Den Wölfen die Zähne ziehen

Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg, der sensationelle 1412 Fans im Gepäck hat im ausverkauften Tempel. Knaller hören sich anders an. Und doch hat es diese Partie in sich, denn der Gast aus Niedersachsen verfügt über einen mit illusteren Namen gespickten Kader. Obwohl das Werksteam nach durchwachsenen Leistungen derzeit nur den zwölften Tabellenplatz ziert, ist es dennoch mit individuellen Einzelkönnern ausgestattet und sicher zu mehr imstande. Doch für den Gastgeber zählt nur ein Sieg!

Und die statistischen Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Wolfsburg verlor mehr als die Hälfte der bisherigen 28 Bundesliga-Duelle gegen den BVB (15 BVB-Siege, bei 6 eigenen Erfolgen und 7 Unentschieden) und ist seit 4 Spielen gegen Borussia sieglos, wovon 3 Partien sogar verloren gingen. Der Deutsche Meister ist seit 5 Spielen unbesiegt, erzielte 4 Siege und das Stuttgarter „Remis der besseren Sorte“ und holte in diesem Zeitraum mit 13 die meisten Punkte aller Bundesligateams.

Außerdem hat Schwarzgelb nach der genutzten Mini-Achtelfinal-Chance durch den Sieg gegen Piräus (Klopp: "Das war Ergebnis-Fußball. Wer anderes erwartet hat, dem kann ich auch nicht helfen") seinen Aufwärtstrend bestätigt. Eher „rustikal statt filigran“, haben die Ästheten des deutschen Meisters die Tugenden „kämpfen und gewinnen“ zum neuen Maßstab erchoren. Endlich, muss man sagen, endlich. Auch wenn es nicht immer feine Ballstaffetten zu bestaunen gibt, zeichnet eine Spitzenmannschaft durchaus auch eine gewisse Ergebnisorientierung aus – die Bayern haben zwanzig Jahre so ihre Krisen übertüncht. Aber wenn es das nur wäre. Denn wenn man keine Probleme hat, dann werden einem von „außen“ welche gemacht. Mario Götzes Interview, das vom Springer Blätterwald angestoßen und zu einer „Sensation“ aufgebläht worden war, veranlasste Jürgen Klopp am Ende seiner Ausführungen in der turnusmäßigen Pressekonferenz dann doch noch zur Deutlichkeit. In scharfen Worten bezeichnete er das Ganze ironisch als „schöne Geschichte“ und fügte wörtlich hinzu: „aber die einzige Möglichkeit die es gibt, ist einfach die Pressearbeit komplett einzustellen. Gut, das ist hier, glaub ich, auch schon gemacht worden. Und sollte weiter spekuliert werden, werde ich der Mannschaft sagen, dass wir das mal vier Wochen durchziehen. Dann geben wir keine Antworten mehr, lassen Euch auf dem Trockenen sitzen und dann können wir wild spekulieren.“ Mehr als die ins Kraut schießenden Nebelkerzen, sorgt man sich beim BVB um Sven Bender. Der Mittelfeldspieler  laboriert unverändert an seiner Fußverletzung - und könnte „Idealerweise am Freitag ins Mannschaftstraining zurückkehren“, hofft Jürgen  Klopp, seinen Roadrunner vielleicht doch noch einsetzen zu können. Bedarf zur Rückkehr zu alter Sicherheit in der Abwehr besteht allemal, denn der BVB kassierte bisher 5 von 8 Toren nach Standards, was mit 62.5% den Ligahöchstwert ausweist!

Sollte dieses Unterfangen am Ende dann doch scheitern, steht erneut Moritz Leitner bereit, dessen  jüngste Entwicklung der Dortmunder Chefcoach mit folgenden Worten adelte:  „seine Entwicklung ist super positiv. Die Liebe zum Spiel, der Spaß am Spiel hilft ihm total und fließt ihm ja praktisch aus den Ohren heraus.“ Außerdem brennt Toptorjäger Lucas Barrios auf seinen ersten Einsatz im Angriff und da das Trainerteam ja immer für eine Überraschung gut ist, könnte der Argentinier möglicherweise sogar an der Seite von Stürmer Robert Lewandowski eingesetzt werden. Und der traf in den letzten vier BVB-Heimspielen immer – allein in den letzten beiden Spielen  insgesamt 5-mal -  und schoss jedes seiner bisherigen 7 Saisontore im Westfalenstadion. Über so ein Luxusproblem verfügt man indes nicht beim kommenden Gegner. Der VfL Wolfsburg bangt für das Auswärtsspiel in Dortmund weiterhin  um seinen besten Stürmer. Mario Mandzukic konnte erneut nicht mit der Mannschaft trainieren. Nach ein paar Tagen ohne Trainingseinheit absolvierte Mandzukic mit seinen Teamkollegen zumindest das komplette Aufwärmprogramm. Doch danach verabschiedete er sich relativ schnell gemeinsam mit dem ebenfalls angeschlagenen Abwehrspieler Alexander Madlung in Richtung Kabine. Mit sieben Toren in elf Bundesliga-Spielen ist der 25-jährige Stürmer nicht nur der mit Abstand treffsicherste Spieler der Wolfsburger, sondern auch so etwas wie die Lebensversicherung der Niedersachsen. Bei Madlung besteht dagegen nicht ganz so viel Zuversicht. Der robuste Verteidiger hat weiterhin Probleme nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel.

Unterdessen muss Felix Magath - der zudem auf Srdjan Lakic  wegen einer Meniskusquetschung verzichten muss  - die nächste Hiobsbotschaft hinnehmen,  denn der VfL Wolfsburg muss mehrere Wochen auf den ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger verzichten. Der Mittelfeldspieler, der in England aufgrund seines strammen Schusses einstmals "The Hammer" genannt wurde, muss sich nach Angaben des Klubs einer Knieoperation unterziehen. Wegen seiner Meniskusprobleme war der 29-Jährige zuletzt ohnehin nur zu Kurzeinsätzen im Team gekommen. Wenn da mal der Felix nicht wieder einen Grund hat, in der nächsten Transferperiode ein wenig in der Kathegorie der Ladenhüter shoppen zu gehen. Da kriegt das Zitat vom Wiedenbrücker Wurstfabrikanten wieder neue Nahrung, denn  die Golfsburger könnten bald tatsächlich schon mal einen Gelenkbus für ihre Mannschaft bestellen, damit alle mitkommen.

Öffnet externen Link in neuem Fenster Zur Pressekonferenz Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter, 3.11.2011



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