Die Kurzarbeiter des BVB

Jeder kennt die Situation am Tresen: Beim Bierchen wird über die beste BVB-Elf aller Zeiten gestritten oder heruntergebetet, wer die meisten Tore geschossen hat. Na klar, weiß ein echter Schwarzgelber, dass Michael „Susi“ Zorc mit 463 Spielen die meisten Bundesligaspiele für die Borussia gemacht hat. Nach dem Dauerbrenner und heutigem Sportdirektor kommt in der Statistik mal lange gar nichts: Kultverteidiger Dede brachte es nämlich „nur“ auf 322 Einsätze für Schwarzgelb und hat damit am zweithäufigsten seine Knochen für den Verein hingehalten.

Und dass das Schlitzohr Manni Burgsmüller mit 135 Toren der Erfolgreichste im schwarzgelben Dress war, wissen die Jungs auch nach drei Bier ohne Mühe. Selbst die Frage nach dem Spieler aus dem aktuellen Kader mit den meisten Bundesligaeinsätzen kann jeder durchschnittliche Fan wie aus der Pistole geschossen beantworten: Roman Weidenfeller. Der hütete mittlerweile schon 252-mal das BVB-Tor. Ebenfalls noch eine zwei vorn hat Kapitän Sebastian Kehl, der bislang 213-mal die Schuhe für Borussia schnürte.

Doch auch nach vier Bier fällt niemandem ein, wer dann wohl am wenigsten Spiele für den BVB absolviert hat. Wer waren die „Kurzarbeiter“ in schwarz-gelb in 50 Jahren Bundesliga? Die Kirsche hat nachgeschaut und liefert jedem Fan das Wissen für die Zeit nach dem fünften Bier.

Nico HillenbrandDen allerkürzesten Bundesligaeinsatz für Borussia Dortmund in 46 Bundesligaspielzeiten hatte Harald „Toni“ Schumacher. Seine „Karriere“ dauerte beim BVB ganze zwei Minuten. Im Meisterschaftsfinale 1996 wurde Toni im Alter von 42 Jahren beim 3:1-Sieg über den SC Freiburg eingewechselt. Insgesamt kam Schumacher auf 464 Bundesligaeinsätze, aber für den BVB waren es eben nur diese zwei Minuten – natürlich plus anschließender Meisterfeier.

Ebenfalls nur ein Kurzarbeiter war Stephan Ritz. Nie gehört? Das ist durchaus entschuldbar, der Stürmer aus dem Sauerland hockte eigentlich nur auf der Bank und bekam lediglich vier Minuten Einsatzzeit bei der 1:3-Niederlage im Oktober 1989 in Stuttgart. Er löste kurz vor dem Duschen die „Kobra“ Wegmann ab und hinterließ auch weiter keinen weiteren tiefen Eindruck. Ritz wechselte schließlich zum SC Verl.

Fast doppelt so lange auf dem Bundesligarasen stand Christian Eggert. Der absolvierte immerhin 50 Spiele für die zweite Mannschaft des BVB. In der ersten Liga langte es gerade mal zu sieben Minuten im Juli 2007 bei der 0:4-Niederlage in Wolfsburg. Dieses Spiel ist in unsrer Betrachtung von besonderer Bedeutung, denn noch eine „Eintagsfliege“ der Dortmunder Bundesligageschichte kam hier zum Einsatz. Stolze 24 Minuten durfte Nico Hillenbrand im gleichen Spiel vor den Ball treten und Bundesligaluft schnuppern. Danach war es das auch für ihn mit der Bundesliga in schwarz-gelb.
Christian Eggert
Immerhin noch 09 Minuten spüren was Bundesliga bedeutet, durfte Wolfgang Homberg im März 1993. Er wurde für Michael Lusch kurz vor Schluss beim 3:1 Heimsieg über Kaiserslautern eingewechselt.

Doch nicht nur so kurze Einwechslungen gab es. So hat Hans-Jürgen Kurrat, der Bruder von „Hoppy“ Kurrat, am 21. September 1963 sogar das 1:0 beim späteren 3:1-Sieg in Karlsruhe erzielt. Trotzdem schaffte Hans-Jürgen nur ein einziges Bundesligaspiel, während Hoppy sogar 247-mal für den BVB auflief. Auch Dirk Hofmann durfte ein ganze Spiel für den BVB ran. Im Juni 1991 stand der Verteidiger über 90 Minuten beim 5:2 über St. Pauli auf dem Rasen des Westfalenstadions. Im Kicker schaffte er sogar die Note 2 und wurde doch nie wieder in der Bundesliga eingesetzt.

Weitere Besonderheiten?! Alexander Bade stand eine Halbzeit zwischen den Pfosten und musste ausgerechnet eine Derbypleite hinnehmen – schlimmer geht’s eigentlich nimmer. Oder dann war da noch Michael Griehsbach. Michael Griehsbach Der Innenverteidiger wurde beim Stande von 1:2 in Köln für den großen Rolf Rüssmann zur zweiten Halbzeit eingewechselt und ging dann mit seiner Mannschaft unter. Noch vier Mal klingelte es im BVB-Gehäuse und schon war die Bundesligakarriere von Griehsbach zu Ende.
Ach ja und dann war da noch Bernd Krauss. Der Mann aus Dortmund-Schüren konnte sich beim BVB weder als Trainer, geschweige denn als Spieler durchsetzen: Ganze 16 Minuten Spielzeit schaffte er 1977 bei der 1:2 -Niederlage zu Hause gegen Köln. Danach ging er nach Österreich, wurde dort mit der "Ruhrpottschnute" sogar Nationalspieler und spielte anschließend für die „falsche“ Borussia vom Niederrhein noch 167 Mal in der ersten Liga. 23 Jahre nach seinem Kurzeinsatz auf dem Rasen kehrte Krauss dann als Trainer zurück. Da brachte er es allerdings auch nur auf 11 Spiele und einer desaströsen Bilanz.

Insgesamt 21 Kicker haben bislang jeweils ein Spiel für den BVB in der Bundesliga absolviert. Von zwei bis zu 90 Minuten. Der letzte war Bálint Marcel Bajner, der in der abgelaufenen Saison einmal die Schuhe schnüren durfte.

Wer also jetzt bei der nächsten Runde am Tresen mit besonderem schwarzgelbem Wissen glänzen möchte, erwähne den Mann mit den wenigsten Spielminuten für den BVB in der Bundesliga und verblüffe seine Mittrinker. Prost! Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailAndreas Römer, 26.6.2013




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