Der Älteste im Ältestenrat wird 85 – Herzlichen Glückwunsch, Alfred Niepieklo!

Ein Dasein zwischen Gefangenschaft, Befreiung und „Harmonie“ - aber nie ohne Fußball -charakterisiert das Leben von Alfred Niepieklo. Noch als 17-jähriger kriegsverpflichtet, dann aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrt, war die erste Deutsche Fußballmeisterschaft mit dem BVB 1956 „wie eine Befreiung“ für Niepieklo. Und sie war ein Erfolg der Harmonie – „Jeder stand an seinem Platz und wusste, was er für sich, für den anderen und für die Mannschaft zu machen hatte.“ Niepieklo war ein Fußballspieler der Extraklasse – und ein Fußballspieler mit einem Wahlspruch: „Ohne Harmonie bist du auf dem Platz verloren!“.

Er wurde am 11. Juni 1927 in Castrop-Rauxel Bladenhorst geboren und wagte 1951 den Schritt von Castrop 02 zur Dortmunder Borussia. Neun Jahre ackerte und kämpfte, spielte und brillierte unser heutiger Jubilar für die Schwarzgelben vom Borsigplatz.

Grade einmal 15 Kilometer liegen zwischen seinem Geburtsort und dem Platz seiner großen Erfolge. Ein „Katzensprung“ zu den seinerzeit intensiv um ihn werbenden  „Blauen“ einerseits  und der Ausstrahlung der  Schwarz-Gelben andererseits.

„Die Konkurrenz zwischen den beiden Vereinen war damals noch nicht so ausgeprägt wie heute. Schalke hatte den Stadtrivalen Horst-Emscher und Dortmunds Erzrivale zu dieser Zeit war Erkenschwick. Erst Jahre später ging es von den Zuschauern aus los, die Rivalitäten etwas zu schüren“ blickte Niepieklo später zurück.

Schmunzelnd erinnert er sich heute noch an die 37. Begegnung beider Revier-Rivalen am 26. November 1955, als er in diesem prestigeträchtigen Duell das insgesamt 50. Derby-Tor für den BVB erzielte. Es fiel in der 81. Minute und markierte den 2:0-Zwischenstand beim 3:1-Sieg derer aus der „Roten Erde“ auswärts in der Glückauf-Kampfbahn.

Sein Trickreichtum, seine präzisen, oft überraschenden Anspiele und seine Torgefährlichkeit sicherten Niepieklo über all die Jahre seinen Stammplatz. Schon in seiner ersten Saison erzielte der gebürtige Castroper 19 Treffer. „Ich war scharf auf Tore!“ kommentierte er das später.  

Genauso gern wie an seine Treffer denken alle, die Niepieklo spielen sahen, an seine Flanken und seine unberechenbaren Eckbälle zurück, die mit dem linken Fuß geschlagen genauso stark waren wie mit dem rechten.

Mit Alfred „Adi“ Preißler (seit 1952 bei Borussia) und Alfred „Freddy“ Kelbassa (seit 1954) wurde das Glück für den halblinken Stürmer perfekt.  Als die „Drei Alfredos“ gingen sie in Analen des Ballspielvereins vom Borsigplatz und der deutschen Fußballgeschichte ein.

Doch Ruhm will verdient sein und ohne Fleiß kein Preis. Rückblickend gibt das heutige „Geburtstagskind“ zu: „Die Mannschaft brauchte ihre Zeit, bis sie zusammenwuchs. Das kam nicht von heute auf morgen“. Dabei erinnerte er sich sicherlich an die Gruppenspiele zur Deutschen Meisterschaft 1953 gegen den VfB Stuttgart, aber wohl auch an den unglücklichen Verlauf der Westmeisterschaften 1954 und 1955.

Alfred Niepieklos  Handeln und Streben nach Harmonie wurde geprägt von seinem Respekt gegenüber seinen Mitspielern. Max „Spinne“ Michallek charakterisierte er einst als Ausnahmekönner, der auch im Stehen Fußball spielen und mit dem Ball machen konnte, was er wollte. Aber auch die „Arbeiter“ im Team würdigt er ob ihrer Verdienste um das erfolgreiche Spiel:  „Läufer, wie Bracht auf links oder Schlebrowski auf rechts, schufen damals die Voraussetzungen für unseren Spielaufbau, schleppten die Bälle und vorne waren wir dann mit „Adi“ Preißler, unserem Lenker in der Offensive, zur Stelle, um die Dinger zu verwerten (…) Das harmonierte, da lief einer für den anderen, und jeder gestand dem anderen auch seine Qualitäten zu. Trainer Helmut Schneider wollte nur, dass wir marschierten und ließ uns gewähren. So sind wir bis zur Deutschen Meisterschaft marschiert.“

Alfred Niepieklo verschweigt dabei bescheiden seinen herausragenden Anteil an den Endrunden zu den Deutschen Fußball-Meisterschaften von 1956 und 1957. Mit 15 von 34 derzeit erzielten Toren hatte der Torschützenkönig der Oberliga West 1956 (24 Treffer) einen massiven Anteil am Höhenflug des BVB. Insgesamt traf Niepieklo in 173 Spielen für Borussia 104 mal, ganze dreimal netzte er in sieben Matches bei europäischen Wettbewerben ein.

Auch wenn die Erfolge auf internationalen Parkett noch „bescheiden“ blieben, die Spielfreude und den Spielwitz registrierte man vor allem im „Mutterland des Fußballs“. Es war daher nicht verwunderlich, dass die Mannen um BVB-Trainer Helmut Schneider regelmäßig zu Trainingseinheiten nach England flogen und unser „Altmeister“ erinnert sich mit strahlenden Augen an diese erfolgreiche Zeit: „Wir haben die Gegner damals schwindelig gespielt.“

Hart hatte sich die Borussen-Elf diese Spielkunst erarbeitet. Zwischen den Oberliga-Spieltagen seien sie fast jede Woche zu Freundschaftsspielen nach England geflogen, „Das Ergebnis“, so Niepieklo, „waren die Meisterschaften 1956 und 1957.“

Im Einfamilienhaus im Castrop-Rauxeler Stadtteil Frohlinde wird Ehefrau Liesel nicht nur heute alle Hände voll zu tun haben, denn einer wie Alfred – für den schon früher die Leute in der Straßenbahn zusammenrücken mussten, damit er mitkam und der BVB überhaupt spielen konnte – bleibt unvergessen.

Die gesamte Redaktion von Gib mich DIE KIRSCHE wünscht Dir, lieber Alfred, dem ältesten noch lebenden Spieler aus unserer legendären Meisterelf von 1956 und 1957, einen wunderschönen Tag voller Erinnerungen in gemütlicher Runde mit Familie, Freunden und sicherlich vielen Gratulanten.

Wie wichtig Harmonie in der Mannschaft für den gemeinsamen Erfolg ist und wie richtig auch heute noch Dein legendärer Ausspruch von damals ist („Ohne Harmonie bist du auf dem Platz verloren“), sieht man auch am Spiel der aktuellen Elf unserer Borussia.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailRoland Katzer, 11.06.2012



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