Das Borussen-Duell und eine offene Rechnung

Eine Vertragsverlängerung als Zeichen an das Team?!

Aus Mönchengladbach berichtet Klaus Reimann

Im Fußball kann das manchmal sehr schnell gehen. Keine zwei Monate ist es her, da träumten sie bei Borussia Mönchengladbach noch von den höchsten Weihen internationalen Vereinsfußballs. Die Champions League schien zum Greifen nah. Sieben Spieltage ohne Sieg später ist dieser Traum längst ausgeträumt, ja nicht einmal mehr von der Europa League wagen sie derzeit rund um den Borussia-Park zu sprechen. Zur Saisonhalbzeit auf Platz drei, sogar noch einen Zähler vor dem nächsten Gegner, der Dortmunder Borussia, gilt es jetzt vielmehr, den freien Fall zu stoppen, um am Ende vor einer gänzlich mittelmäßigen Spielzeit bewahrt zu werden. Im Umfeld, aber wohl auch intern, haben sie die Stabilität des mannschaftlichen Gefüges bei der Elf vom Niederrhein überschätzt. Mit dem reibungslosen Einbau der drei Neulinge Raffael, Max Kruse und Christoph Kramer, so hatte es in der Hinrunde den Anschein, schien die nächste Qualitätsstufe erreicht worden zu sein. Alles ging so leicht - zu leicht. Spiele, in denen die Borussia nicht unbedingt die bessere Mannschaft war, wurden gewonnen. Siege übertünchten so manche Unzulänglichkeit. Zur Erinnerung: Im Hinspiel gegen Dortmund spielte der BVB die Gladbacher eine Halbzeit lang an die Wand, vergaß aber das Toreschießen. Über den 2:0-Erfolg war die Favre-Elf nach 90 Minuten dann selbst am meisten erstaunt. Zu erklären war er nicht. Zu erklären ist auch nicht, warum es mit Beginn der Rückrunde so gar nicht mehr läuft. Sämtliche Leistungsträger, von Arango bis Kruse, nahmen sich ihr Leistungstief. Dummerweise alle gleichzeitig. Der Schwung, das Tempo, der Mut – alles ist den Gladbachern zuletzt verloren gegangen. So wie die Mannschaft in der Hinrunde oftmals über ihre Verhältnisse gespielt hat, blieb sie zuletzt gefährlich oft unter ihren Möglichkeiten. Erst streikt der Kopf, dann die Füße. „Wir trauen uns nicht mehr, Spiele auch zu Ende zu spielen“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, nachdem es die Mannschaft auch gegen Augsburg nicht geschafft hatte, eine Führung in einen Sieg münden zu lassen. Wie zuvor gegen Bremen, Braunschweig und Hoffenheim. Weiterarbeiten, an sich glauben, hoffen – so lautet auch am Niederrhein die allseits bekannte Rezeptur für eine Gesundung der Mannschaft, die freilich in erster Linie selbst gefordert ist, sich aus der prekären Lage herauszukämpfen. Die Vertragsverlängerung mit Trainer Lucien Favre just zu dieser Zeit mag ein Zeichen an Spieler und Umfeld sein, so etwas wie eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität zu entwickeln. Und diese auch auf dem Platz zu demonstrieren. In dieser Phase ausgerechnet gegen die wiedererstarkten Dortmunder zu spielen, klingt wenig vergnüglich. Doch womöglich hilft es der Gladbacher Mannschaft, in dieser Misserfolgsphase mal völlig ohne Druck in eine Partie gehen zu können. Mit dem Hintergedanken, eigentlich nur gewinnen zu können, findet die Favre-Elf vielleicht wieder zu Leichtigkeit und Selbstbewusstsein zurück. Personell dürfte es hilfreich sein, dass in Granit Xhaka und Kramer zwei zuletzt gelb-gesperrte Akteure wieder zurück sind. Vielleicht platzt ja bei Kruse just gegen den BVB der Knoten, entdeckt Arango seinen Zauberfuß wieder, kann sich Marc-Andre ter Stegen zu einer Glanzleistung im Tor aufschwingen. Zugegeben, etwas viel vielleicht. Aber im Grunde genommen haben Mannschaft, Trainer und Fans in den vergangenen Jahren schon schlimmere, existenziell bedrohlichere Situationen gemeistert. 36 Punkte am 25. Spieltag sind keine Bilanz, für die man sich schämen müsste. Der eine oder andere Zähler sollte aber schon noch hinzukommen. Vielleicht ja in Dortmund…

St. Petersburg im Visier – Gladbach vor der Brust 

Aus Dortmund berichtet Mathias Laßauer

Zum Thema Uli Hoeneß, so waren sich Pressesprecher Sascha Fligge und Jürgen Klopp einig, wolle man sich nicht äußern. Man beantworte lieber Fragen zum kommenden Spiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Ein Duell, in dem man noch eine Rechnung offen habe. So könnte man es deuten, wenn man bei Jürgen Klopp zwischen den Zeilen zugehört hat. Kein Wunder. Es ist kein Geheimnis, dass die Hinspiel-Niederlage mehr als unnötig war. Zu groß war die Dominanz und zu gering die Ausbeute des BVB an jenem Spieltag. Und gerade deshalb hat man sich auf Dortmunder Seite sehr viel für das kommende Duell vorgenommen. Vier Spiele innerhalb von elf Tagen. So sieht der Fahrplan von Jürgen Klopp und seinem Team aus. Und auch, wenn der eine oder andere schon mit einem Auge auf den kommenden Mittwoch und das Duell gegen St. Petersburg schielt, so heißt es in erster Linie am kommenden Samstag, den zweiten Tabellenplatz in der Liga zu verteidigen. Und das scheint wohl nicht immer so einfach zu sein. Vor den letzten drei Duellen in der Königsklasse konnte der BVB nicht einen Punkt holen. „Krönender Höhepunkt“ war die 0:3-Niederlage in Hamburg vor der Partie gegen St. Petersburg. Dies gilt es, dieses mal zu vermeiden. Trainer Klopp lässt sich zumindest nicht von der negativen Serie der Gäste täuschen und wird mit allen Mitteln versuchen, sein Team richtig auf den Gegner einzustellen. Dazu gehört auch, dass man nochmals an die bittere Hinspiel-Niederlage erinnert. „Gladbach hat genügend Qualität“, betonte Klopp, auch wenn im Moment die Ergebnisse fehlen würden. So negativ die Serie der Gäste ist, so positiv läuft es für den BVB. Sieben der letzten acht Pflichtspiele konnte man gewinnen. Was die taktische Ausrichtung angeht, da hat der Dortmunder Coach unterhalb der Woche einiges ausprobiert. Es gilt schließlich neben Henrikh Mkhitaryan, der in Freiburg seine 5. gelbe Karte sah, wohl auch Marco Reus zu ersetzen. Dieser leidet unter muskulären Problemen und wäre bestimmt besonders motiviert gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. „Aber wenn bis Samstag nichts Außergewöhnliches passiert, wird Marco nicht mit von der Partie sein.“, resümierte Klopp leicht betrübt. Als Alternativen stehen aber u. a. mit Jonas Hofmann und Milos Jojic zwei Männer zur Verfügung, die mit Sicherheit auf einen Einsatz von Beginn an brennen. Grund zur Freude macht die Nachricht, dass Robert Lewandowski mit hoher Wahrscheinlichkeit am Samstag wieder in der Startformation steht und weiter Jagd auf die Torjägerkanone machen kann. Auch der BVB macht wieder Jagd. Gegen die Fohlen, die übrigens mit 8.000 Fans anreisen, wird im Westfalenstadion der einmillionste Besucher erwartet. Somit steht der Ballspielverein wieder auf Platz 1 in Europa, was die Zuschauerzahlen angeht. Zumindest mal ein Titel, den man in München nie erreichen wird. Ansonsten ist es aber verhältnismäßig ruhig vor dem Duell gegen die Elf vom Bökelberg. Da wird ja wohl nicht doch schon das Augenmerk im Umfeld auf den Mittwoch gerichtet, oder? Bei Jürgen Klopp und seinem Team mit hundertprozentiger Sicherheit nicht. Schließlich hat man da ja noch eine Rechnung offen und die Botschaft an Lucien Favre und sein Team war sehr eindeutig. „Das wird mit Sicherheit kein Zuckerschlecken gegen uns.“, ließ Klopp die anwesende Presse wissen. 

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailMathias Laßauer, 14.03.2014



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