Eine Freundschaft, die nie endet

Vergangenen Samstag war es wieder so weit. Die Bundeliga-Dinos aus der Hansestadt waren zu Gast in Dortmund. Und noch bevor sich die Schwarzgelben dann am Nachmittag im Westfalenstadion ihre vier Ohrfeigen einfingen, trafen sich etwa 100 Fans beider Lager zum geselligen Beisammensein im „Bürgermeister Lindemann“ in der Dortmunder Oststadt und fachsimpelten über frühere Treffen und alte Zeiten...

Angefangen hat alles im Sommer 2010 mit einem alten BVB-Fanclub-Aufnäher bei einer Ebay Auktion, den Michael Bolte vom BVB Fanclub "No Limits" (wurde am 20. November 1996 auf der Fahrt zum Champions League-Spiel in Lodz gegründet) für seine Aufnähersammlung benötigte (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bvb-fanclubaufnaeher.npage.de). Dadurch kam er mit dem HSV-Fan Peter Knaack aus Henstedt-Ülzburg (bei Hamburg) per Email in Kontakt.

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Im Herbst 2010, auch bei einer Ebay Auktion, kam zu diesen beiden ein weiterer Kontakt mit dem HSV-Fan Bernd Stürmer aus Hamburg hinzu. Nach einigen Mails hin und her stellten die drei viele Gemeinsamkeiten fest - ob es das Sammeln von BVB und HSV-Fanclubaufnähern war, die beiderseitige Sympathie für die alte „Achse“ oder die Freude am Fußball.  Was dann passierte, war folgerichtig und darf aus heutiger Sicht als gelungener Grundstein einer Wiederbelebung alter freundschaftlicher Bande gesehen werden:  Es gab erste Telefonate, wo naturgemäß viel über „die alten Zeiten“ während der Fanfreundschaft BVB + HSV, das leise Sterben der Kutten und der Rückgang von traditionellen Aufnähern in der gesamten Fanszene gesprochen wurde.

Während der vielen anschließenden Telefonate, sagte mir Bernd auch, das er mit Peter Knaack befreundet ist und beide dem HSV Fanclub "Krawattenfront 1987 HH" angehören - ein kleiner aber sehr bekannter Fanclub in der Hamburger Szene, freut sich Michael Bolte (Foto rechts) noch heute über diesen gelungen Coup. Im Laufe der Zeit kamen durch das sammeln von Fanclubaufnähern der HSV-Fan Lars Reikowski aus Northeim, aus der Nähe von Hannover, dazu, was absolut zusammen passte.



Man tauschte sich regelmäßig aus und wollte nun den nächsten Schritt wagen. Nun kam die Zeit zum ersten gemeinsamen Treffen, welches im April 2011 in Hamburg vor dem Spiel beim HSV (Endstand 1:1) in freundschaftlichem Rahmen abgehalten wurde. Dass die alte Freundschaft zwischen dem BVB und dem HSV doch noch nicht so ganz erkaltet und in Vergessenheit geraten war, stellen wir schnell fest, als vier HSV-Kutten der „Krawattenfront“ und ich als BVB Kutte gemeinsam zum Volksparkstadion gingen und hinter uns die Leute so Sätze sagten wie: "Boah, guck ma die Kutten da. Wie in alten Zeiten, geil" oder im Hamburger Slang: "Na, das sieht ja mal richtig wie früher aus", erinnert sich Bolte.

Nach dem Spiel in einer Hamburger Kneipe, war das Gerede groß, als wir mit zahlreichen Kutten beider Lager einträglich ZUSAMMEN beim Bier standen. Die viele positiven und aufmunternden Worte der anderen Gäste nahmen die Kutten zum Anlass, es nicht bei diesem Treffen zu belassen.



Das zweite Treffen fand dann im Sommer 2011 fand bei "Revierfreunde Dortmund -Mitglied " Manni Weiß (der inzwischen mittlerweile auch für die „Hamburger Jungs“ begeistert werden konnte) im Garten statt. Unnötig zu erwähnen, dass dort allesamt Kuttenträger aufgelaufen waren – mehrheitlich aus den "Revierfreunden`87 ", der "Sektion Thurgau", No Limits Neheim und etlichen HSV-Fans aus dem Norden. Nach dem Spiel, das bekanntlich mit 3:0 für den BVB ausging, traf man sich wieder gemeinsam auf ein Pils im Biergarten der "Roten Erde", wo von allen erstmals wieder der  altbekannte Gassenhauser  "BVB und HSV - duda-duda" zur Verwunderung der Mehrheit der Anwesenden dort im Biergarten angestimmt und anschließen von (fast) allen Gästen mitgesungen wurde.

Nachdem man sich nach ausführlichem Umtrunk dann im Laufe der Nacht voneinander verabschiedet hatte, freute man sich bereits auf den Gegenbesuch zum Rückspiel in Hamburg, welches jetzt natürlich turnusmäßig von der "Krawattenfront HH" ausgerichtet werden sollte.

Gesagt, getan. Das Rückspiel und der Gegenbesuch fanden dann im Januar 2012 in der Hansestadt Hamburg statt, wo man in geselliger Runde erneut zusammentraf. Selbst nach dem Spiel, als der BVB dieses Auswärtsmatch mit Sage und Schreibe 5:1 gewonnen hatte, brach die gute Laune der HSV-
Fans keineswegs ab und in der Straßenbahn wurde von allen Personen das Lied "HAMBURG UND DER BVB, HAAAAmburg und der BVB, ...." angestimmt, welches nachher die komplette Bahnbesatzung mitsang. Erstmals mit viel Wehmut verabschiedete man sich vor Ort und freute sich bereits auf das nächste Treffen, was ja dann auch nicht lange auf sich warten ließ.


"Borsti" mittendrin statt nur dabei...

Zum Pokalfinale 2012 in Berlin trafen sich vor dem Spiel die BVB Fanclubs "Revierfreunde DO", "No Limits-Neheim" mit der "Krawattenfront", die traditionell seit 1987 jedes Pokalendspiel besuchen (egal welche Mannschaften dort aufeinander treffen) in einer Berliner Kneipe, sowie nach dem gewonnenen Spiel auf der Terrasse am Berliner Olymiastadion. Dort traf man auf den alteingesessenen BVB-Fanclub "Schwerte-Ergste" – traditionell allesamt ebenfalls Kuttenträger, um den Pokalsieg gemeinsam zu feiern. Als in der Hauptstadt der Zeitpunkt einer Verabschiedung nahte, versprach man sich ein weiteres Treffen zum nächsten Spiel zwischen dem BVB und HSV.

Aufgrund der großen Nachfrage für das Aufeinandertreffen, ob man nicht alle bekannten BVB und HSV-Kutten zusammenkommen lassen sollte, organisierte Michael Bolte ein Treffen unter dem Motto: "BVB + HSV, EINE FREUNDSCHAFT DIE NIE ENDET". Alle bekannten BVB-Fanclubs "die (noch) Kutte tragen" wurden eingeladen, von Hamburger Seite sprachen die Jungs der "Krawattenfront" die Ihnen bekannten Kuttenträger der Rauten an. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen der In Initiatoren. Insgesamt waren etwa 50 - überwiegend Kuttenträger – aber auch altgediente Fans, die diese Fanfreundschaft damals miterlebt haben, anwesend. Diese setzten sich zusammen aus den BVB-Fanclubs "Schwerte-Ergste", "Revierfreunde`87 DO", "No Limits-Neheim" und der Schweizer "Sektion Thurgau". Aus Hamburg kamen die HSV-Fanclubs "Krawattenfront 1987 Hamburg", "Die blauen Celler", "Rothosen`72"  und weitere HSV-Fans aus Neu-Wulmstorf, Köln, Osnabrück,  Northeim und Hannover. Immer wieder wurde ein lautes "DORTMUND UND DER HSV" angestimmt, was Erstaunen und ebenfalls intuitives mitsingen bei den vorübergehenden, fußballaffinen Fußgängern vor der Kneipe "Bürgermeister-Lindemann" hervorbrachte.



Fazit: Bei den älteren Fans des BVB und dem HSV besteht die Fanfreundschaft in den Herzen größtenteils immer noch. Der Wunsch, dieses bisschen zu erhalten, ist allgegenwärtig. Bei den Jüngeren Fans, vor allem den Ultras existiert diese Sehnsucht nicht mehr – wie auch? Sie haben es ja nicht miterlebt, wie geil dies seit der Bundesliga-Rückkehr des BVB (Saison 76/77, 4:3 Sieg im Volksparkstadion) bis in die 80er Jahre gelebt wurde. Negative Gesänge im Stadion, wie sie durch beiderseitigem Gesang "BVB/HSV Hurensöhne" bei nahezu jedem Aufeinandertreffen ausgelebt werden, sind einfach ärgerlich. Denn sollte man öfter derartige Zusammenkünfte im Rahmen der oben aufgeführten Freundschaftstreffen fortführen, würden daran immer mehr Personen teilnehmen, um diese alte und traditionelle Freundschaft zwischen den BVB und dem HSV wieder aufleben zu lassen, ist sich Michael Bolte sicher. Und weiter: "Vielleicht kann man auch durch ausgewählte Medienvertreter oder den jeweiligen Fanbetreuern beider Vereine, die Jüngeren von dieser tollen Freundschaft überzeugen?" Auch im weltweiten Netz haben sich bereits Gruppen gebildet, z.B. bei Facebook: "BVB + HSV, bzw. „Alte Liebe rostet nicht", oder "HSV + BVB09 - Fanfreundschaft", sowie "BVB und HSV - Alte Freundschaft rostet nicht", um nur einige zu nennen. Da sagen wir mal in diesem Sinne: BVB + HSV - EINE FREUNDSCHAFT DIE NIE ENDET.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter, Michael Bolte (Fotos) – 12.02.2013


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