Thomas Kroth - Seriosität hat ihren Sitz in Hörde

Unweit des Phönix-Sees in Dortmund-Hörde hat die Agentur PRO profil ihr Büro. Zwischen mehreren Telefon-Gesprächen, Meetings und stets mit einem Auge auf seinem Email-account findet Agentur-Inhaber Thomas Kroth Zeit unsere Fragen zu beantworten. Mit Shinji Kagawa, Moritz Leitner, Florian Kringe und Julian Koch betreut die Agentur gleich vier Spieler aus dem vergangenen Meisterjahrgang von Borussia Dortmund. Nach dem Wechsel von Dortmunds schnellstem Japaner zu Manchester United stellt sich die Herbert-Grönemeyer-Frage: Bleibt wirklich alles anders? Die Kirsche fragt nach bei einem der deutschlandweit am meisten geachteten Berater-Persönlichkeiten.

Hallo Thomas Kroth. Sie spielten selber in über 250 Partien in der 1. Bundesliga. Von 1978 bis 1990 waren Sie für den 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, den Hamburger SV und Borussia Dortmund unter Vertrag. Was haben  Sie aus diesen Wechseln gelernt, was Sie noch heute in ihrer Funktion als Berater an Ihre Spieler weiter geben können?

Thomas Kroth: Puh, da fangen Sie gleich mit einer ganz schwierigen Frage an. Die Wechsel waren ja von mir teilweise nicht gewollt. Als ich zum Beispiel von Frankfurt nach Hamburg ging, war der Fall, dass die Eintracht dringend das Geld brauchte, zumal ich zu dem Zeitpunkt gerade Nationalspieler geworden war – und da stand schon die Transfersumme, so kam mir das damals zumindest vor, im Vordergrund. Der HSV war damals keine schlechte Adresse, deswegen habe ich das auch gemacht. Dann hatte ich den Eindruck, dass der damalige Hamburger Trainer auch nicht unbedingt auf mich setzte, obwohl ich das mit dem heutigen Wissen auch etwas differenzierter sehe, so dass ich dann auf eigenen Wunsch nach Dortmund gewechselt bin.

Im Januar 1985 spielten Sie ihr einziges Länderspiel gegen Ungarn, es ging im Hamburger Volksparkstadion 0:1 verloren. Trainer Franz Beckenbauer brachte sie in der zweiten Halbzeit für Olaf Thon, welche Erinnerung haben Sie an dieses Spiel?

An diese Partie erinnere ich mich noch, na klar. Das Spiel fand auf gefrorenem Boden statt, denn damals gab es keine Rasenheizung. Da sind wir eigentlich mehr Schlittschuh gelaufen, als dass wir Fußball gespielt haben. Außerdem war dieses Spiel ja eine Benefiz-Aktion. Damals gab es ein Barkassen-Unglück im Hamburger Hafen, wo 19 Menschen tödlich verunglückt sind und die Einnahmen sind komplett an die Hinterbliebenen gegangen. Für mich stand dieses Länderspiel unter keinem guten Stern. Das war kein besonders guter Einstand, es war auch direkt mein letztes Länderspiel.

Eigentlich schade...

Wobei ich aber glaube: hätte  ich mich damals nicht so schwer am Knie verletzt, wäre vielleicht ein bisschen mehr drin gewesen. Denn zu allen Qualifikationsspielen der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko stand ich im Kader. Dann kam eine eigentlich relativ harmlose Meniskus-Operation auf mich zu. Anschließend hatte ich eine bakterielle Entzündung im Knie, die mich relativ lange außer Gefecht gesetzt hat. So ein bis anderthalb Jahre war das noch ein wenig problematisch, aber ich war damals froh, dass ich überhaupt wieder Fußball spielen konnte. Im Jahr darauf kam noch eine Operation und ich glaube diese gesundheitlichen Handicaps haben mich einfach meine Nationalmannschafts- Karriere gekostet, sonst wäre ich wahrscheinlich 1986 mit bei der Weltmeisterschaft dabei gewesen.

Bei der Partie gegen Ungarn waren Spieler wie Karlheinz Förster, Hans-Peter Briegel, Rudi Völler, Lothar Matthäus oder Felix Magath – gibt es eigentlich einen aus dieser Riege dem sie beruflich gerne unter die Arme greifen würden?

Dieses Spiel ist ja jetzt auch schon über 25 Jahre her, alle Beteiligten sind auch 25 Jahre älter und durchweg gestandene Persönlichkeiten die keine Beratung in dem Sinne benötigen. 

Sie kamen 1988 als Spieler zum gleichzeitigen Zeitpunkt zum BVB wie Michael Rummenigge – können sie sich noch an den Spießrutenlauf erinnern, den Rummenigge bei den Fans machen musste, weil er den Beruf des Bundesliga-Spielers als etwas Elitäres inszenierte?

Na klar habe ich Erinnerungen daran. Michael hatte sich zuvor in einer Fernsehsendung etwas sehr unglücklich über den Beruf  eines normalen Arbeiters geäußert, eines Schlossers. Wir haben damals zusammen in einem Hotel gelebt, bis wir beide hier in Dortmund eine eigene Wohnung oder ein Haus hatten und hatten  dadurch schon einen sehr engen Kontakt. Wir haben sehr intensiv darüber diskutiert.

Wie Michael Rummenigge, der ja eigentlich aus Lippstadt kommt, haben Sie auch nach ihrer aktiven Karriere in Dortmund Fuß gefasst. Warum ausgerechnet hier?

Da gab es jetzt keinen Hauptgrund oder einen Masterplan, das hat sich einfach so ergeben. Wir hatten hier einen guten Bekanntenkreis und Freunde gewonnen – eigentlich hatte ich noch ein Angebot von einem anderen Verein, aber ich war auch schon das ewige Umziehen leid – das muss ich zugeben. Aus heutiger Perspektive betrachtet finde ich schon gut, wie sich mein weiteres Leben entwickelt hat. Ich glaube, ich habe das schon richtig gemacht im Alter von 31 meine Fußballer-Laufbahn zu beenden. Nach der aktiven Zeit habe ich mir hier meine berufliche Zukunft aufgebaut und bin damit sehr zufrieden, zumal wir uns in Dortmund auch sehr wohlfühlen.

Im November 1988 stellte der Dortmunder Trainer Horst Köppel Sie von der Offensive in die Defensive, wo sie dann neben Kutowski und Helmer Ihren Mann standen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Naja, das hat vielleicht damit zu tun, dass ich im Alter etwas lahmer geworden bin. (lacht) Nein, Scherz beiseite. Frank Pagelsdorf, der etatmäßige Libero, war länger verletzt und so kam diese Umstellung zustande.



Sie sind dreimal Pokalsieger geworden: 1981 mit Frankfurt, 1987 mit dem HSV und 1989 mit dem BVB. Doch neben dem Fußball haben Sie sich mit der Ausbildung zum Industriekaufmann schon recht früh auf ein zweites Standbein gesetzt...

Beim 81er Pokalsieg von Frankfurt war ich nicht dabei, zu dem Zeitpunkt spielte ich noch in Köln. Richtig ist, dass ich frühzeitig mit  zahlreichen Kursen, Seminaren und Fortbildungen darauf geachtet habe, mich weiter zu entwickeln. Als Repräsentant habe ich zuerst für die Firma ‘Haus & Capital‘ in Wiesbaden gearbeitet, wo ich später geschäftsführender Gesellschafter wurde. Das daraus entstandene Unternehmen ‘creditweb‘ gibt es ja heute noch und es agiert sehr erfolgreich.

Wie kam der Schritt zur Berater-Tätigkeit?

Mit vier bis fünf Spielern habe ich angefangen, die ich über die Jahre hinweg betreut habe. Dann wurden es stetig mehr. Ein Wendepunkt war das Jahr 2004, da habe ich mich dann zum Ende des Jahres voll auf meine Agentur PRO profil und meine Tätigkeit als Vermittler konzentriert.

Sie sind bekannt dafür, den Fußball in Japan sehr gut zu kennen – wie kam es dazu?

Mein erster Kontakt nach Japan kam über Yasuhiko Okudera, mit dem ich von 1978 bis 1981 beim 1. FC Köln zusammen spielte. Der lotste im Jahr 1993 Pierre Littbarski nach Japan zu dem Verein JEF United Ichihara Chiba, er selbst war damals Manager bei einem japanischen Erstligisten. So hatte ich dann den direkten Kontakt zu Japan, ich war damals beim Abschiedsspiel von Littbarski dabei. Daraus haben sich dann weitere Schritte entwickelt. Ich hab dann Spieler wie eben Michael Rummenigge, Reinhard Stumpf oder Ned Zelic nach Japan transferiert, sogar Lothar Huber habe ich als Trainer zu Littbarski gebracht. Naohiro Takahara war dann der erste Spieler der im Jahr 2003 im Umkehrschluss aus Japan in Deutschland beim HSV untergekommen ist, später spielte er ja dann noch bei Eintracht Frankfurt.

Was ist besonders mühsam bei einem Wechsel von einem zum anderen Kontinent?

Man darf diese Umstellung nicht unterschätzen, wenn man von Japan  nach Deutschland kommt – das ist hier ein völlig anderer Kulturkreis, da braucht man als junger Mensch schon eine gefestigte Persönlichkeit, um mitzukommen. Auch achte ich darauf, dass die Spieler mit dem Wechsel wirklich einverstanden sind, dass derjenige das auch wirklich will – und nicht, dass ihm das von irgendjemand aufgedrängt wurde. Wenn ich mir dann in vielen Punkten sicher bin, empfehle ich ihn und verfüge aus der langen Erfahrung heraus über ein recht gutes Netzwerk. Seit dem Wechsel von Takahara arbeite ich mit langjährigen Partnern zusammen. Ich stelle den Spielern ja nicht nur einen individuellen Dolmetscher zur Verfügung, sondern unterstütze Sie auch mit den unterschiedlichsten Dienstleistungen – häufig in enger Zusammenarbeit mit den Clubs. Also beispielsweise bei Dingen wie dem Erwerb von einem Auto, einer Wohnung bis hin zum Handy-Vertrag. Wenn man die Spieler gut unterstützt, spricht sich das natürlich rum. Wenn Sie dann die letzten Auftritte der japanischen Nationalmannschaft sehen, waren da 7 oder 8 Spieler dabei, die wir hier nach Deutschland vermittelt haben. Wenn dann unsere Agenturleistung positiv weitergeleitet wird, dass die Spieler mit ihren Wechseln zufrieden sind, ist das natürlich eine gute Visitenkarte für unsere Arbeit.

Öffnet externen Link in neuem FensterThomas Kroth

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPeter Hesse, 23.06.2012

Im zweiten Teil sprechen wir mit Thomas Kroth über Nuri Sahin, Moriz Leitner, Julian Koch und natürlich über Abwanderer Shinji Kagawa...




Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund