Liaber hongrig ens Bett als mit Schulda uffstanda

Der Schwabe ist geizig und behält sein Geld lieber bei sich. Scherzhaft formuliert soll ein Schwabe sogar den Kupferdraht erfunden haben, weil er ein Pfennigstück so lange in der Hand umgedreht hat, bis es lang und dünn wie Draht wurde. Was beim Schwaben generell eher als Übertreibung eines Klischees gesehen werden darf, ist beim kommenden Gegner VfB Stuttgart schon nah an der Wirklichkeit. „Lieber hungrig zu Bett gehen, als mit Schulden aufwachen.“ Unsere schwäbische Überschrift scheint auch Maxime beim VfB zu sein, denn kaum ein Verein hat in den letzten Jahren derart hohe Transfererlöse erzielt, aber dafür trotzdem wenig ausgegeben.  Letztmals in der Saison 2007/08 waren die Transferausgaben höher als die Einnahmen. Dies war damals durch den Transfer von Ciprian Marica für sieben Millionen Euro begründet. Nach diesem Reinfall ist man offenbar vorsichtig geworden am Neckar. Danach gingen Mario Gomez für 30 Mio. Euro, Sami Khedira für 14 Mio. und zuletzt Christian Träsch für 9 Mio. Alle drei Spieler kamen vom eigenen Nachwuchs  bzw. den Amateuren zu den Profis und wurden so letztlich vergoldet. Trotz der hohen Einnahmen weicht man von seiner Maxime nicht ab, setzt weiter nur vereinzelt auf teurer eingekaufte Spieler und gibt oftmals der Jugend den Vorzug. Die neue Generation der „jungen Wilden“ steht bereits in den Startlöchern oder hat sich etabliert: Torhüter Sven Ulreich, die Innenverteidiger Patrick Bauer und Ermin Bikakcic oder Stürmer Christoph Hemlein haben den Sprung schon geschafft oder sind im Begriff es zu tun Was beim BVB erst durch finanzielle Zwänge entstand, ist beim VfB natürlich gewachsen: Eine vorbildliche Jugendarbeit, die sich nicht zuletzt durch insgesamt elf A-Jugend- und U19-Meisterschaften dokumentiert wird. Trotzdem war man von Fanseite nicht zufrieden, zu wenig Konstanz herrschte beim VfB in den letzten Jahren. Ist man traditionell eher ein Club, der um die internationalen Plätze mitspielen müsste,  geriet man nach der Meisterschaft 2007 des öfteren in Abstiegsgefahr. Die Trainerwechsel wurden häufiger, die Fans unruhiger. Man fragte sich, möglicherweise zu Recht, ob wirklich alle Transferüberschüsse in den Stadionumbau fließen müssen, ob man nicht doch zu defensiv auf dem Transfermarkt agierte. Mit dem Duo Bruno Labbadia und Fredi Bobic scheint nun wieder Konstanz auf den wichtigen Positionen zu herrschen, so dass die Schwaben wieder zum ernsthaften Gegner für die Top Clubs reifen, auch wenn große Transfers vor der Saison wieder ausblieben. Vor dem Spiel gegen den BVB bangen die Stuttgarter um Innenverteidiger Serdar Tasci und Nationalstürmer Cacau, die beide angeschlagen aus der erfolgreichen Pokalpartie gegen den FSV Frankfurt gingen. Auf BVB-Seite wird wohl der Kader des Pokalspieles gegen Dresden zur Verfügung stehen, die Wehwehchen von Sebastian Kehl und Sven Bender sollten bis zum Samstag auskuriert sein. Mit einem Sieg im Stuttgarter Neckarstadion könnte der BVB die Position auf Rang Zwei festigen, bevor in der Champions League gegen Piräus der letzte Strohhalm in Sachen Teilnahme an der K.O.-Phase ergriffen werden soll. Manuel Gräfe wird die Partie leiten und hoffentlich auch seine Steuererklärung richtig ausgefüllt haben. Ansonsten wird er eines Morgens „mit Schulda uffstanda“, mit Steuerschulden allerdings.  Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJulian Bräker, 28.10.2011 Öffnet externen Link in neuem Fenster>> zur Pressekonferenz


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