Glücklicher und unverdienter Heimsieg der Amateure gegen FCK II

Aus der Roten Erde berichten 
Jens Matheuszik und Ines Wussow
Da in den vergangenen Wochen das Stadion wohl eher "Tote Erde" hätte genannt werden können (alternativ auch Eisige Erde) wurden die Heimspiele des BVB II immer wieder abgesagt. Auch die gestrige Partie stand zwar in allen möglichen Spielplänen, doch die Mitteilung der Stadt Dortmund über Twitter, wonach generell alle Sportplätze bis zum 26. Februar geschlossen bleiben, sorgte für ein wenig Verunsicherung. Doch nach kurzer Nachfrage konkretisierte die auf der Klaviatur des Web 2.0 virtuos spielende Pressestelle der Stadtverwaltung das ganze, erklärte die Rote Erde für bespielbar und gab auch gleich bekannt, dass man natürlich den BVB-Amateuren die Daumen drücken würde. Es waren jedoch wohl weniger die Daumen der twitternden Pressestelle, als die Daumen bzw. die Hände bzw. der gesamte Körper von Torwart Zlatan Alomerovic, die einen der leider seltenen Heimsiege der Borussen sicherten. Alomerovic war die bestimmende Person in diesem Spiel, und sicherte nicht nur den Sieg, sondern hielt auch noch netterweise die Gäste bei Laune und im Spiel.   Schon direkt mit dem Anpfiff begann das auf eher unschönem Boden stattfindende Spiel mit ersten Attacken der beiden Mannschaften, die sich nichts schenkten und so kam dann Alomerovic (den Namen liest man in diesem Bericht noch öfter!) gleich zu einer ersten schönen Parade. Quasi im fast direkten Gegenangriff zielte der wieder genesene - und inzwischen von US-Coach Jürgen Klinsmann zum Testspiel nach Italien berufene - Terrence Boyd auf den Kaiserslauterner Torhüter Marco Knaller, der diesen Ball noch einigermaßen abwehren konnte. Im Nachschuss gelang es jedoch dann Ensar Enes Baykan das 1:0 für den BVB II in der 8. Spielminute zu erzielen.

Auf dem offiziellen Spielbogen war für die Pfälzer ursprünglich ein "Becker, Boris" in der Startaufstellung gemeldet, doch für seinen Namensvetter, der früher durch Erfolge auf Wimbledons Grün auffiel (und jetzt mehr oder weniger - Betonung liegt auf weniger - toll seine Weisheiten ins Netz twittert), wäre der Platz nichts gewesen. Dieser Platz lud leider zu Blessuren ein und das Spiel war noch keine Viertelstunde alt, da lag schon der dritte Lauterner verletzt auf dem Platz bzw. in diesem Fall hinter dem Dortmunder Tor. Kurz zuvor hatte übrigens mal wieder Alomerovic eine Glanzsituation, als Andrew Wooten, der übrigens ein Nationalmannschaftskollege von Terrence Boyd ist, frei auf das Tor zulief und am souverän stehenden Alomerovic am Ausgleichstreffer gehindert wurde.

 

Im Nachgang zu einer Ecke von rechts foulte Kaiserslauterns Kapitän Denis Linsmayer den Profi Marvin Bakalorz im Strafraum und Schiedsrichter Bandurski zeigte auf den Elfmeterpunkt. Den Strafstoß verwandelte Terrence Boyd sicher zum 2:0 und Marco Knaller blieb nichts anderes übrig als ins Netz zu greifen. Leider war dies auch die letzte entscheidende Situation von Knaller, denn nach zwei weiteren Dortmunder Ecken von links fängt dieser den Ball, verliert ihn aber und geht aufgrund einer unglücklichen "Begegnung" mit einem eigenen Mitspieler zu Boden. Letzteres musste der Schiedsrichter dem lautstark "argumentierenden" Kaiserslauterner Trainer Alois Schwartz auch noch einmal deutlich mit auf den Weg geben, der in großer Rage alles mögliche von sich gab. Die Verletzung der Nr. 1 des FCK II war schwerer als ursprünglich gedacht, denn dieser wurde mehrere Minuten lang am Spielfeldrand auch von den zwischenzeitlich herbeigeeilten Sanitätern behandelt, bevor es dann auf der Trage direkt ins Krankenhaus ging (Verdacht auf einen luxierten Ellenbogen). Der Ersatztorhüter Chris Keilmann hatte für den Rest der ersten Halbzeit eigentlich kaum etwas zu tun, nur einmal wäre Terrence Boyd ihm beinahe gefährlich geworden und in der Nachspielzeit erzielte Ivan Paurevic zwar ein Tor, welches jedoch aufgrund einer Abseitsposition nicht anerkannt wurde. Währenddessen hatte sein Dortmunder Gegenüber Alomerovic jedoch einiges zu tun und vor allem Glück war es, welches in der 30. Spielminute dazu führte, dass Hendrick Zuck, der Bakalorz den Ball abluchsen konnte, nur die linke Latte mit seinem Fernschuss traf - wenige Zentimeter weiter und es hätte den Anschlußtreffer gegeben. 09 Minuten später ging der Ball dann doch ins Dortmunder Netz, doch nicht nur der BVB II kann Tore im Abseits schießen und so konnte Wooten seine Trefferbilanz doch nicht ausbauen und der BVB II mit einer 2:0-Führung in die Halbzeit gehen - ein Ergebnis was in dieser Form sicherlich etwas zu positiv für das Team von Coach David Wagner war.

 

In der zweiten Hälfte wurde der eher unscheinbar bis unglücklich spielende Ilkay Gündogan (der neben dem bereits erwähnten Marvin Bakalorz, Chris Löwe und Patrick Owomoyela heute bei den Amateuren spielte) gegen Rico Benatelli ausgewechselt und leider blieb auch das Glück, welches bisher Alomerovic so hold war erstmal in der Dortmunder Kabine, denn nach einer von rechts ausgeführten Ecke Hendrick Zucks hatte Alomerovic den einzigen Fehler des gesamten Abends gemacht, als er den Ball direkt vor die Füße des Pfälzer Stürmers Wooten fallen ließ - diese Einladung ließ er sich natürlich nicht nehmen und machte den 2:1-Anschlußtreffer in der 51. Spielminute. Das gerade noch positive Torverhältnis dieser Partie zu steigern war den BVB-Amateuren zwar weiterhin ein Ziel, aber die Bemühungen leider nicht von Erfolg gekrönt: Ob nun Konstantin Fring (Schuss über's Tor), Jonas Hofmann (Innenpfostentreffer) oder Marvin Ducksch (erfolgloses Lupfen am Torhüter vorbei) - die Dortmunder Offensive kam nicht weiter. Da jedoch das selbe auch für den FCK II zu berichten gilt, der trotz einiger sehr guter Chancen erneut an Alomerovic scheiterte, blieb es am Ende beim 2:1 für den BVB II. Mal endlich wieder ein Heimsieg der Amateure, deren Heimspielbilanz ungefähr so gut aussieht, wie die Rote Erde derzeit gut bespielbar ist. Ein Heimsieg übrigens der vor 570 Zuschauern gefeiert wurden, die jedoch zum größten Teil das ganze Spiel über ruhig waren, da sich die Fans aus Solidarität für einen schwer verletzten Kollegen zurückhielten und ihm per Banner beistanden. Zu den 570 Zuschauern zählten übrigens auch viele bekannte schwarz-gelbe Namen, hier seien einfach mal nur Hans-Joachim Watzke, Jürgen Klopp, Teddy de Beer oder Neven Subotic genannt - und auch Boris Rupert, der in Vertretung als Stadionsprecher fungierte.

 

2:1 für den BVB II - das war ein glücklicher Heimsieg, der sicherlich nicht ganz dem Spielverlauf entsprach. Doch der BVB II hat ja schon ganz andere Heimspiele hingelegt, in denen man klar und deutlich besser war und am Ende doch keine drei Punkte erzielte und insofern kann man das alles unter "Gerechtigkeit, ausgleichende" verbuchen. Mit diesem Sieg konnten sich Dortmunds Amateure in der Tabelle der Regionalliga West einen großen Sprung nach vorne erlauben - wiewohl dieses Zahlenwerk momentan angesichts noch vieler ausgefallener Spiele nicht wirklich aussagekräftig ist.
Statistik zum Spiel 
Borussia Dortmund II: Alomerovic, Fring, Paurevic, Owomoyela, Löwe, Gündogan (46. Benatelli), Bakalorz, Hofmann, Vrancic, Baykan (57. Ducksch), Boyd (74. Halstenberg). 1. FC Kaiserslautern II: Knaller (27. Keilmann), Rizzuto, Modica, Orban, Heintz, Himmel, Linsmayer, Saiti (79. Grammel), Zuck, Freyer (68. Pfrengle), Wooten.
Tore: 1:0 Baykan (8.), 2:0 Boyd (20.), 2:1 Wooten (51.)
Schiedsrichter: Christian Bandurski
Zuschauer: 570
Stimmen zum Spiel 
Alois Schwartz, Trainer des 1. FC Kaiserslautern II:

Das waren Platzverhältnisse - das war eher ein Sumpf! Schon am Samstag hatten wir bei der englischen Woche in Köln so einen Boden. Je länger das Spiel dann ging, da hat man dann auch gemerkt, das die Kraft zu Ende zu geht, wenn man immer hinterherlaufen muss.

Wir sind hinterher gelaufen, weil wir einmal nicht aufgepasst haben und weil wir an der Nr. 1 Alomerovic gescheitert sind. Wenn man in einem Spiel auswärts viermal alleine auf den Torwart zuläuft und dann mit leeren Händen nach Hause geht, dann ist das schon bitter. Ich muss meiner Mannschaft trotzdem ein Riesenkompliment machen, denn sie haben nie aufgegeben.

Ich denke, wir hätten hier mindestens einen Punkt verdient gehabt, alleine von den Torchancen insgesamt. Bis auf die letzten fünf Minuten, wo wir dann Polen offen hatten, wo der Schuss gegen den Innenpfosten ging oder wo der Torhüter aus dem Tor läuft, hatten wir eigentlich in der zweiten Halbzeit kaum etwas zugelassen und vorne hatten wir immer wieder Möglichkeiten. Deswegen hätten wir auf jeden Fall einen Punkt verdient gehabt. 

 

David Wagner, Trainer von Borussia Dortmund II: Was die Bodenverhältnisse und den Spielverlauf betrifft, kann ich mich dem Alois nur anschließen. Es waren wirklich sehr schwere Bedingungen, die Jungs haben dennoch versucht alles mögliche 'rauszuholen. Alles in allem war es ein hochverdienter unverdienter Sieg, was bedeutet, das wir wirklich sehr schlecht verteidigt haben. Wir haben so viele Chancen zugelassen, wie wir es sonst in den letzten zehn Spielen nicht zugelassen haben. Zlatan hat uns absolut im Spiel gehalten, er hat mit Abstand sein bestes Spiel für uns gemacht. Ein absolut glücklicher Sieg und dementsprechend bin ich auch alles andere als zufrieden, mit dem wie wir heute insbesondere verteidigt haben. Das wir nach vorne trotz der Bodenverhältnisse einen ganz ordentlichen Ball gespielt und uns Torchancen herausgespielt haben - das erste Tor war hervorragend ausgespielt - das war schön, das war auch ganz okay. Aber alles in allem wie wir verteidigt haben - und das ist ja im Prinzip das, was uns auszeichnet - nicht gut. Vielleicht ist das ein bisschen auch dem geschuldet, das wir keinen Rhythmus hatten, kein Spiel hatten. Ich weiß gar nicht, ob das unbedingt ein Nachteil gewesen ist, vor vier-fünf Tagen [ein Testspiel] gespielt zu haben. Nichtsdestotrotz nehme ich die drei Punkte natürlich gerne, denn gerade nach Heimspielen habe ich oft hier gesessen und wir waren richtig gut und haben nicht gewonnen oder gar nicht gepunktet. Jetzt ist es mal anders 'rum - und gefällt mir trotzdem besser, muss ich ganz ehrlich sagen. Alles in allem war es mit den drei Profi-Leihgaben so wie in der letzten Zeit: Die Jungs kommen hier her, geben Gas, kicken mit und haben in der Regel auch Bock zu zocken. Natürlich auf so einer besseren Moorlandschaft ist es für keinen einfach, aber man sieht die haben richtig Qualität und hauen sich da 'rein. Ich weiß, dass es bei anderen auch mal so ist, dass sie sich hängen lassen, wenn die dann bei der zweiten Mannschaft spielen. Bei uns ist das durch die Bank weg bisher anders gewesen und dementsprechend haben sie sich wirklich gut verkauft.    Zlatan Alomerovic, Torwart von Borussia Dortmund II: Wie zufrieden bist Du? Das Spiel war streckenweise schon ganz schön nervenaufreibend...  Ja, wir sind sehr froh, dass wir das Spiel gewonnen haben, es wurde am Ende auch noch ein bisschen spannend, dadurch, dass ich auch den Fehler gemacht habe bei der Ecke - aber wir sind alle froh, dass wir gewonnen haben. Über diesen einen Fehler kann man hinweg sehen, wenn man betrachtet in wie vielen Situationen Du heute geglänzt hast... Dafür ist ein Torwart da, damit er die Mannschaft vor einem Gegentor bewahrt, wenn z.B. die mal einen Fehler machen. Wie läuft jetzt die Vorbereitung für die nächsten Spiele? Platzbedingt gab es ja jetzt auch einige Spielausfälle. Der Terminplan ist voll, wir haben englische Wochen, jetzt müssen wir sehen was der Acker hier in der roten Erde so hergibt und sehen, ob wir Heimspiele austragen können. Wie schwierig ist das für einen Torwart auf solch einem Platz? Das ist natürlich schon schwierig, weil wenn ein Pass zurück kommt und Du den Ball lang schlagen willst, dann drubbelt  der auch immer so und wenn Du ausrutschst, dann besteht die Gefahr, dass der Ball aufs leere Tor zurollt. Daher muss man da immer hochkonzentriert sein und versuchen den Ball immer voll zu treffen und zur Not einfach ins Aus zu schießen. Kann man sich auf solche Gegebenheiten überhaupt vorbereiten? Man muss es einfach annehmen. Das gilt für beide Mannschaften. Wir haben keinen besseren Platz also müssen wir darauf spielen und das beste daraus machen. Mario Vrancic: Ihr habt 2:1 gespielt, wie hast Du das Spiel beurteilt? Es war lang und intensiv. Auf dem Platz haben wir das bestmögliche gemacht, war einfach ein richtiger Arbeitssieg mit Kampf und Leidenschaft. Hattest Du auch den Eindruck, dass die Kaiserslauterner sich nicht damit abgefunden hatten und gerade am Ende noch mal nachlegen wollten? Klar, wollten die. Aber wir wollten auch das 3. Tor machen - mit dem Pfostenschuss von Hoffi und dann nochmal Duckschi, da hätten wir eigentlich nachlegen sollen. Aber wir sind zufrieden mit dem 2:1-Sieg. Erster Heimsieg im neuen Jahr. So kann es weitergehen? So sieht es aus! Gegen Idar-Oberstein gibt es die nächsten drei Punkte und dann starten wir hoffentlich eine Serie.
Patrick Owomoyela: 2:1 - bist Du zufrieden?  Mit dem Ergebnis? Sicher. Es war für beide Mannschaften sicherlich nicht einfach, hier gut Fußball zu spielen aber ich denke, dass man mit dem Sieg und dem Kampf - und einigen schönen Chancen die wir hatten, noch mehr Tore zu schießen - leben kann und wir hatten ein ganz schönes Fußballspiel. Wie ist es hier zu spielen, wenn man die Erstliga-Atmosphäre gewohnt ist? Es ist natürlich was anderes vor einer etwas kleineren Kulisse zu spielen. Hier ist auch viel ruhiger, als nebenan, oder? Ja, es ist viel ruhiger und heute kam noch dazu, dass es wohl einen verunglückten Fan gab, deshalb waren die Fans besonders ruhig und das ist dann auch in Ordnung so. Aber generell ist es auch für uns von der ersten Mannschaft eine Möglichkeit Spieleinsätze zu bekommen und gewisse Dinge zu testen und somit muss man sich auch daran gewöhnen. Wie geht man da im Training ran? Habt ihr jetzt ausschließlich mit der zweiten Mannschaft trainiert oder trainiert ihr normal mit der ersten weiter? Die letzten zwei Einheiten vor dem Spiel sind wir dann natürlich beim Training der zweiten Mannschaft um gewisse Abläufe kurz kennen zu lernen und einfach ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie in der zweiten Mannschaft zu spielen ist, aber den Rest der Woche trainieren wir dann doch wieder mit den anderen. Bist Du Sonntag dabei? Ich gehe davon aus. Ich bin fit und gesund und konnte heute noch mal die Innenverteidigerposition testen, aber ab morgen oder übermorgen bin ich dann ganz normal wieder im Erstliga-Betrieb und hoffe dann, dass ich Sonntag auch wieder zum Kader gehöre. Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJens Matheuszik (Bericht, Stimmen), Ines Wussow (Fotos, Stimmen) - 23.02.2012


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