BVB belohnt sich mit Sieg gegen Ajax

Aus dem Westfalenstadion berichtet Andreas Römer


In einem spannenden und bisweilen hochklassigen Spiel schlägt Borussia Dortmund Hollands Meister Ajax Amsterdam mit 1:0. Ein gelungener Start in die Champions League.

Selber schuld, wer unbedingt schon fünf Minuten vor dem Abpfiff das Stadion verlassen möchte. Diese Zuschauer haben das Beste nämlich verpasst. Das Beste hat sich Borussia heute eben für ganz zum Schluss aufgehoben: Den 1:0-Siegtreffer erzielt Robert Lewandowski erst in der 88. Minute. Und den Viel-Zu-Früh-Nach-Hause-Geher geschieht es ganz recht, wenn sie den Jubel auf dem Parkplatz noch hören. Es war nämlich bei weitem nicht so, dass alles nach einem torlosen Unentschieden aussah.

Die Mannschaft von Trainer Klopp rackerte und kämpfte, setzte immer wieder offensiv die Akzente und jeder konnte spüren – die wollen das Ding gewinnen, die wollen die drei Punkte.

Von Beginn an hatte die Zuschauer ein flottes Spiel auf hohem technischem Niveau zu sehen bekommen. Der BVB begann wie schon gegen Leverkusen wie die Feuerwehr. Schon in den ersten drei Minuten, rauschte der Ball zweimal gefährlich durch den Amsterdamer Strafraum. Alles schienen die Schwarzgelben im Griff zu haben. Dann der Schreck, der nicht nur allen BVB-Spielern, sondern auch den fast 66.000 Zuschauern in die Glieder fuhr: Gündogan patzt bei einem Rückpass und nur eine klasse Parade von Weidenfeller verhindert den Rückstand. Da guckte aber manch ein Fan fragend und erinnerte sich an die letzte CL-Saison, wo genau solche Patzer jeweils die Punkte kosteten.
Zum Glück zeigte sich Gündogan unbeeindruckt und schickte direkt im Gegenzug mit einem tollen Pass Götze auf die Reise, der aber an Torhüter Vermeer scheiterte. Insgesamt stand Ajax gut, hatte die Sache einigermaßen im Griff. Ballsicher sind sie alle – und so gelang es den Gästen immer wieder den Ball zu halten, die BVB-Angriffsmaschine ein bisschen zu bremsen und Ajax erarbeitete sich bis zur Pause 56 Prozent Ballbesitz. Die besseren Chancen hatte dennoch weiter die Borussia. Allerdings nur Schmelzers Schuss nach schickem Pass von Reus zwang Vermeer dazu, sein Können zu beweisen.
Amsterdam zog sich weit zurück und konterte geschickt. Einmal musste Weidenfeller seinen Strafraum verlassen, um zu klären. Das tat er nicht weit genug und rannte dann hinter dem Ballführenden her – das Tor war verlassen – Ajax bekam den Ball aber nicht unter Kontrolle und so ging es schließlich mit 0:0 in die Pause.

Direkt nach Wiederanpfiff blieb dem Dortmunder Anhang fast das Herz stehen. Erst scheiterte Babel, der in diesem Spiel häufiger zu sehen war, als in drei Spielen seines früheren Arbeitgebers Hoffenheim, knapp. Die anschließende Ecke fiel de Jong vor die Füße und nur eine erneute Klasseparade von Torhüter Weidenfeller verhinderte das Gegentor. Anschließend kam Babel noch einmal zu einem Kopfball, der er aber drüber setzte. Danach nahm Borussia das Heft aber wieder fest in die Hand.

In der 49. Minute hatte der schwarz-gelbe Anhang den Torschrei bereits auf den Lippen. Lewandowski tanzte zwei Gegenspieler aus und traf dann aus 8 Metern das Tor nicht. Drei Minuten später schickte Götze Reus auf die Reise mit einem geschickten Pass in die Schnittstelle der Viererkette. Doch Reus fand in Vermeer seinen Meister, der geschickt den Winkel verkürzte und zur Ecke klären konnte. Auch gegen Gündogans Schuss aus 20 Metern wusste der Ajax-Keeper die bessere Antwort.

Dann die 58. Minute. Götze versuchte es mal wieder allein und wurde von den Beinen geholt: Elfmeter. Hummels trat an und verschoss ziemlich schwach. Hummels bezeichnete seinen Elfer später als „Katastrophe“. Er hatte sich kurz um entschlossen, wohin er den Ball schießen wollte – und das haute nicht hin.

Doch weder Fans – die sich wahrlich der Champions League würdig erwiesen – noch die Spieler ließen die Köpfe hängen. Immer wieder kreierte der BVB Angriff auf Angriff. Auch wenn immer noch ein Bein dazwischen war, es kaum klare Chancen gab, war doch zu spüren, dass die Mannschaft fest dran glaubte. Und als Ajax nach 80 Minuten schon begann auf Zeit zu spielen, legte Borussia noch mal eine Schüppe drauf und wurde in der 88. Minute belohnt. Gündogan hebt eine Flanke an den Strafraum, Kehl köpft Richtung Elfmeterpunkt, Lewandowski nimmt das Leder dreht sich um seinen Gegner und trifft aus fast der gleichen Position von der er zuvor vergab ins linke Eck und mitten hinein ins Borussenglück. Die drei Minuten Nachspielzeit schaukelt das Team erstaunlich gelassen über die Zeit und gewinnt am Ende mit 1:0.

Damit der erste Sieg in der Champions League im Sack, die Ausgangposition für die nächsten Spiele gut. Borussia hatte an zwei, drei Stellen ein bisschen das Glück der Tüchtigen. Sie hat sich aber mit einer kuragierten Leistung die ersten Punkte verdient, weil man nie aufgesteckt hat, den Sieg unbedingt wollte. Ein gelungener Champions-League-Abend im BVB Stadion Dortmund, wie der Fußballtempel an solchen Tagen heißen muss. Diese Umbenennung in den offiziellen Unterlagen ist genauso überflüssig wie Sitzplätze auf der Süd, wie die beiden Vögel, die in Schiedrichteruniform hinter dem Strafraum rumtänzeln oder wie der feine Anzug, in den sich "Pöhler" Jürgen Klopp stecken lässt. Manche Dinge braucht es wirklich nicht, um einen gelungenen Fußballabend zu genießen. So ein Spiel von der eigenen Mannschaft genügt vollkommen. Öffnet externen Link in neuem Fenster>> Fotostrecke

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailAndreas Römer (Text), Christopher Neundorf (Fotos), 19.9.2012


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