig zu sein und nach Erfolgserlebnissen zu streben und sich nicht nur an schönen und guten Spielen zu ergötzen. Diese Entwicklung wollen wir vorantreiben und darüber hinaus haben wir auch die Aufgabe Spielern die Spielpraxis zu geben, die herangeführt werden, wie heute Zidan oder auch Flo Kringe, der zum Spielen bei uns kommen kann. Zidan war heute das erste Mal dabei und er hat sich nahtlos in die lange Liste derer hereingefügt, die diese Saison schon bei uns gespielt haben: Ob Owo, Mo Leitner oder wie sie auch alle heißen, die bei uns da mitmischen. Es ist einfach grandios wie die Jungs da mitzocken und Bock haben zu spielen und sich da einbringen. Und umgekehrt ist es halt auch schön dass ich sehe, wie meine Jungs damit umgehen, nämlich extremst positiv und sie versuchen das ganze professionell anzunehmen. Und dementsprechend kommen wir da unseren Aufgaben nach. Ich bin ganz ehrlich, ich dachte es fühlt sich besser an, wenn man mal ein Heimspiel gewonnen hat. So toll ist es jetzt auch nicht, aber wie gesagt, ich könnte das Gefühl trotzdem häufiger haben.  Wurde Jonas Hofmann verletzt ausgewechselt nach dem Foul? Nein, Hofi hatte heute keinen Sahnetag gehabt. Es ist natürlich dann auch ein überragendes Gefühl als Trainer, wenn man dann heute in der Situation war, direkt reagieren oder nachlegen zu können. Damien hat nach seiner Einwechslung das richtig gut gemacht und das dann auch noch mit einem Tor gekrönt. Seinem ersten in dieser Saison. Ensar Baykan hat da noch ein bisschen Wirbel gemacht und das ist natürlich dann auch ein Umstand, der es einem sehr angenehm macht, dass man reagieren kann. Hofi spielt 'ne gute Runde mit 5 Toren und 5 Torvorlagen. Heute war es nicht so prickelnd und dementsprechend konnte man reagieren. War das Spiel aus Ihrer Sicht nicht etwas einseitig? Ja, aber man muss auch allerdings sagen, dass man die Tore auch erstmal machen muss. Das ist uns gelungen. Gegen SC Idar-Oberstein war es ein ähnlich einseitiges Spiel, das haben wir nicht gewonnen. Gegen Fortuna Düsseldorf war es ein ähnlich einseitiges Spiel, das haben wir sogar verloren. Sie haben dann in der 1. Halbzeit umgestellt. Hofmann ist rechts angefangen, Zidan links, dann ist aber getauscht worden? Das ist bei uns die ständige Freiheit, die die Jungs bei uns haben. Die können die Seiten - das machen sie aber schon die ganze Saison - vollkommen eigenständig rotieren, Hauptsache die Positionen sind alle besetzt, insbesondere dann halt im defensiven Bereich. Das war heute etwas auffälliger, das stimmt, weil Hofi sonst gerne sehr sehr stur sage ich mal auf der rechten Spur gespielt hatte. Vielleicht wollte er selbständig ein Spiel ein bisschen erweitern, weil er nicht so gut 'reingekommen ist, aber das war jetzt keine taktische Anweisung generell, denn das machen wir in der Regel so, dass die das sehr flexibel behandeln können. Zidan war schon ein belebendes Element? Hundertprozentig. Mo hatte die Woche ja schon mal bei uns mit trainiert 'ne Einheit, wo Kloppo nur regenerativ gearbeitet hat. Da hat er bei uns eine fußballspezifische Einheit mitgemacht. Das ist ein Riesenzocker und er war heute ein absolut belebendes Element. Er macht ein Tor, bereitet eines vor, Pfostenschuss. Ich habe vor dem Spiel mit ihm gesprochen und ihm gesagt "Wenn Du vor dem Platz gehst und strahlst, dann weiß ich, Du hast Spaß gehabt, dann weiß ich auch, Du hast gespielt und Du hast uns geholfen." Und genau so war das. Nochmal - das war jetzt kein Einzelfall bei ihm, alle anderen haben das auch richtig gut gemacht. Ganz im Gegenteil: Die haben doch Bock drauf, sich da mal zu zeigen. Der Letzte der von Kloppo bei uns ein Tor geschossen hat, der hat auch oben dann getroffen. Alomerovic war heute im Tor, nächste Woche dann wieder Focher? Bleibt der Rhythmus langfristig so? Die nächsten zwei Spiele bekommt Johnny auf jeden Fall, das ist Fakt. Zlatan hat das heute - glücklicherweise auch in einem Heimspiel - bestätigt, eine extremst souveräne Vorstellung, zu Null gespielt, er konnte sich nicht so häufig auszeichnen, aber wenn dann war er total sicher, insbesondere auch bei hohen Bällen. Das war heute mit Sicherheit mit Abstand sein bestes Heimspiel, dass er diese Saison gemacht hat. Es ist richtig, dass Johnny die nächsten zwei Spiele noch bekommt. Dann haben wir Herbst und ich habe immer gesagt, bis zum Herbst hinein machen wir das. Und dann schauen wir mal weiter. Dann werde ich mich auch mit Matze Kleinsteiber, dem Torwarttrainer, mich noch mal zusammensetzen, drüber reden, wie da die Eindrücke sind und dann werden wir reflektieren, ob wir das dann bis zur Winterpause dann so weitermachen, aber das ist noch vollkommen offen. Die Torwart-Rotation hat sich also bewährt? Bis dato ja. Für die Jungs geht nichts über Spielpraxis, wenn wir die Jungs weiter entwickeln wollen. Das haben wir bis jetzt sehr gut geschafft. Fakt ist: Ich bin mit den Torhüterleistungen von beiden in Auswärtsspielen einverstanden gewesen, aber in Heimspielen nicht. Genau so wie ich auch mit der Mannschaftsleistung in Auswärtsspielen zufrieden bin und in Heimspielen nicht. Ich erwarte dann auch eine Entwicklung in Heimspielen. Zlatan hat das heute gezeigt, das er sich da entwickelt. Das muss man jetzt einfach verfestigen. Ich hab das ja die Woche bereits schon mal gesagt: Es geht darum für die Jungs Hunger und Gier jeden verdammten Tag, jedes verdammte Wochenende zu entwickeln und auf Erfolg - nicht nur auf "Dabei sein" und "Schön spielen". Das ist das Motto: "Hunger und Gier". Das brauchen die. Ich weiß, das ist nicht einfach jeden Tag, aber das müssen sie entwickeln.   Der erste Heimsieg in der Roten Erde. Sie sagten, das fühlte sich nicht ganz so gut an, wie erhofft. Warum nicht? Ich kann es selber gar nicht so genau erklären. Man hat vielleicht auch im Vorfeld eine andere Erwartungshaltung an dieses Gefühl. Das wurde nicht ganz bestätigt. Aber es ist natürlich immer noch viel besser als in den anderen Situationen, wo wir verloren oder nicht gewonnen hatten.  War der Gegner heute der richtige Aufbaugegner? Ach ich will das nicht sagen. Ich denke Elversberg ist eine sehr robuste zweikampfstarke Mannschaft, wir haben da hervorragend dagegen gehalten. Natürlich hatten wir das Glück, in wichtigen Momenten, das da viel für uns gelaufen ist. Das haben wir uns auch erarbeitet, das kriegt man ja nicht einfach so. Das man bei Standardsituationen so frei ist, aber da muss man sich frei machen. Das man früh ein Tor erzielt, dass muss man auch erzielen und da ist viel für uns gelaufen und dementsprechend war das glaube ich nicht dem Gegner geschuldet, sondern unserer Leistung. Wer war der beste Spieler von Ihnen? Ich denke das ist heute wieder extrem schwierig: Das war eine sehr sehr geschlossene gute Mannschaftsleistung. Ich denke, dass Zlatan heute mit zu 0 und seiner Ausstrahlung ein richtig gutes Spiel gemacht hat. Und Mario Vrancic macht ein Tor und zwei Torvorlagen und Zidan macht ein Tor und Torvorlagen. Also das sind so vielleicht ein bisschen die, die den Kopf noch nach oben ein bisschen 'raus recken. Was war das schönste Tor ihrer Meinung nach? Ich denke das 3:0 war schon überragend herausgespielt von Terrence Boyd. Im Prinzip waren alle Tore schön würde ich sagen. Auch Le Tallecs Tor war auch von technisch hoher Qualität, Marios Alleingang, da muss man auch erstmal den Mut haben und dann auch die technischen Fähigkeiten da so rein zu stechen - also das waren alles in allem alles schöne Tore. Aber die Schönheit der Tore: Das ist mir jetzt eigentlich scheißegal muss ich ganz ehrlich sagen. Das Ding ist drinnen und soll rein und von mir aus mache ich nur noch hässliche Tore wenn wir gewinnen. Ist die Siegesfeier schon geplant? Da müssen Sie die Jungs fragen. Ich nicht, also denn wie gesagt so prickelnd ist das Gefühl jetzt doch nicht. Aber ich habe den Jungs gesagt, sie sollen es heute mal krachen lassen. Nichtsdestotrotz - morgen ist Training. Aber sie können ja 'ne Stunde länger schlafen.

Marcel Halstenberg:

Heute hat es endlich geklappt: Der "Heimfluch" ist besiegt. Wie kommt's?
Ich denke Elversberg war nicht so stark, wir sind mit einer etwas anderen Vorbereitung ins Spiel gegangen und haben uns ein Beispiel am Köln-Spiel genommen und als Team zusammengehalten. Das Spiel war – von außen gesehen - ein sehr physisches. Wie war das auf dem Platz?
Ja, also bei Elversberg ist man darauf eingestellt dass die mehr so auf die Knochen gehen und spielerisch nicht wirklich mit uns mithalten können. Wir haben gesagt, dass wir dagegen halten wollen und zu probieren alles zu geben. Gab es heute eine besondere Ansprache vom Coach?
Nein, sie war etwas kürzer als sonst. Bisher waren die Reden immer etwas länger – wir haben uns dann gewünscht, dass sie etwas kürzer werden,  ansonsten war alles wie immer: Ein bisschen Musik aufgelegt beim Aufwärmen, Auflaufmusik und dann ging's los.

Terrence Boyd:

Terrence, Glückwunsch zum ersten Heimsieg! Was hat den Knoten heute gelöst?
Wir haben uns diese Woche auf jeden Fall sehr gut vorbereitet, haben an ein paar Sachen gearbeitet, wir haben uns heute auch einfach keinen Druck gemacht und wir haben eine sehr gute Truppe. Da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Aber was heute ausschlaggebend war, denke ich: dass alle zu 100% gekämpft haben.   Du hattest heute einen "prominenten Sturmpartner". Wie war das für Dich?
Ich denke das hat gut geklappt. Er hat mir ein paar Schüsse aufgelegt, ich habe ihm ein paar aufgelegt, ich habe ihm ein Tor vorgelegt. Ich denke wir haben sehr gut harmoniert heute.

Mario Vrancic:

Was hat denn heute den Ausschlag zum Sieg gegeben?
Wir waren komplett selbstbewusst. Wir wussten, dass es irgendwann klappen wird. Und wir waren uns sehr sicher, dass wir heute gewinnen werden, da wir eine super Trainingswoche hatten.  Kein Gedanke beim Stand von 2:0, das es wie gegen Mainz endet?
Nein, absolut nicht. Wir waren so selbstbewusst, wir wussten, dass heute unser Tag ist. Mohamed Zidan hat ja heute mitgespielt. War er ein belebendes Element?
Ich glaube wir alle kennen seine Qualitäten. Und ich denke mal er wusste auch, dass wir gute Qualitäten haben. Das hat dann einfach gepasst. Es hat uns gefreut, dass so ein guter Spieler mit uns spielt. Wie geht es jetzt weiter?
Mit dem nächsten Dreier, nächste Woche. Aber jetzt erstmal über den Sieg heute freuen.
 Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJan Kusenberg (Fotos, Stimmen), Jens Matheuszik (Bericht, Stimmen) - 29.10.2011


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