Thon und Tönnies spucken Töne – es ist Derbyzeit!

Aller guten Dinge sind 141. Zumindest ist das am Samstag so, wenn ein gewisser Vorortverein aus Gelsenkirchen der Fußballwelthauptstadt Dortmund seinen jährlichen Besuch abstattet. Und die Männer aus der „Stadt der 1000 Feuer“ reisen nicht an, um sich anzuschauen, wie das aussieht, wenn Strukturwandel funktioniert. Also zumindest nicht nur.

Die „Thontauben“ pfeifen es von den Dächern: Borussia ist gegen Blauweiß im Hintertreffen

Sie wollen das Spiel der Spiele gewinnen, dem Doublesieger im Derby keinen Punkt lassen. Und das wäre, wie der Fußballwelt bereits unter der Woche mitgeteilt wurde, alles andere als eine Überraschung. Zumindest nicht laut der fachmännischen Expertise von Olaf Thon. Der Gelsenkirchener Stadtmeister im Sektflötenweitwurf auf Jahreshauptversammlungen hat zu einer messerscharfen und hochseriösen Analyse angesetzt und kommt in deren Folge nicht umher, nüchtern zu konstatieren, dass der Revier-Rivale dem zuletzt zweifachen Meister aus Dortmund schon nach sieben Bundesligaspieltagen den Rang abgelaufen habe und Öffnet externen Link in neuem FensterSchalke somit als Favorit nach Dortmund reise.

Niemand würde sich jetzt hier die Blöße geben, ausgerechnet eine Olaf Thon-These anzuzweifeln. Vor allem nicht der Fleischfabrikant im Vorsitz des S04-Aufsichtsrates. Der legte nämlich kürzlich noch beeindruckendere Analysefähigkeiten an den Tag als Olaf Thon.

Der Öffnet externen Link in neuem FensterLiebling aller Steuerfahnder sendete eine gut gemeinte Warnung an die Strobelallee, indem er uns mit der erstaunlichen Erkenntnis erhellte, dass Öffnet externen Link in neuem FensterJürgen Klopps oftmals emotionales Coaching derart den Druck auf die Dortmunder Mannschaft erhöhe, dass nicht nur eine Titelverteidigung  ausgeschlossen sei, sondern die ganze Truppe auch irgendwie schlecht rüberkomme.

Tönniessche Thesen abermals beeindruckend

Kann schon stimmen…. Liegt wahrscheinlich aber nicht nur an der Kloppschen Gesichtskirmes, sondern auch an Kevin Großkreutz. Der ist ja bekanntlich laut Tönnies „Hass-Prediger“. Und Hass predigen kommt nachweislich schlecht rüber. Fast so schlecht wie Steuerhinterziehung. Oder Lohn-Dumping.

Auch ohne sicherlich aussichtslose Versuche zu unternehmen, die nahezu bewundernswerten Tönniesschen Thesen zu widerlegen, frage ich mich nach jeder seiner Demonstrationen von Fachkenntnis ganz grundsätzlich, warum die fehlfarbenen Anhänger, die ihren Vorortverein oftmals noch immer hartnäckig als Arbeiterverein verstanden wissen wollen, mit ihrem Aufsichtsratvorsitzenden so gut klar kommen. Vielleicht weil einer, der viele Jobs schafft, der Vereinsspitze eines Arbeitervereins gut zu Gesicht steht. Auch wenn’s meistens Niedriglohn- oder Kurzarbeits-Jobs sind. Die sind ja besser als keine und bekanntlich Antriebsmotor der deutschen Wirtschaft. Und damit quasi auch der europäischen.

Außerdem erscheint einem der umtriebige Schlachthaus-Erbe aus dem Ostwestfälischen neben den russischen „Öligarchen“, die Blauweiß mit Sponsoring-Geldern finanziell über Wasser halten, immer noch wie Marx und Engels in Personalunion.  

Aber alles kalter Kaffee außer auf’m Platz...

Mit einer Auffassungsgabe, wie der, mit der Thon und Tönnies nachhaltig beeindrucken, kann ich  leider nicht aufwarten, aber immerhin sehe ich beim Blick aufs Sportliche folgendes: Alles kalter Kaffee außer „auf’m Platz“.

Und „auf’m Platz“ wird neben einigen Dortmunder Leistungsträgern auch Schalkes Abwehrrecke Papadopoulos nicht in Erscheinung treten.  Letzterer hat die Windpocken und wird deswegen wohl nicht zum Einsatz kommen, was wiederum leise Hoffnungen aufkeimen lässt, dass das schwarzgelbe Lazarett nach dem Abpfiff nicht noch voller wird. Jermaine Jones kann ja nicht alle alleine kaputttreten (Es sei denn, Gagelmann pfeift).

Vom Griechen abgesehen sind auf Schalker Seite noch die Einsätze von Draxler, Fuchs und Obasi (Metzelder braucht man ja wohl hier nicht mit aufzählen) fraglich, die sich aber wahrscheinlich größtenteils einsatzfähig melden werden. Dieser Eindruck entsteht, weil Huub Stevens auf der Schalker Spieltags-Pressekonferenz den Eindruck hinterlässt, so sehr aus dem Vollen schöpfen zu können, dass nur die Torwartfrage im Raum steht. Diesen glücklichen Umstand nutzte der „Knurrer aus Kerkrade“ für den ehrenwerten Versuch, den Marktwert von Ersatzkeeper Ralf Fährmann in die Höhe zu quatschen, als er auf die Frage hin, ob Unnerstall oder Hildebrand das Tor hüten werde, über die Stärken seiner Nummer Drei sinnierte und diese als weitere Alternative für einen Derby-Einsatz ins Spiel brachte.

„Leicht kann jeder…“

Auf Dortmunder Seite ist das Lazarett derart frequentiert, dass die Aufstellung wohl erst nach dem Warmlaufen stehen wird. Mit Kuba und Götze fallen zwei Drittel der etatmäßigen Offensivkette definitiv aus.  Zudem sind Gündogan, Bender und Schmelzer fraglich. Sollten sie zum Einsatz kommen, hätten sie vorm wichtigsten Spiel der Hinrunde ähnlich wenig trainiert, wie der wohl rechtzeitig genesene Mats Hummels.

Meistertrainer Jürgen Klopp sagt dazu Dinge wie "Es werden elf Spieler anfangen" oder „Leicht kann jeder“.  Aber er sagt auch, man werde nichtsdestotrotz „eine gute Truppe aufs Feld führen, die sich alles abverlangt“ und spricht vom Heimvorteil. Auf beides konnte sich Borussia in den letzten Spielzeiten zumeist verlassen. Ein Derby gewinnt man ohnehin nur mit Leidenschaft – auf dem Rasen und auf den Rängen.

Auf letzteren werden wir diesmal voraussichtlich keine Netzhautpeitschen in Form königsblauer Fahnen oder Doppelhalter ertragen müssen. Mit dem Zündeln beim letzten Besuch in Dortmund hat eine Minderheit sich und der Gelsenkirchener Fanszene ein Materialverbot als Kollektivstrafe eingehandelt. Ob die jungen Herren trotzdem wieder für Silvester trainieren und so mit ihrer Art des Kampfes um die Fankultur selbiger einen weiteren Bärendienst erweisen, wird sich zeigen.  

Wie alle vernunftbegabten Zeitgenossen wünschen sich auch die Verantwortlichen beider Vereine ein friedliches Derby. Die gemeinsame Veröffentlichung dazu Öffnet externen Link in neuem Fenstergibt es hier.  

So richtungsweisend wie viele meinen, kann ein Spiel zwar zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht sein, aber wir wollen ihn, den Derbysieg! Auf geht’s, Dortmund!


Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailRutger Koch, 19.10.2012 (Fotos: 'Gib mich DIE KIRSCHE'-Archiv)


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