Bambule, Randale, die BVB-Amas haben auch 'ne Schale!

Aus dem Stadion am Zoo berichten 
Jan Kusenberg und Jens Matheuszik
  

Die Ausgangsbedingungen waren klar - um den Tabellenplatz 1 zu sichern und aus eigener Kraft aufzusteigen musste der BVB II "nur" gewinnen (siehe auch den Öffnet externen Link in neuem FensterVorbericht der Kirsche), denn dann wäre auch das Ergebnis des Spiels in Lotte egal, denn am dortigen Autobahnkreuz machten sich die sportlichen Freunde doch noch Hoffnung. Es kam jedoch - trotz Störmanövern aus Lotte bezüglich der angeblichen Spielmanipulation von Rot-Weiss Essen - dann doch so, wie man es sich beim BVB erhofft hatte, denn mit dem Aufstieg in die 3. Liga konnten die Schwarz-Gelben das Triple holen - nach der Deutschen Meisterschaft 2011/2012 und dem DFB-Pokal 2011/2012 auch das Triple mit der Meisterschaft in der Regionalliga West 2011/2012 und damit verbunden den Aufstieg in die 3. Liga (für die Saison 2012/2013). 

BVB II-Coach David Wagner, der sich nach dem Spiel als größter Fan seiner eigenen Mannschaft bezeichnete, baute auf das selbe Team wie in der Vorwoche beim Öffnet externen Link in neuem FensterSpiel des BVB II gegen die Zweitvertretung des VfL Bochum. So blieb auch Johannes Focher im Tor, wobei Zlatan Alomerovic nach seiner leichten Verletzung wieder auf die Bank zurückkehrte.

Obwohl Wuppertal als eine der regenreichsten Städte Deutschlands gilt herrschte bestes Fußballwetter bei strahlendem Sonnenschein und das augenscheinlich mehrheitlich schwarz-gelb dominierte Stadion am Zoo (rund 5.000 Fans des BVB waren vor Ort - das mal zu dem Vorwurf, dass die Zweitvertretungen der Bundesliga-Clubs keine Fans mitbringen!) war mit 7.086 Zuschauern auch gut gefüllt. Leider hatte der Stadionsprecher morgens keine Piraten, sondern einen Clown gefressen und kündigte daher die nicht gefressenen Piraten an, die vor Spielbeginn das inzwischen (oder schon immer?) nervige "Nossa, Nossa" in einen vermeintlichen EM-Stimmungshit namens "Hossa, Hossa (Deutschland, wir werden Europameister)" umdichteten. Die politischen Piraten würden sich wahrscheinlich dagegen wehren mit dieser Gesangscombo in Verbindung gebracht zu werden - denn die Zustimmungsquote hier lag dann doch deutlich unter der 5 %-Hürde.

Schon vor Beginn des Spiels waren die Dortmunder Fans auf der Wuppertaler Südtribüne deutlich vernehmbar zu hören, wobei man den zahlenmäßig anscheinend unterlegenen Fans des Wuppertaler SV zugestehen muss, dass sie das aus der Bundesliga bekannte Aufsagen der eigenen Mannschaft im Wechselspiel mit dem Stadionsprecher hinbekommen haben - etwas, was man aus der Roten Erde, wo der BVB II spielt, eher nicht kennt. Aber natürlich kannten die Dortmunder Anhänger hier dann doch auch die "wahren" Namen der Wuppertaler Spieler…

Direkt zu Beginn der ersten Halbzeit versuchte Wuppertals Kapitän Tom Moosmayer einen Freistoß von rechts im Dortmunder Tor zu versenken, aber das war kein Problem für Johannes Focher der den Ball gekonnt hielt. Das sich die beiden Mannschaften nichts schenken würden war klar und so erfolgten die ersten Dortmunder Angriffe stante pede, doch weder Terrence Boyd (nach Vorlage von Jonas Hofmann) noch der köpfende Marcel Halstenberg (nach Pass von Ivan Paurevic) hatten das Glück zum Abschluss - bzw. vielmehr Wuppertals Torwart Christoph Semmler hatte Glück.

Zwischenzeitlich wurde von der Südtribüne noch "Tod und Hass dem S04" skandiert und normalerweise wäre das ja nicht unbedingt angemessen - aber angesichts der Tatsache, dass die in Wuppertal ansässige Westdeutsche Zeitung (WZ) im Live-Ticker zum Spiel für die Gastmannschaft aus Dortmund ein königsblaues Logo präsentierte (siehe Öffnet externen Link in neuem Fensterhier und Öffnet externen Link in neuem Fensterhier) und ein entsprechendes Banner auch auf der eher spärlich besetzten Nordtribüne der Wuppertaler zu sehen war, passte es ja vielleicht doch…

Mit der dritten Dortmunder Torchance setzte der BVB II ein erstes Ausrufezeichen im Spiel, denn Mario Vrancic gelang es aus ungefähr 20 Meter Entfernung einen Freistoß über die Wuppertaler Mauer ins rechte Toreck zu schießen - mit dem 1:0 in der 8. Spielminute festigten die Dortmunder ihren Anspruch auf die Tabellenführerschaft! Leider musste der Wuppertaler Stadionsprecher die BVB-Fans dann ermahnen, dass das Abzünden von Feuerwerk unsportlich sei - denn die Pyrotechnikdiskussion musste leider noch um das Kapitel des Aufstiegsspiels erweitert werden, als neben Knallkörpern auch Rauchbomben gezündet wurden. 

Die Wuppertaler hatten nach einer von links gespielten Ecke fast im Anschluss zum Führungstreffer die Chance auf den Ausgleich, aber eine solide Parade von Ivan Paurevic hielt den Dortmunder Kasten sauber. Als in der 16. Spielminute nach Vorlage von Mario Vrancic der Dortmunder Rekordtorschütze Terrence Boyd zum 2:0 traf, sah das schon wie der sichere Aufstieg aus. Doch Wuppertal gab sich nicht geschlagen und Christian Knappmann, der Rekordtorschütze in der gesamten Regionalliga West, hätte in der 20. Spielminute beinahe den Anschlusstreffer erzielt, schoss jedoch rechts am Tor vorbei. Den Freistoß eine Minute später durch Wuppertals Moosmayer hielt Focher jedoch ohne Probleme.

Wuppertal gelang dann doch noch der Anschluss - jedoch ein wenig auf Einladung der Dortmunder, denn Jonas Hofmann kassierte eine gelbe Karte, weil er das Trikot eines Wuppertaler Gegenspielers so sehr mochte, dass er es festhielt und dafür den entsprechenden Karton präsentiert bekam. Den darauf folgenden Freistoß wuselte Daniel Flottmann irgendwie ins Tor, so dass es in der 33. Spielminute plötzlich nur noch 2:1 stand. In den folgenden fünf Minuten waren die Wuppertaler näher dem Ausgleich als die Dortmunder dem Ausbau der Führung und hatten gleich zwei größere Chancen nach Standardsituationen (Ecke, Freistoß). Doch auch wenn der WSV gerade einen etwas besseren Lauf hatte, war dem BVB II das Glück vergönnt das beim Fußball entscheidende zu machen - ein Tor. Nach einem Freistoß von Ensar Enes Baykan gelang es Jonas Hofmann in der 40. Spielminute den Ball zum 3:1 im langen Eck des Wuppertaler Tores zu verwandeln. Zwar gab es noch auf Wuppertaler Seite zwei, drei kleinere Chancen, aber keine davon wirklich zwingend. Mit dem Ergebnis von 3:1 aus Dortmunder Sicht endete dann auch die erste Halbzeit, während es übrigens bei der Partie am Autobahnkreuz weiterhin 0:0 bei den Sportfreunden Lotte gegen den SC Wiedenbrück stand. In den ersten 45 Minuten des letzten Spieltages der Regionalliga West war Borussia Dortmund II eine dreiviertel Stunde lang schon der klare Aufsteiger in die 3. Liga.

Aufgrund der angeblich großen Beliebtheit der Piratencombo in Schwarz-Rot-Gold durften diese in der Halbzeit noch einmal ihr Hossa, Hossa präsentieren - diesmal vor der Südtribüne. Auch wenn der Stadionsprecher aus Wuppertal sehr freundlich dem BVB gesonnen war und den beiden anwesenden Gästen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc nicht nur über die Wuppertaler Werbebande sondern auch per Ansage zum Double gratuliert wurde - die schwarz-gelben Fans ließen sich nicht davon überzeugen, den vermeintlichen Stimmungshit mitzusingen. Ob man deswegen danach unbedingt "Wuppertal Asozial" skandieren muss sei aber mal dahingestellt…

Mit ein wenig Verspätung begann dann die zweite Halbzeit und für die Dortmunder hätte es lieber doch noch später angefangen, denn keine Minute nach dem Wiederanpfiff gelang es in der 46. Spielminute dem überaus stark spielenden Maciej Zieba den Ball von links kommend in die Mitte des Dortmunder Strafraumes zu spielen, wo sich Marco Quotschalla für die Vorlage mit einem direkten Schuss aufs Tor und dem 3:2 bedankte. Irgendwie hatte man den Eindruck, dass der WSV in der 2. Hälfte mit einer anderen Mannschaft oder aber mit einer anderen Taktik auf's Spielfeld kam, denn während in der ersten Halbzeit der BVB II dominierte sah es jetzt anders aus. Die Dortmunder Abwehr nahm sich ein wenig ein Beispiel an der Wuppertaler Verteidigung und bot der jeweils gegnerischen Mannschaft mehr als genügend Chancen.

Doch der oft zitierte Fußballgott muss auf Seiten der Dortmunder gewesen sein, denn in der 56. Spielminute hatte Dortmunds Torhüter Focher Glück, dass die Wuppertaler einen Abpraller von ihm nicht nutzen konnten. Im direkten Gegenangriff hatte erst Rico Benatelli die Möglichkeit von links auf das Wuppertaler Tor zu schießen. Jedoch scheiterte der Versuch aus dieser Position am Wuppertaler Torwart, doch der Rückpass an Jonas Hofmann war erfolgreich, denn dieser konnte den Nachschuss im Wuppertaler Tor zum 4:2 versenken, so dass der - aus Dortmunder Sicht - bequeme Torabstand wiederhergestellt war.

Das Ergebnis gefiel den Wuppertalern im Allgemeinen nicht, aber auch ganz speziell gefiel dies Robert Fleßers nicht, der beim Schiedsrichter reklamierte. Jedoch so sehr, dass der Schiedsrichter ihm den Karton mit der Wuppertaler Farbe (Rot) zeigte, was zugegebenermaßen nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Eigentlich hätte man bei dieser Spielsituation - Dortmund führte 4:2, Wuppertal nur noch zu zehnt auf dem Platz - davon ausgehen können, dass das Spiel gelaufen sei. Doch die beiden Mannschaften auf dem Platz wollten den tausenden Besuchern wohl ein ganz besonderes Fußballspektakel präsentieren: In der 59. Spielminute kam es zu einer unübersichtlichen Situation im Dortmunder Strafraum und der Schiedsrichter sorgte wieder für eine Spielwendung: Zwar hatte Dortmunds Marvin Bakalorz den Ball an der Hand - aber er wurde entsprechend aus kürzester Distanz angeschossen und noch ist die Technik nicht erfunden, die mal eben Arme und Hände wegbeamt, wenn sich ein Ball nähert. Doch so zeigte Schiedsrichter Sönder auf den Elfmeterpunkt (den gab es hier; es gibt da ja andere Plätze…) und Wuppertals Knappmann gelang es seinen Rekord auszubauen und den 30. Treffer zu erzielen - somit stand es in der 59. Spielminute plötzlich nur noch 4:3. Doch der 2-Tore-Abstand für den Aufstieg galt weiterhin - schließlich führte der SC Wiedenbrück zwischenzeitlich in Lotte 1:0. Da hatte sich der Wiedenbrücker Besuch im Trainingslager wohl doch gelohnt…

Zehn Minuten später sah es jedoch wieder anders aus, da Lotte den Ausgleich erzielte. Die Dortmunder Abwehr begann noch mehr zu schwimmen als zu Beginn der zweiten Hälfte und insbesondere Wuppertals Maciej Zieba konterte auf der linken Seite mehrfach die Dortmunder Verteidigung aus und konnte ungehindert torgefährliche Situationen verursachen, entweder durch eigene Abschlussversuche (wie in der 77. Spielminute als nur die härteren Nerven Fochers, der lange genug stehen blieb, das 4:4 verhinderte) oder aber durch entsprechende Pässe auf seine Mitspieler von links, denn auf dieser Seite herrschte für die Wuppertaler Angreifer quasi der Tag der offenen Tür.

Die Meisterschale der Regionalliga WestBeinahe sah es so aus, als ob in der letzten Viertelstunde des Spieles nur noch Auswechslungen als entscheidende Spielelemente zu verzeichnen gewesen wären (und eine gelbe Karte für Dortmunds Focher, der sich etwas Zeit ließ), aber in der Nachspielzeit gelang es dem Interims-Kapitän Mario Vrancic, der den verletzten Florian Hübner in diesem Amt vertrat, durch einen Konterangriff alles klar zu machen - mit dem 5:3 war alles klar und Borussia Dortmund II war aufgestiegen!

Das Lotte zwischenzeitlich gegen den SC Wiedenbrück führte war insofern nicht maßgeblich - wie es wohl auch aktuelle Diskussionsbeiträge aus Lotter Kreisen sind, die die Dummheit einzelner Spieler von Rot-Weiss Essen nutzen wollen, um jetzt noch irgendwie am grünen Tisch zu erreichen, das was ihnen auf dem grünen Platz nicht gelungen ist...

Die Feierei des gesamten Teams von Borussia Dortmund II mit den Fans auf der Südtribüne, die gemeinsam Lieder wie "BVB Zwei, BVB Zwei, in der Dritten Liga ohne Polizei" oder "Ballspielverein Borussia" intonierten, wurde nur durch das Überreichen der Meisterschale unterbrochen.

Die Verantwortlichen der Regionalliga West hatten diese neue Trophäe mit im Gepäck nach Wuppertal genommen und überreichten sie der Mannschaft rund um Mario Vrancic und Florian Hübner. In Lotte war übrigens nur ein Meisterschaftswimpel vor Ort...

Auf dem Platz feierten die Spieler und die Mannschaftsverantwortlichen - zum an Tagen wie diesen oft zitierten Platzsturm kam es nicht, was nicht an den Ordnern aus Wuppertal (und aus Dortmund!) lag, sondern an den Fans die lieber gemeinsam auf der Südtribüne ihre Mannschaft feierten.

Nach der Party auf dem Platz ging es gleich feucht-fröhlich weiter in der Kabine des BVB weiter und natürlich ließen es sich die Aufsteiger nicht nehmen auch mal eben die Pressekonferenz mit den beiden Trainern zu stürmen um dort auch zu feiern und zu singen. Da bei den Amateuren bekanntlich die Betonung auf der Zwei bei BVB II liegt, ließen es sich die Spieler auch nicht nehmen unter "BVB Zwei"-Rufen ein zweites Mal die Pressekonferenz zu "besuchen". 

Danach hörte es aber nicht auf, da die Party in der Kabine dann weiter ging - und das eine oder andere Haar von BVB II-Betreuern wurde da aufstiegs- und wettbedingt wegrasiert.

In Dortmund ging es dann erst beim Saisonabschluss im Kreuzviertel weiter, wo nicht nur die vier den BVB II verlassenden Spieler (Johannes Focher, Marc Klopp, Ivan Paurevic, Mario Vrancic; Marc Schnier fehlte, da er erkrankt war) geehrt wurden, sondern auch der Hit des DFB-Pokalfinales "Eieieiei…" auf die Sportfreunde Lotte umgedichtet wurde, bevor dann die Mannschaft den erfolgreichen Aufstieg in die 3. Liga in einer Dortmunder Disco ausklingen ließ.

 

Statistik zum Spiel 

Borussia Dortmund II: Focher, Halstenberg, Vrancic, Fring, Hofmann (70. Treude), Boyd (59. Ducksch), Baykan (82. Soltanpour), Bakalorz, Benatelli, Terzic, Paurevic.

Wuppertaler SV: Semmler, Fleßers, El Hammouchi, Moosmayer, Knappmann, Quotschalla (77. Abelski), Flottmann, Landers (75. Baltes), Schlieter, Herzenbruch (63. van der Bergh), Zieba.

Tore: 1:0 (Vrancic 8.), 2:0 (Boyd 16.), 2:1 (Flottmann 33.), 3:1 (Hofmann 40.), 3:2 (Quotschalle 46.), 4:2 (Hofmann 56.), 4:3 (Knappmann 59.), 5:3 (Vrancic 90.)

Schiedsrichter: Tim Sönder (Kiel)

Zuschauer: 7086

 

Gesammelte Berichte zum Saisonfinale von Borussia Dortmund II:
Nachfolgend aufgelistet sind die gesammelten Berichte zum Saisonfinale des BVB II und zum Aufstieg aus der Regionalliga West in die 3. Liga.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJan Kusenberg (Fotos), Jens Matheuszik (Bericht, Fotos) - 20.05.2012

 

 

 



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